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Wie Bestsellerautor Oliver Pötzsch im Schäferwagen seine Schreibidylle fand

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Von: Christiane Mühlbauer

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Würde gerne selbst mal ins Mittelalter reisen: Erfolgsautor Oliver Pötzsch. foto: © Ullstein-Verlag/Frank Bauer

Seine historischen Romane sind große Erfolge. Der aus Schongau stammende Schriftsteller Oliver Pötzsch stellt am Freitag sein neues Werk in Benediktbeuern vor und bietet am Samstag eine Schreibwerkstatt für Hobbyautoren an. Im Kurier-Interview verrät er, mit welchen Tücken er beim Verfassen von „Der Spielmann“ zu kämpfen hatte.

Benediktbeuern – Bestsellerautor Oliver Pötzsch ist am Freitag, 28. September, im Kloster Benediktbeuern zu Gast: Der auf historische Romane spezialisierte Schriftsteller stellt sein neues Buch „Der Spielmann“ vor und bietet am Samstag für interessierte Hobby-Autoren eine Schreibwerkstatt an. Kann man eigentlich aus jedem Stoff einen guten Roman machen? Wie bereitet er selbst seine Romane vor, und wo ist der beste Platz zum Schreiben? Der Tölzer Kurier hat sich darüber mit Oliver Pötzsch, der aus Schongau stammt, unterhalten.

-Herr Pötzsch, worum geht es denn in Ihrem neuen Buch „Der Spielmann“ genau?

Es geht um eine der bekanntesten historischen Figuren Deutschlands, einen weltberühmten Mann, den vermutlich viele von uns aus dem Deutschunterricht kennen, aber von dem die wenigsten wissen, dass er wirklich gelebt hat: Doktor Faustus. Ein Wahrsager, Alchimist und Quacksalber, der um 1500 durch das Deutsche Reich zog und sich bei einem alchimistischen Experiment am Ende selbst in die Luft sprengte. Es gibt nur wenige Quellen über ihn, das macht es mir als Schriftsteller leicht, einen spannenden Roman zu schreiben, mit Liebe, mit Leidenschaft – und auch mit dem Teufel... denn der darf bei Faust natürlich nicht fehlen.

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-Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

„Der Spielmann“ ist mein bislang aufwendigstes Werk. Ich bin durch ganz Deutschland und sogar über die Alpen bis nach Venedig gereist, viel davon übrigens mit dem Fahrrad, um ein Gefühl für die damaligen Distanzen zu bekommen. In diesem Roman steckt eine Menge Herzblut und Recherche, vielleicht weil ich mich der Figur Faust sehr nahe fühle. Dieses Grüblerische, nie Zufriedene, das man den Deutschen ja allgemein nachsagt, das bin auch ich. Fragen Sie meine Frau!

-Haben Sie, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, schon ein genaues Skript im Kopf, oder lassen Sie sich vom Fluss der Gedanken treiben?

Es gibt ein ungefähres Skript, das allerdings nur ein paar Seiten lang ist und beim Schreiben auch ständig verändert wird. Ich fände es furchtbar langweilig, sozusagen nur nach Drehbuch zu schreiben. Oft sagen mir meine Figuren erst, wie es weitergeht. Das klingt jetzt ein wenig esoterisch, aber das ist wirklich so.

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-In Benediktbeuern werden Sie auch wieder eine Schreibwerkstatt anbieten. Kann man eigentlich aus jedem Stoff einen historischen Roman machen?

In meiner Schreibwerkstatt lernen die Leute, dass Geschichte wirklich die besten Geschichten schreibt. Das geht auch mit Anfängern. Wir stöbern in Zeitschriften und alten Quellen, da kommt man auf die großartigsten Themen. Oft denken die Leute bei ‚Geschichte‘ ja an staubtrockene Jahreszahlen, wie sie es aus dem Schulunterricht kennen. Aber Geschichte besteht eigentlich aus Menschen, aus reichen, armen, berühmten oder bislang unbekannten. Wenn Sie den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Story rücken, können Sie eigentlich aus jedem historischen Stoff einen tollen Roman machen.

- Nehmen wir mal an, Sie könnten in eine Zeitmaschine steigen, die Sie in die Vergangenheit bringt, um dort eine Stunde lang eine wichtige Person zu treffen und interviewen zu können. In welchem Jahrhundert würden Sie anhalten und wen würden Sie gerne mal treffen?

Naja, ich denke, ich würde ins Jahr 1500 reisen, wo das Mittelalter aufhört und die Neuzeit beginnt. Buchdruck, Luther, die Entdeckung Amerikas... so viel ändert sich in Europa! Und dann würde ich Doktor Johann Georg Faust besuchen, der seiner Zeit ziemlich voraus war. Vielleicht verrät er mir ja, wie man Gold macht…

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-Haben Sie einen Lieblingsplatz zum Schreiben, oder sind Sie ein Schriftsteller, der im Prinzip überall arbeiten kann – Hauptsache, Laptop?

Ich habe mir zum Schreiben dieses Romans extra einen Schäferwagen zugelegt, mit alten Fenstern und Rädern. Der steht am Ammersee, da habe ich meine Ruhe und bin meiner Figur sehr nahe. Schließlich lasse ich Faust in meinem Roman auch in einem Wagen durch das Deutsche Reich ziehen. Was ich nicht bedacht habe, sind die Rückenschmerzen. So ein Schäferwagenbankerl ist halt nicht sehr ergonomisch. Aber warum soll es mir anders ergehen als den Leuten damals in ihren schlecht gefederten Kutschen.

-Welche Bücher lesen Sie eigentlich selbst gerne?

Ganz sicher nicht nur historische Romane, wenn Sie das meinen! Da laufe ich immer Gefahr, dass ich mir denke, hm…wie hätte ich das geschrieben? Ich liebe Krimis! Wenn es am Ende eine Auflösung gibt, bei der mir der Mund vor Staunen offen stehen bleibt. Bücher sind für mich auch immer Rätsel, und ich liebe nun mal Rätsel. Beim Tatort im Fernsehen verrate ich meiner Frau oft in der Mitte, wer der Täter ist. Meist liege ich richtig.

Weitere Infos

Die Lesung im Barocksaal beginnt am Freitag, 28. September, um 19 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 7 Euro). Karten gibt es im Klosterladen. Tags darauf, also am Samstag, 29. September, bietet Pötzsch von 9 bis 17 Uhr wieder eine Schreibwerkstatt an. Kosten: 100 Euro. Im Klosterladen kann man sich dafür anmelden, Telefon 0 88 57/ 8 81 10.

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