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Voller Stolz hält Verena Heubuch den Kulturpreis Bayern in Händen, überreicht von Matthias Keller-May vom Bayerischen Rundfunk.

„Der Mitarbeiter muss im Mittelpunkt stehen“

Verena Heubuch schreibt ausgezeichnete Master-Arbeit

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Das wichtigste Feld, um ein Unternehmen weiterzuentwickeln, ist heutzutage die Digitalisierung. Hier ist vieles im Fluss, und dieser Fluss ist gewaltig und schnell.

Benediktbeuern/Penzberg– Für manche Unternehmer und Angestellte ist das eine positive Herausforderung, für andere hingegen ein Abenteuer, das sie skeptisch beäugen, wenn zum Beispiel Geschäftsmodelle und Strukturen vor einer neuen Orientierung stehen. Welche Faktoren machen digitale Veränderungsprozesse in Unternehmen erfolgreich? Mit diesem Thema hat sich die in Benediktbeuern lebende Wirtschaftsingenieurin Verena Heubuch in ihrer Masterarbeit beschäftigt – und damit vor Kurzem den „Kulturpreis Bayern“ in der Sparte Wissenschaft gewonnen.

Die 28-Jährige studierte Biotechnologie in Weihenstephan und fing anschließend beim Pharmaunternehmen Roche in Penzberg an. „Das Arbeiten in einem technischen Umfeld macht mir Spaß, aber ich wollte mich auch mit dem Thema Menschen beschäftigen“, sagt Heubuch. Also begann sie berufsbegleitend ein Master-Studium an der Hochschule München, konnte sogar für ein Jahr nach Frankreich gehen und begann über digitale Veränderungsprozesse in Unternehmen zu forschen. „Roche hat mich in dieser Zeit freigestellt“, sagt Heubuch dankbar. Ihre Masterarbeit drehte sich darum, wie Mitarbeiter bei digitalen Veränderungsprozessen in ihrem Unternehmen mit Begeisterung dabei sein können und im Idealfall den Arbeitgeber auch noch unterstützen, damit die Firma auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt.

„Meine Untersuchung hat ergeben, dass Unternehmen erfolgreich sind, wenn sie den Menschen in den Mittelpunkt stellen“, fasst Heubuch ihre Forschungsergebnisse zusammen. Digitale Veränderungsprojekte hätten nur dann eine Chance, wenn die eigenen Mitarbeiter die Auswirkungen der Digitalisierung auf Unternehmen und Branche verstehen und somit die notwendigen Schritte auch mittragen.

Ausgehend von einer kleinen Beratungsfirma in München, nahm Heubuch einen Hausgerätehersteller unter die Lupe. In dieser Branche gehe es nicht nur darum, „dass Herd und Kühlschrank miteinander kommunizieren könnten“, sondern auch darum, dass die Mitarbeiter digitale Kompetenzen entwickeln und verschiedene „Tools“ in ihrer täglichen Arbeit verwenden – etwa neue Methoden der Datenspeicherung nutzen oder in sozialen Netzwerken aktiv sind, um andere Formen der Kommunikation kennenzulernen.

Bei der Firma, die sie dafür untersuchte, war es wie bei vielen anderen Unternehmen auch: Ältere Angestellte sind zwar erfahren im Arbeitsalltag, haben aber Sorge wegen der schnellen Digitalisierung. Diese wiederum ist jüngeren Arbeitnehmern vertraut, doch ihnen fehlt es im Berufsalltag an Praxis. In ihrer Masterarbeit kommt Heubuch zu dem Ergebnis, dass es für Firmen ganz entscheidend ist, ihre Angestellten nicht aus dem Blick zu verlieren. „Digitale Veränderung ist dann erfolgreich, wenn der Mitarbeiter weiß, wo die Reise hingeht“, sagt die 28-Jährige. Zum Beispiel, wenn das Unternehmen „eine inspirierende und fesselnde Vision“ entwickelt und diese auch intensiv kommuniziert. „Das kostet Zeit und Energie, ist aber wichtig.“ Als Beispiel nennt Heubuch, wie wichtig es sei, ältere und jüngere Angestellte „miteinander zu verknüpfen“. Sie spricht von „Lernpartnern“, damit jeder mit dem anderen Wissen teilen könne. Der Arbeitgeber, lautet eine von Heubuchs Kernthesen, müsse bereit sein, in seine Angestellten zu investieren, sie ernst zu nehmen, aber auch zu fördern, um Sorgen über digitale Veränderungsprozesse zu entkräften und die Mitarbeiter mit dem Unternehmen zusammen in die Zukunft zu führen.

Über kurz oder lang, sagt Heubuch, werde die digitale Veränderung jede Branche treffen. Die Bereitschaft für lebenslanges Lernen, sagt die junge Forscherin, sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen.

Schon 2013 hatte Heubuch für ihre Diplom-Arbeit den „Kulturpreis Bayern“ in der Sparte Wissenschaft gewonnen. Damals beschäftigte sie sich bei Roche mit einem verbesserten Produktionsprozess mit Zellen für die Arzneimittelproduktion.

Die 28-Jährige ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch über den sogenannten zweiten Bildungsweg erfolgreich in der Biotechnologie Fuß fassen kann. Heubuch stammt aus dem Allgäu, ging nach der Realschule auf die Fachoberschule in Kempten und begann anschließend Biotechnologie in Weihenstephan zu studieren. Warum? „Weil ich eine Laktoseintoleranz habe und mehr darüber wissen wollte“, sagt sie lächelnd. „Biotechnologie ist ein spannendes Feld.“

Seit 2011 lebt Heubuch im Loisachtal, seit einem Jahr in Benediktbeuern. In ihrer Freizeit ist die 28-Jährige gerne sportlich unterwegs und macht Ski- oder Mountainbike-Touren. Roche wird auch weiterhin ihr Arbeitgeber bleiben – Heubuch engagiert sich im Bereich Wissensmanagement, Organisationsentwicklung und digitale Transformation. „Der Biotechnologiebereich ist eine schöne Herausforderung“, sagt sie. „Hier wird sich in den kommenden Jahren noch vieles entwickeln.“

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