+
Haben die Situation vor Ort unter die Lupe genommen: Dr. Andrea Kenkmann (li.) und Dr. Dorit Sing von der KSFH. Bei der Versammlung von „Zammlebn“ stellten sie die Ergebnisse vor.

Vortrag in Benediktbeuern

So gelingt das Älterwerden auf dem Land

Die Menschen werden immer älter. Und je älter, umso häufiger und komplexer sind die damit einhergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Wie begegnet man speziell im ländlichen Bereich den Problemen, die im Alltag daraus erwachsen und immer stärker in den Vordergrund treten?

Benediktbeuern – Professorin Dr. Dorit Sing und Dr. Andrea Kenkmann vom Kompetenzzentrum „Zukunft Alter“ an der Katholischen Stiftungshochschule des Klosters Benediktbeuern beschäftigen sich mit dieser Thematik und nehmen dabei auch die Situation im Klosterdorf ins Auge.

Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins Zammlebn (wir berichteten) stellten die beiden Expertinnen Fakten, Erkenntnisse und Handlungsmöglichkeiten vor. Laut einer Erhebung lag in Benediktbeuern im Jahr 2017 die Anzahl der Personen, die älter sind als 75 Jahre, mit zwölf Prozent vergleichsweise höher als im restlichen Landkreis (9,4 Prozent) oder im Bezirk Oberbayern (8,3 Prozent). Die Anzahl der Menschen in der Altersgruppe „65 plus“ machte 2017 23 Prozent der Gesamteinwohnerzahl aus. 2028 werden es laut Prognose 29 Prozent sein. Auf neun Prozent der Menschen in der Altersgruppe „65 plus“ träfe nach statistischer Berechnung eine Demenzerkrankung.

Generell brauche es angepasste Bedingungen im Lebensumfeld, um den Senioren einen möglichst lange eigenständigen und werthaltigen Alltag zu ermöglichen, sagten die beiden Referentinnen. „Die Familie alleine kann das nicht schaffen.“ Gefordert seien vielmehr Politik, Kommunen und Gesellschaft. Man brauche soziale Netzwerke, wie es zum Beispiel in Benediktbeuern mittlerweile vom Verein „Zammlebn“ aufgebaut worden ist.

Als Bausteine verschiedener Wirkungsfelder wurden barrierefreies Wohnen, alternative Wohnformen wie Mehrgenerationen- und Senioren-WGs, präventive Hausbesuche mit Beratung zu relevanten Themen, Geburtstagsbesuche und eine seniorengeeignete Infrastruktur genannt. Nachgebessert werden müsste in Benediktbeuern – so klang es aus dem Zuhörerkreis an – beispielsweise in Sachen Gehsteig-Beschaffenheit für Rollstühle und Rollatoren. Hilfreich könne auch eine sogenannte Mitfahrbank sein, wie in dem Vortrag aufgezeigt wurde.

„Da sind wir bereits dran“, erklärte Dritte Bürgermeisterin Margarete Steffens. Der Ruf, die Gemeinde müsse handeln, werde oft schnell laut, gab Steffens zu bedenken. Aber eine Kommune habe eben viele Aufgaben. „Da können nicht immer alle Bedürfnisse gleich abgearbeitet werden.“

Große Bedeutung für die Versorgung und Teilhabe älterer Menschen am Leben „draußen“ wird auch der Digitalisierung beigemessen. Die Powerpoint-Präsentation der beiden Referentinnen vermittelte einige Vorzüge, die via Internet in Zukunft intensiv zum Tragen kommen sollen: Angefangen von der Skype-Kommunikation mit Angehörigen, Nachbarn und Freunden bis hin zu Wissensvermittlung könnten auf diese Weise aber auch Arztkonsultationen und Einkäufe erledigt werden. Der neue Edeka-Markt im Klosterdorf etwa biete einen virtuellen Bestellservice an. Voraussetzung sei freilich, dass die Senioren im Umgang mit Smartphone und Tablet geschult seien.

Dass das weltweite Internet jedoch auch nicht jedermanns Freund ist, belegte eine Wortmeldung aus der Versammlung, die ablehnend auf Risiken wie zum Beispiel Datenklau hinwies. Die abschließende Erkenntnis der Zuhörer: Um Lebensqualität für immer mehr ältere Menschen schaffen zu können, müssen viele Räder ineinandergreifen. Und in diesem Räderwerk gilt es auch in Benediktbeuern noch manche Lücken zu füllen.Rosi Bauer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Glockenlaufen, Hutschn und Musik
Am Wochenende ist Kirchweih. Hier ein Überblick, was am Samstag, Sonntag und Montag im Tölzer Land sowie im Freilichtmuseum Glentleiten geboten wird.
Glockenlaufen, Hutschn und Musik
Tölz-Live: Im Benediktbeurer Moos wird bald ein besonderes Feldkreuz eingeweiht 
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz-Live: Im Benediktbeurer Moos wird bald ein besonderes Feldkreuz eingeweiht 
Verkehrsbehinderungen in Ascholding, Einöd und Lenggries
Auf und an den Straßen im Landkreis wird wieder eifrig gewerkelt. Nebenwirkung für die Autofahrer: An gleich drei Stellen gibt es Verkehrsbehinderungen.
Verkehrsbehinderungen in Ascholding, Einöd und Lenggries

Kommentare