Wie wurden und wie werden Menschenrechte in der Sozialen Arbeit, etwa in Kinderheimen, umgesetzt? Darum geht es bei einer Fachtagung der Hochschule in Benediktbeuern. Unser Archivbild zeigt Münchner Heimkinder aus den 1960er-Jahren bei einem Ausflug. repro: Westermann

Um 12 Uhr beginnt die Podiumsdiskussion in der KSFH in Benediktbeuern

„Wir sind Pioniere in der zeithistorischen Aufarbeitung“

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Benediktbeuern – Wie werden Menschenrechte in der Sozialen Arbeit berücksichtigt? Zu diesem Thema findet gerade eine Fachtagung in Benediktbeuern statt, die die dortige Katholische Stiftungsfachhochschule (KSFH) in Kooperation mit der sozialen Einrichtung Herzogsägmühle und dem Bezirk Oberbayern durchführt.

Den Abschluss bildet heute Mittag eine Podiumsdiskussion, an der unter anderem VDK-Präsidentin Ulrike Mascher, Landtagsabgeordnete von CSU und SPD und der stellvertretende Bezirkstagspräsident Michael Asam (Bürgermeister von Peiting) teilnehmen.

Welche Rechte haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in einem Heim oder in einer betreuten Wohngruppe leben? Wie werden ihre Rechte wahrgenommen? Themen wie diese haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Doch die historische Forschung über Menschenrechte in der Sozialen Arbeit ist noch nicht sehr weit gediehen, vor allem fachübergreifend. „Noch arbeitet jede Sparte für sich“, sagte die Benediktbeurer Professorin Dr. Annette Eberle bei einem Pressegespräch am Mittwochabend und nannte als Beispiele Psychiatrie und Behindertenarbeit. Eberle beschäftigt sich als Erziehungswissenschaftlerin und als Historikerin mit diesem spannungsgeladenen Themenfeld. „Wir sind Pioniere in der zeithistorischen Aufarbeitung“, sagte sie in Bezug auf die wichtige Rolle der KSFH. Bei Eberle laufen die Fäden für diese Tagung zusammen, an der rund 135 Fachleute, Zeitzeugen, Studenten und Interessierte teilnehmen.

Die Entwicklung der Sozialen Arbeit spiegelt sich auch in der Sprache wider. Das alte Wort „Fürsorge“ hatte etwas Doktrinierendes an sich, ja einen „Zwangsbeglückungsgedanken“, sagte Michael Bräuning-Edelmann, Leiter des Fachbereichs Menschen mit seelischer Erkrankung und Suchterkrankung in Herzogsägmühle. Dorthin fuhren die Tagungsteilnehmer am Donnerstag, um in zahlreichen Workshops zu diskutieren. In einem berichtete Walter Pesch, ehemaliges Heimkind in Herzogsägmühle, welche schlimmen Erfahrungen er später in einem anderen Heim gemacht hatte.

Ein Teil der Tagung beschäftigte sich mit der Entwicklung in den Jahren 1945 bis 1970. Seinerzeit kam es zu Revolten von Heimkindern. Zu diesem Thema drehte die Journalistin Ulrike Meinhof, später RAF-Terroristin, einen Film, der 24 Jahre lang im Giftschrank des SWR lag. Eberle forderte ihn für die Tagung an und konnte ihn am Mittwochabend im Audimax zeigen.

Im Bundestag wird derzeit über das Teilhabegesetz diskutiert. Es soll Menschen mit Behinderung ein eigenständigeres Leben ermöglichen. Um dieses Thema geht es bei der Podiumsdiskussion am heutigen Freitag um 12 Uhr im Audimax. Interessierte Besucher sind willkommen.  

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