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Der Haslinger Sepp, die Wetterkerze, Laura Beck (Autorin bei Quer), Kameramann Rodolfo Fernandez und Tonmann Reiner Neumann .

Doch kein Jahrhundert-Winter?

Wetterkerzen-Orakel Sepp Haslinger revidiert Prognose

Benediktbeuern - Wetterkerzen-Orakel Sepp Haslinger hat seine Prognose teilweise revidiert. An der Jahrhundertwinter-Theorie hält er aber fest. Auch wenn von dem nix zu sehen ist.

Eine halbe tote Sau hätte der Haslinger Sepp Ende August darauf verwettet, dass es heuer einen langen, schneereichen Winter gibt (wir berichteten). Schade nur, dass sich niemand getraut hat, mit dem Wetterkerzen-Orakel aus Benediktbeuern einen Pakt zu schließen, ein saftiger Schweinebraten wäre ihm sicher gewesen. Denn von einem „Jahrhundertwinter“ kann wirklich keine Rede sein – oder doch?

Der 74-Jährige will sich seine Fehlprognose nicht so recht eingestehen. „Der Winter ist ja noch nicht vorbei, im Grunde ist immer noch Herbst“, windet sich der Haslinger Sepp, auch wenn er zugibt, dass er mit seiner Vorhersage von Leonhardi im Schnee nicht so ganz richtig lag. „Ich geb’s zu, da hab ich mich ein bisserl vertan“, sagt der Haslinger Sepp mit Blick auf die frühlingshaften Temperaturen bei der Tölzer Wallfahrt am 6. November. Und auch die Dächer der Standl auf dem Benediktbeurer Christkindlmarkt am zweiten Advent mussten mangels Schnee nicht wie prophezeit abgestützt werden. Schuld an diesen falschen Vorhersagen war ein unerwartetes Ereignis Anfang September.

Wetterkerze: Nachblüte soll Sepp Haslingers Prognose durcheinandergebracht haben

Damals ist etwas geschehen, was dem Haslinger Sepp in seinem ganzen Leben noch nicht passiert ist: Die Wetterkerze fing plötzlich an, „wild zu blühen“. Normalerweise zählt für die Vorhersagen des 74-Jährigen nur der Blütenstand der Wetterkerze um Mariä Himmelfahrt herum. Doch angesichts der noch nie dagewesenen Nachblüte war für Sepp Haslinger klar: „Das muss eine Bedeutung haben – ich wusste nur nicht welche.“ Der ehemalige Almwirt kam zu der Erkenntnis, dass er seine Prognose vom August revidieren muss – aber da hatten Zeitungen und Fernsehen schon die Nachricht vom „Superwinter“ 2015/2016 deutschlandweit verbreitet.

Denn inzwischen schwören Menschen aus der ganzen Republik auf die Schnee-Vorhersagen des Benediktbeurers, der über die Jahre fast Kultstatus erlangt hat. Der Räumdienst Gläss aus Baden-Württemberg beispielsweise schickte heuer sogar das Foto einer Königskerze, die auf dem Firmensitz in Aalen wächst, an das Schnee-Orakel – und orderte auf Haslingers Vorhersage hin die doppelte Menge Streusalz. Das Bild war nötig, weil die Prognose der Königskerze nur für die Region gilt, wo die jeweilige Pflanze wächst.

Auch wenn der Schnee im Landkreis bislang auf sich warten lässt, legt Sepp Haslinger Wert darauf, dass er in einigen Punkten Recht hatte. „Ich habe ein paar schöne Herbsttage vorausgesagt“, betont der 74-Jährige und fügt scherzhaft hinzu: „Ich hätte nur nicht damit gerechnet, dass sie gar nicht mehr aufhören.“ Auch den Traum von weißen Weihnachten hatte er bereits im Sommer zunichte gemacht und eher milde Temperaturen prophezeit. „Das war das Einzige, womit ich wirklich recht hatte“, gibt sich Sepp Haslinger doch etwas selbstkritisch.

Ans Aufhören denkt das Schnee-Orakel deshalb aber nicht. „Ich kann ja gar nicht mehr aus“, sagt der Loisachtaler und lacht. So ein kleiner Ausrutscher könne jedem passieren. Ganz aufgegeben hat Sepp Haslinger seine Theorie vom Jahrhundertwinter nicht: „Wenn es überhaupt keinen Schnee gibt, ist das ja auch ein Jahrhundertwinter – nur eben im negativen Sinne.“

Silke Scheder

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