Benjamin Idriz

Vortrag von Imam Benjamin Idriz

„Die Integration ist ein steiniger Weg“

Einer der prominentesten Muslime Deutschlands, der Penzberger Imam Benjamin Idriz stellte bei einem Vortrag in Benediktbeuern eine Art Forderungskatalog auf, wie sich seiner Ansicht nach Muslime in Deutschland integrieren sollten.

Benediktbeuern Es war im Grunde ein Kolleg über Demokratie und allgemeine Moral, wie er auch in jedem Seminar für politische Bildung oder im Ethikunterricht der Schulen hätte stattfinden können. Da war die Rede von Demokratie und Rechtsstaat, von Toleranz und Gewaltverzicht, von Umweltschutz und Teilhabe am politischen Leben, von Gleichberechtigung und Vertragstreue, von Heimatliebe sowie weiteren humanen Formen des Zusammenlebens. Doch da referierte kein x-beliebiger Dozent über politische und gesellschaftliche Moral, sondern einer der prominentesten Muslime Deutschlands, legte einen Katalog an Forderungen vor, wie er sie an seine hier lebenden Glaubensbrüder und -schwestern stellt. Dr. Benjamin Idriz, über seinen Wirkungsort hinaus bekannter Imam von Penzberg, sprach im Rahmen der Ringvorlesung der Benediktbeurer Stiftungshochschule „Zufluchtsort Deutschland – Interreligiöse Perspektiven“ über das Thema „Die Integration der Migranten aus islamischer Perspektive“.

Für Idriz ist Integration ein schwieriger und langwieriger Prozess zwischen den abzulehnenden Polen Assimilation und Isolation. Doch wer diesen steinigen Weg entschlossen geht, verdient auch das Lob des Propheten Mohamed. Nach dessen Lehre ist jeder Muslim, der solche Schwierigkeiten auf sich nimmt, besser als jener, der sich ihnen entzieht.

Es ist viel, was Idriz von den muslimischen Migranten fordert: Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat, Respektierung des Grundgesetzes, Absage an Hass, Gewalt und religiöser Intoleranz, zügiges Erlernen der deutschen Sprache, Bemühung um Bildung und Erziehung vom Kindergarten bis zur Hochschule, Teilnahme an den Problemen des Gastlandes, Ausübung des aktiven und passiven Wahlrechtes, Schutz der Umwelt, Interesse am kulturellen Leben der Gemeinden und an den religiösen Gebräuchen der Nachbarn. Er wendet sich jedoch ausdrücklich gegen eine totale Assimilation, ein völliges Aufgehen in einer „Leitkultur“, die den einzelnen Migranten letztlich seine Wurzeln vergessen lässt.

Und für fast jede seiner Forderungen kann der Verfasser des Buches „Grüß Gott, Herr Imam“, eine Begründung aus dem Koran liefern, wie auch zum obersten Verfassungsgrundsatz von der unantastbaren Würde des Menschen.

Idriz sieht freilich auch das Gastland in der Pflicht, denn Integration ist für ihn keine Einbahnstraße. So hätten viele Migranten das Gefühl, ausgegrenzt, alleingelassen und missverstanden zu sein. Dagegen könne gelungene Integration Deutschland wesentlich stärker machen.

Dem Vortrag im voll besetzten Audimax der Hochschule (meist Studierende, wenig Einheimische) folgte eine lebhafte Diskussion, die sich vor allem um die heikle Frage der verschiedenen Auslegungen des Korans drehte.

In seinen vielfältigen Aktivitäten für ein friedliches Nebeneinander der Religionen ist Benjamin Idriz, wie er selbst anmerkt, leider noch immer ein einsamer Rufer in der Wüste. Es fehlt ihm zwar nicht an stiller Zustimmung vieler seiner Kollegen, aber sein Engagement als Autor und Vortragsreisender findet noch zu wenig Nachahmer nicht zuletzt wegen der Uneinigkeit der verschiedenen Muslim-Organisationen in Deutschland untereinander.

Heribert Muser

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