Josef Haslinger nimmt eine Königskerze im Garten und einige Exemplare auf Fotos unter die Lupe.
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Josef Haslinger nimmt eine Königskerze im Garten und einige Exemplare auf Fotos unter die Lupe.

„Keine hundertprozentige Quote“

Wetterkerze: Das sagt Sepp Haslinger jetzt für den Winter voraus - „Wenn es kalt ist, kann ...“

Seine Vorhersagen sind für einige Kult, andere belächeln sie. Sepp Haslinger hat seine Wetterkerze angeschaut und verrät, wie viel Schnee der Winter bringt.

  • Der Blütenstand der Königskerze um Mariä Himmelfahrt herum zeigt an, wie viel Schnee der folgende Winter bringt - davon ist Wetterprophet Sepp Haslinger (79) überzeugt.
  • Gegen alle Zweifler verteidigt der Benediktbeurer das „alte Wissen, das nicht in Vergessenheit geraten darf“.
  • Für heuer prophezeit er einen „gschlamperten Winter“.

Benediktbeuern – Zu Mariä Himmelfahrt gehört die Kräutersegnung – ein alter Brauch, der immer noch gerne gepflegt wird. Besonderer Blickfang in vielen Kräuterbuschen ist die Königskerze. Mit ihrem lang gestreckten Wuchs und dem ährenartigen Blütenstand unterscheidet sie sich im Aussehen deutlich von anderen Kräutern. Neben der heilkundlichen Anwendung etwa gegen Reizhusten wird der Königskerze aber auch nachgesagt, dass sie ein Wetteranzeiger ist – vielleicht wird sie deshalb im Volksmund oft Wetterkerze genannt.

Von dem überlieferten alten Wissen ist der Benediktbeurer Sepp Haslinger überzeugt. Er hat in diesen Tagen genau hingeschaut. Sein Resümee: „Wir bekommen einen gschlamperten Winter.“ Was heißen soll, dass es im kommenden Winter wohl eher weniger weiße Pracht und mehr apere Phasen geben wird. „Man muss dabei aber die jeweils herrschenden Temperaturen mit einbeziehen. Wenn es kalt ist, kann ein kurzzeitiger Schneefall schon auch einmal länger liegen bleiben.“

Begutachtung der Wetterkerze sollte nicht vor Mitte August stattfinden

Und wie lässt sich diese Prognose an einer Wetterkerze ablesen? Da kommt es zuerst einmal auf den richtigen Zeitpunkt der Begutachtung an. Die soll nicht vor Mitte bis Ende August stattfinden. Die Pflanze muss dazu ausgewachsen sein, aber noch „leben“. Das trifft zum Beispiel dann zu, wenn die oberste Spitze noch grün und mit Blüten besetzt ist, während der ganze untere Teil der Ähre schon braun und dürr aussieht. „Die grüne Spitze hat aber ansonsten keine Aussagekraft“, erklärt Haslinger anhand einiger Exemplare draußen in freier Natur.

Die aktuell noch vorhandenen Blüten – ob vereinzelt auftretend oder dicht aneinander in Kranzlform – stehen sozusagen im selben Verhältnis für Schnee. Um die entsprechenden Zeiträume zuzuordnen, nimmt Haslinger die gesamte Ährenlänge (jedoch ohne die grüne Spitze), und teilt sie optisch je nach Länge in fünf oder sechs aneinandergereihte gleiche Abschnitte, die die Wintermonate markieren. Ein Stück unterhalb der Mitte liegt die Wintersonnenwende.

Wetterkerzen-Prophet: „Meine Vorhersahen sind nicht punktgenau“

Natürlich, betont Haslinger, kann man anhand der Wetterkerze keine Vorhersagen punktgenau auf den Tag machen. „Wenn sie um Weihnachten herum Schnee anzeigt, dann meinen manche Leute, am 24. Dezember müssten die Flocken fallen. So geht das nicht.“ Es handle sich dabei immer um „annähernde Aussagen, wie es in der betreffenden Zeitspanne werden könnte“. Und eine 100-prozentige Trefferquote gebe es auch bei anderen Prognosen nicht.

Wie kommt nun der gelernte Maschinenbau-Techniker zu diesem Wissen und worauf gründet seine Überzeugung? Er sei als Bub viel mit seinem Großvater unterwegs gewesen, erzählt der 79-Jährige. „Und da war ich auch dabei, wenn er mit Holzknechten zusammensaß und in der Runde beratschlagt wurde, ob und wann ein Holzeinschlag am Berg durchgeführt werden sollte.“ Um die Stämme per Schnabler oder mit Pferde- und Ochsengespannen und Schlitten ins Tal zu bringen, dazu brauchte man Schnee. Und so hätten sich die Leute seinerzeit bei ihrer Arbeitsplanung auch an der Wetterkerze orientiert.

Ursprung des alten Wissens über die Wetterkerze könnte in Klöstern liegen

Aber wo kommen diese Thesen über die Zusammenhänge zwischen der Blühwilligkeit der Wetterkerze und dem witterungsmäßigen Verlauf des folgenden Winters her? Diese überlieferten Kenntnisse, meint Haslinger, könnten ihren Ursprung in Klöstern haben. Mönche und Ordensfrauen hätten sich in früheren Zeiten intensiv mit Pflanzen und Heilkunde beschäftigt und aus jahrelangen Beobachtungen viele Erkenntnisse gewonnen. Möglicherweise auch die Erkenntnis, dass auf Spätsommer mit blütenreichen Wetterkerzen schneereiche Winter folgten, in deren Verlauf aus dem geernteten Blütenreichtum viel heilender Tee zubereitet werden musste, so Haslinger. „Es ist jedenfalls ein uraltes Wissen, das wir nicht in Vergessenheit geraten lassen dürfen.“

Lag Haslinger vergangenes Jahr eigentlich richtig? Lesen Sie hier, was der Benediktbeurer 2019 prognostizierte.

Vollständig andere Ansätze verfolgt Meteorologe Kai Zorn bei seinen Prognosen. Er hatte einen äußerst wechselhaften Sommer angekündigt. Wann kommt der Schnee? Gibt es weiße Weihnachten?

Von Rosi Bauer

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