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berdimensional groß begrüßt ein im Wasser schwimmender Eisbär die Besucher der Ausstellung. Vinzenz Pleyl thematisiert damit den Klimawandel. „Für mich ist das der letzte Eisbär, der auf eine Stadt blickt, die gerade versinkt.“

Junger Maler stellt aus

„Wie eine Explosion“: Über die Kunst zurück ins Leben

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Nach einem schweren Skiunfall findet der 18-jährige Vinzenz Pleyl durch die Malerei zurück in den Alltag. Nun stellt er im Benediktbeurer zentrum für Umwelt und Kultur aus.

Benediktbeuern– Eine sehenswerte Ausstellung bietet derzeit das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern: Vinzenz Pleyl (18) ist nicht nur der Jüngste aller ausstellenden Künstler überhaupt, er macht dort zugleich gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr. Und alle diese Bilder wären vermutlich auch nicht entstanden, hätte der junge Mann vor eineinhalb Jahren nicht einen schlimmen Skiunfall gehabt, nach dem er sich buchstäblich „frei malen“ musste.

„Das war ein echt krasses Erlebnis“, sagt der 18-Jährige, wenn er an jenen Tag kurz vor Weihnachten im Zillertal zurückdenkt. Der leidenschaftliche Skifahrer, zugleich Freestyler, sprang von einer Schanze und landete auf dem Rücken. Danach fühlte sich erstmal alles taub an. Diagnose: Halswirbel gebrochen. Doch der junge Mann hatte einen großen Schutzengel, die Verletzung entpuppte sich als nicht so schlimm wie befürchtet, und er musste „nur“ fünf Monate eine Halskrause tragen. Und zeitgleich noch den Abitur-Stress bewältigen.

Seine Befreiung war das Malen – der Umgang mit Pinsel und Farbe sorgte für Entspannung und Heilung der Seele. Und so entstanden innerhalb kürzester Zeit dutzende Bilder, die nun teilweise im ZUK zu sehen sind. „Malen macht mich glücklich“, sagt Vinzenz Pleyl.

Vinzenz Pleyl (18) macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im ZUK. „Malen macht mich glücklich“, sagt er.

Es ist erstaunlich, wie reif diese Bilder wirken. „Es ist einfach aus mir rausgeflossen“, sagt der 18-Jährige. „Ich konnte ja keinen Sport machen, war total unausgeglichen.“ Und so habe er jeden Tag gemalt „und ganz viel ausprobiert“, etwa mit Öl, Aquarell oder Acryl.

In der Ausstellung sieht man Bilder, die stark an Franz Marc erinnern, etwa, wenn er Steinböcke im Abendlicht auf der Benediktenwand festhält. „Das ist eine ganz besondere Erinnerung an eine Mountainbiketour.“ Ziemlich oft stehen Tiere zentral im Bild, etwa bei „Vögelgezwitscher“ oder „Mondaufgang im Wald“. Die Tiere fließen ineinander, werden getragen von kräftigen, bunten, Wellen oder verschmelzen strahlenartig mit ihrer Umgebung.

Ziemlich reif für einen jungen Künstler, der sich alles autodidaktisch beigebracht hat, inklusive Technik und Anordnung der Proportionen. „Manches zeichne ich vor, ich habe viele Fotos“, sagt Vinzenz Pleyl. „Manches entsteht aber auch einfach so.“

Einiges trägt autobiografische Züge: In „Verschlungen“ stellt sich der junge Mann selbst dar, umgeben von züngelnden Linien. Und „Explosion“ zeigt einen schreienden, wütenden Gesichtsausdruck in Rot und Gelb. „Ja, das kann man auch mit dem Unfall in Zusammenhang bringen.“ Malen sei für ihn wie meditieren, sagt der Ickinger. „Da verarbeite ich die Dinge und bekomme einen klaren Kopf.“

Der Unfall hat sein ganzes Leben verändert. „Ich bin vorsichtiger geworden, gehe nicht mehr auf volles Risiko“, sagt der 18-Jährige. „Und ich muss mir nicht mehr alles beweisen.“ Hinzu komme ein großes Gefühl der Dankbarkeit. „Das Leben ist mir bewusster geworden.“

Wenn das Freiwillige Soziale Jahr nun bald endet, wird Vinzenz Pleyl auf die Schreinerschule nach Garmisch-Partenkirchen gehen. „Ich mag das Arbeiten mit Holz“, sagt er. Ein bisschen hat damit auch schon experimentiert, etwa mit Pyrografie (Brandmalerei auf Holz). Ein solches Bild stellt er auch im ZUK aus.

Würde er seine Bilder auch verkaufen? Vinzenz Pleyl überlegt. „Eigentlich nicht“, sagt er. „Aber wenn, dann nur an ganz besondere Menschen.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung ist bis zum 13. August im Maierhof (erster Stock) zu sehen. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. Drei Bilder von Kyrill Thordal, ebenfalls im FSJ am ZUK, ergänzen die Schau.

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