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Gemeinsamer Erfolg: Florian Meigel freut sich mit seinem Trainer Michael Martin (li.) über die Auszeichnung.

World Skills 2019

Junger Schreiner aus Benediktbeuern: So schnitt Florian Meigel bei der Handwerker-WM ab

Am Ende schrammte er um Haaresbreite am Podium vorbei. Die WM „World Skills“ in Russland war für Schreiner Florian Meigel aus Benediktbeuern dennoch ein Erfolg.

Benediktbeuern – Um Haaresbreite ist er am Podium vorbeigeschrammt. Nur zwei winzige Punkte haben Florian Meigel (21) gefehlt, um mit aufs Siegertreppchen der Weltmeisterschaft „World Skills 2019“ im russischen Kazan zu klettern.

Der Bauschreiner trat Ende August für Deutschland bei der in Russland ausgetragenen Weltmeisterschaft für nichtakademische Berufe an. Über ein halbes Jahr hatte er sich auf den internationalen Wettbewerb vorbereitet, unermüdlich trainiert und seine Freizeit geopfert. Der junge Mann aus Benediktbeuern wurde in den vergangen zwei Jahren mehrfach gekürt. Die beste Gesellenprüfung der Innung, Oberbayerischer Meister, Bayerischer Meister und Deutscher Meister, all diese Titel hat er sich seit 2017 erarbeitet.

Vergangene Woche startete seine große Reise nach Russland. Begleitet wurde er von seinem Trainer Michael Martin aus Burgberg im Allgäu. „Es war eine sehr beeindruckende Zeit. Ich habe viele neue Impressionen gesammelt und unglaublich interessante Menschen aus sämtlichen Ländern kennengelernt“, schwärmt Meigel.

Florian Meigel gibt bei der Handwerker-WM in Kazan alles

Insgesamt haben knapp 1400 unter 22-Jährige aus verschiedenen Berufen und diversen Ländern teilgenommen. Darunter waren 36 Kandidaten aus Deutschland.

Bei der großen Prüfung der Weltmeisterschaft, die sich über vier Tage gezogen hat, gab Meigel dann alles. „Es war wirklich sehr anspruchsvoll. Wir hatten zum Beispiel nur 15 Minuten Zeit, um uns die Aufgabe und den Arbeitsplan anzusehen und dann ist es auch schon losgegangen.“ Eine ein Meter hohe Tür sollten die 24 teilnehmenden Bauschreiner aus aller Welt in gesamt nur 22 Stunden anfertigen. 

Mit viel Fingerspitzengefühl: Florian Meigel bei den „World Skills 2019“.

„Die Zeit war wirklich sehr knapp bemessen, und obendrein war es keine Standardtür, die wir fertig sollten. Es waren enorm viele kleine Details zu beachten“, erzählt er. Doch trotz strenger Rahmenbedingungen hat Florian Meigel seine Aufgabe bemerkenswert bewältigt. „Teilweise war ich wirklich erstaunt, wie wahnsinnig schnell und präzise die anderen Kandidaten gearbeitet haben. Besonders habe ich auch schon beim Vor-Training die Franzosen bewundert.“ Frankreich gewann am Ende in der Rubrik Bauschreinerei Gold.

Florian Meigel bei Handwerker-WM „World Skills“ nur zwei Punkte hinter Rang 3

„Leider hat es bei mir für die Platzierung dann doch nicht ganz gereicht“, sagt Meigel leicht enttäuscht. Aber immerhin hat er den fünften Platz belegt und damit einen Großteil seiner Konkurrenten besiegt. Für seine Leistung, die von der Expertenjury mit 728 Bewertungspunkten ausgezeichnet worden ist, hat er bei der Siegerehrung feierlich die Exzellenz-Medaille umgehängt bekommen. Nur zwei Punkte war er von dem doppelt belegten Platz drei entfernt. Bronze ging an Österreich und die Schweiz. „Ich bin trotzdem sehr froh, mitgemacht zu haben“, sagt Meigel. „Das war eine unvergessliche Zeit, ich habe beruflich neue Kontakte knüpfen können und viele Dinge mitgenommen.“

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Was ihm in der Zeit in Kazan am besten gefallen hat? „Das war auf jeden Fall, die Eröffnungszeremonie – als wir alle gemeinsam am ersten Tag ins Fußballstadion von Kazan eingelaufen sind. Mit Feuerwerk, Musik, Zuschauern und allem, was man sich vorstellen kann. Der Moment war so beeindruckend, das werd’ ich nie vergessen“, schwärmt der Schreiner. 

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Fasziniert ist er auch von der Arbeitsweise der Teilnehmer aus anderen Kulturkreisen: „Es war toll zu sehen, wie Leute, die ganz anders aufgewachsen sind, ähnlich arbeiten wie ich. Es waren zum Beispiel viele aus Entwicklungsländern da, die wahrlich nicht den gleichen Ausbildungsstandard wie wir hatten. Das war unglaublich interessant.“

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Bei seinem Erfolg, will es der 21-Jährige aber nicht belassen. Ehrgeizig sieht er in die Zukunft: „In zwei Wochen beginne ich meinen Meister. Und wenn ich damit in 18 Monaten fertig bin, will ich für mindestens ein Jahr ins Ausland.“ Wo genau Meigel dann Holz sägen und verbauen wird, steht noch nicht fest. „Ich hab’ mich noch nicht entschieden, ob ich in die Schweiz, nach Neuseeland oder Kanada möchte.“ Aber eines steht fest: Hauptsache Neues kennenlernen und am bisherigen Erfolg anknüpfen.

Felicitas Bogner

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