Mitten in Ebersberg: Wohnhaus steht in Flammen

Mitten in Ebersberg: Wohnhaus steht in Flammen
+
Großes Interesse am Vortrag im Benediktbeurer Pfarrhof: Georg Rauchenberger (re.) beim Brauchtumsvereins-Abend über die frühen Zimbern. 

Vortrag über die Zimbern 

Auf den Spuren der Benediktbeurer hoch über Verona

Rund 1000 Jahre ist es her, dass Menschen aus dem Klosterland Benediktbeuern nach Norditalien auswanderten. Ein Vortrag über das Volk der Zimbern stieß jetzt wieder auf großes Interesse.

Benediktbeuern Es soll eine große Hungersnot im Klosterland Benediktbeuern geherrscht haben, damals, vor fast 1000 Jahren. Viele Familien, aber auch Alleinstehende und Kinder ohne Eltern wanderten deshalb aus in die Gegend um Verona. Warum ausgerechnet dorthin?

Der Vortrag im Benediktbeurer Pfarrsaal über die Geschichte der vom Schicksal gebeutelten Menschen, die sich seinerzeit in der hiesigen Region aufmachten in Richtung Süden, um dort eine neue Existenz zu finden, stieß auf großes Interesse bei der Bevölkerung – zur Freude des Benediktbeurer Brauchtumsvereins, der den Abend organisiert hatte. Als Kenner dieses heimatgeschichtlichen Themas referierte Manfred Grimm vom Ortsgeschichtlichen Arbeitskreis Tutzing.

Warum also suchten die Auswanderer, die auf einer Urkunde namentlich genannt sind, ausgerechnet in der Gegend der Lessinischen Alpen eine neue Heimat? Die politischen Grenzen verliefen um die Mitte des 11. Jahrhunderts ganz anders als heute, so Grimm: „Das Stammesherzogtum Bayern reichte von Franken bis nach Wien und Verona.“ Das Kloster Benediktbeuern mit seiner weitreichenden Grundherrschaft hatte damals gute Beziehungen zum nahe Verona gelegenen Kloster Santa Maria in Organo. Der dortige Abt Engilbero war nämlich aus dem Benediktbeurer Konvent dorthin entsandt worden. So ergab es sich, dass die Bürger aus dem Benediktbeurer Raum das Land des „Bruderklosters“ in Organo besiedeln durften. Später kamen auch Tiroler und Alemannen hinzu.

Aus diesen Ansiedlungen entstanden im weiteren Verlauf die sogenannten „13 Gemeinden“ und die „7 Gemeinden“. Und was war die Ursache für die Hungersnot nördlich der Alpen? Laut wissenschaftlichen Auswertungen, so Grimm, sei ziemlich zeitgleich für die Jahre um 1050 eine deutliche Klima-Abkühlung um immerhin vier Grad festgestellt worden. Wodurch wiederum diese relativ kurzzeitige, aber heftige Abkühlung bedingt war, sei nicht geklärt.

Lesen Sie auch: Zimbern-Partnerschaft soll langsam wachsen

Im 14. Jahrhundert bekam der kleine bairische Völkerstamm im Trentino von den Herrschern der Stadtrepublik Verona eine Reihe von Rechten und Privilegien zugesprochen, die erst 1809 von Napoleon aufgehoben wurden. In den späteren Jahrhunderten habe es über die Herkunft dieses Stammes so manche Deutungen gegeben – woraus wohl auch die Bezeichnung „Zimbern“ (die ursprünglich aus Jütland stammten) entstand. Der Sprachforscher Johann Andreas Schmeller (1785-1852) jedoch widerlegte dies: „Schmeller stellte fest, dass der zimbrische Wortschatz dem altbairischen Dialekt gleicht.“

Und wie steht es heute – nach Kriegen, wechselnder nationaler Zugehörigkeit, dem Einfluss der Umgebungssprache, teils absolutem Anwendungsverbot und Kulturwandel – um die zimbrische Sprache? „In den 13 Gemeinden wird heute nur noch Italienisch gesprochen“, schilderte Altbürgermeister und Brauchtumsvereins-Vorstand Georg Rauchenberger, der die Gegend in Norditalien schon öfters besucht und persönliche Freundschaften geknüpft hat. Eine Insel sei der 300-Einwohner-Ort Lusern, in dem, abgeschieden auf etwa 1350 Metern Höhe liegend, das Zimbrisch als Umgangssprache erhalten geblieben ist. In der Region dort werde versucht, durch mehr Tourismus den jungen Leuten eine Bleibeperspektive zu schaffen. Wohl angestoßen durch engagierte Fürsprecher und Kulturvereine finde dort auch eine Rückbesinnung auf die frühe Abstammung statt: „Es gibt einzelne Fernseh-Sendungen in Zimbrisch, und sowohl im Kindergarten als auch in der Schule einzelne Unterrichtsstunden für die alte Sprache.“

Lesen Sie auch: Jachenauerin liefert wieder Hochglanz-Inspiration für die Gastro-Branche

Die aktuelle freundschaftliche Verbandelung zwischen den Zimbern und Benediktbeuern nahm vor etwa 20 Jahren ihren Anfang, wie Rauchenberger berichtete: „Da kamen zwei Leute ins Kloster und sagten, sie wären aus der Gegend, die einst von unseren Urahnen besiedelt worden sei.“ Mittlerweile herrscht ein reger Austausch. Zur heurigen Benediktbeurer Leonhardifahrt war eine 100-köpfige Besuchergruppe aus dem Süden angereist. Und natürlich hat Rauchenberger im Verlauf der Jahre mit einigen Ortsvereinen und interessierten Bürgern die 13 und 7 Gemeinden im Trentino besucht. Alle Dabeigewesenen waren sich einig: „Die Gastfreundschaft dort ist einmalig.“  (Rosi Bauer)

Auch interessant: Archivare und Hobby-Forscher wollen sich besser vernetzen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Große Glanzstunde fürs Ehrenamt: Isar-Loisach-Medaille verliehen
Gut aufgelegte Gäste, ein Preisträger, der sich mit seiner Jazzband selbst ein Ständchen spielte, und eine wohltuende Festrede: Die Verleihung der Isar-Loisach-Medaille …
Große Glanzstunde fürs Ehrenamt: Isar-Loisach-Medaille verliehen
Tölz live: Fahrplanwechsel und leichte Preiserhöhung bei BOB
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Fahrplanwechsel und leichte Preiserhöhung bei BOB
Grüne möchten mehr Geld für die Kultur im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Mehr Geld für die Kulturförderung wünschen sich die Grünen im Tölzer Kreisausschuss. Damit beißen sie bei der Mehrheit allerdings auf Granit.
Grüne möchten mehr Geld für die Kultur im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Krampus schlägt Frau übertrieben hart auf Weihnachtsmarkt: „Unendlich starker Schmerz und Schock“
Tanja D. aus Miesbach wollte eigentlich nur mit einer Freundin einen Glühwein auf dem Tölzer Weihnachtsmarkt trinken gehen. Plötzlich sank sie auf die Knie mit einem …
Krampus schlägt Frau übertrieben hart auf Weihnachtsmarkt: „Unendlich starker Schmerz und Schock“

Kommentare