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Dieses Bild zeigt Xaver Abeltshauser mit seinem Gespann bei der Benediktbeurer Leonhardifahrt in den 1980er Jahren.

Vor der Leonhardifahrt am Sonntag in Benediktbeuern

Zum 40. Mal dabei – ein besonderer Tag

Wenn am Sonntag die prächtig geschmückten Wagen der Benediktbeurer Leonhardifahrt ins Kloster einziehen und Mensch und Tier ihren Segen empfangen, dann wird das für Xaver Abeltshauser ein ganz besonderer Moment sein. Denn heuer ist er zum 40. Mal bei der Wallfahrt dabei.

Bad Heilbrunn/Benediktbeuern Irgendwie ist der Nachbar schuld. Ihm hat der junge Xaver Abeltshauser schon als Bub dabei geholfen, alles für die Wallfahrt in Benediktbeuern vorzubereiten. „Von Kind auf war ich dabei“, erinnert sich der heute 60-jährige Bad Heilbrunner.

Seine Eltern hätten zwar selbst keine Pferde gehabt, doch von ihnen hat Abeltshauser den tiefen Glauben vermittelt mitbekommen. Für ihn ist Leonhardi zwar schon auch aufgrund der Rösser ein besonderes Erlebnis. Aber im Mittelpunkt steht für Abeltshauser das Gebet. „Die Wallfahrt ist eine Bittfahrt, bei der man um den Segen für sich und seine Tiere fürs ganze Jahr bittet.“ Diesen Hintergrund nimmt er sehr ernst.

Im Alter von etwa zehn Jahren begann Abeltshauser mit dem Reiten, mit 16 bekam er sein erstes eigenes Pferd: einen Haflinger. „Und irgendwann ist man dann selbst mitgefahren bei Leonhardi“, erzählt er. „Irgendwie“ habe es sich „einfach entwickelt“.

In einem Fotoalbum hat der Heilbrunner vieles festgehalten.

Heute besitzt Abeltshauser, der bei der Stadt Wolfratshausen arbeitet, sieben Kaltblüter. Alles prächtige Deckhengste, mit denen er auch züchtet. Vier von ihnen – Sepp, Schorsch, Rigo und „der Bua“ – werden heuer den Tafelwagen mit den Schalk- und Miederfrauen aus Ascholding und Beuerberg ziehen. Darauf wird heuer auch die bayerische Bierkönigin Lena Hochstrasser Platz nehmen. Der Wagen gehört ebenfalls Abeltshauser. Die vier Kaltbluthengste sind zwischen drei und elf Jahre alt und trainierte Kutschpferde. Deshalb bekommen sie vor der Wallfahrt keine extra Ration Hafer, denn: „Das ist keine schwere Arbeit für sie.“

Die Vorbereitungen für die Wallfahrt am Sonntag laufen im Hause Abeltshauser schon seit Tagen: Der Schmied hat den vier Rössern bereits die Hufe gerichtet und neue Eisen aufgenagelt. Das Geschirr der Tiere ist geputzt. Der Wagen selbst wird von den mitfahrenden Frauen mit Girlanden aus Buchs, Daxen und Moos geschmückt. „Damit sind sie fast fertig“, sagt Abeltshauser.

Anders als manch andere Teilnehmer der Wallfahrt, deren Pferde die meiste Zeit des Jahres auf der Weide verbringen, müssen Rösser des Heilbrunners das Ziehen des Wagens im Straßenverkehr nicht trainieren, denn: „Wir fahren mit ihnen das ganze Jahr; etwa bei Hochzeiten.“. Sein Sohn hat mit den Pferden auch schon an Zugleistungsprüfungen teilgenommen.

Der Deckhengst Sepp wiegt 850 Kilo. Das Pferd zieht mit drei weiteren Rössern den Tafelwagen mit den Schalk- und Miederfrauen aus Ascholding und Beuerberg, heuer die Nummer acht.

Einen Tag vor der Wallfahrt werden Fell und Mähne der Tiere gewaschen. Frühmorgens um vier Uhr flechtet seine Tochter Rosemarie dann Rosen, Nelken und Buchs-Sträuße in Mähnen und Schweife. Per Hänger werden die Rösser von ihrem Stall in der Ramsau nach Benediktbeuern gefahren, wo sie vor den Tafelwagen gespannt werden, der heuer – anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von Abeltshauser – weit vorne als Nummer 8 in der Zugfolge fahren wird.

Natürlich wird Xaver Abeltshauser den Wagen lenken – wie schon in den vergangenen 40 Jahren. Sohn Flori und Schwiegersohn Michi werden ihn als Braxer begleiten. Abeltshauser hofft, dass er die Tradition der Leonhardifahrt an seine vier Kinder weitergegeben hat: Dass sie weitermachen, wenn er mal nicht mehr kann. Noch freilich denkt er nicht ans Aufhören. Nach der Leonhardifahrt in Benediktbeuern wird er für die Wallfahrt in Bad Tölz anspannen. Und 2018 will er natürlich auch wieder dabei sein und den Heiligen Leonhard um seinen Segen bitten. (Franziska Seliger)

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