BGH-Revision: Urteil gegen Galavit-Arzt Eike R. steht noch aus

Bad Heilbrunn/Kassel - Mit deutlichen Nachlässen bei ihren Haftstrafen endete für vier der fünf Angeklagten die Neuauflage des Galavit-Betrugsprozesses vor dem Kasseler Landgericht. Einzig das Urteil gegen den auch in Bad Heilbrunn praktizierenden Arzt Eike R. steht noch aus.

Bad Heilbrunn/Kassel - Falko D. (66), Kopf der Bande, die Schwerstkrebskranken völlig überteuert umgerechnet 8500 Euro für eine Behandlung mit dem angeblichen russischen Wundermittel Galavit abgeknöpft hatte, muss statt gut sieben nur noch fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Weil er schon seit seiner Festnahme Ende 2005 in Untersuchungshaft sitzt, könnte D. so demnächst die Aussetzung des Strafrests zur Bewährung beantragen.

Notwendig war die Neuverhandlung vor der 1. Strafkammer des Kasseler Landgerichts, weil die Galavit-Bande nach einem ersten Urteil im Juli 2008 mit ihrer Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) teilweise Erfolg hatte.

Auch für D.’s Mitangeklagte gab es nach einer Vereinbarung zur schnellen Beendigung des Mammut-Verfahrens gestern „Haftrabatt“: Theodor von K. (60), der Galavit-Werbemann, muss nur noch zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Marco di C. (48), Mitorganisator des Galavit-Imports, erhielt 17 Monate zur Bewährung, Thomas P. (38), der Kassierer, eine Bewährungsstrafe von 14 Monaten. C. muss außerdem 67 500 Euro Geldbuße zahlen, P. 7500 Euro.

Ob und wie die Patienten in der Bad Karlshafener Privatklinik „Carolinum“ in den Jahren 2000 und 2001 über die nicht erwiesene Wirksamkeit des russischen Präparats getäuscht wurden, spielte im gestrigen Urteil keine Rolle mehr. Der Vermögensschaden den die Bande ihren - meist schon lange toten - Opfern beibrachten, wurde zudem kleiner gerechnet als im Ursprungsurteil.

Die Bande habe sich „am Leid Todkranker bereichert“, stellte der Vorsitzende der Strafkammer, Jürgen Dreyer, im Urteil dennoch klar. An der grundsätzlichen Schuld wegen gewerbsmäßigen Betrugs gebe es nichts zu rütteln. Und dass Bandenchef Falko D. gestern kurz vor Schluss als Einziger den Betrug bedauerte („Tut mir wahnsinnig leid!“), könne man ihm nicht recht abnehmen, so Dreyer.

Ob und wie das Verfahren gegen den Galavit-Arzt Eike R. (67) endet, der auch in Bad Heilbrunn praktizierte, blieb gestern offen. Sein Fall war am Montag abgetrennt worden, nachdem sich R. wegen Depressionen Verhandlungsunfähigkeit hatte attestieren lassen.

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