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Ein Blick auf den Dorfkern im Jahr 1956. Die Aufnahmen wurden mit einer professionellen Luftbildkamera für militärische Zwecke gemacht. 

Ausstellung am Wochenende

Das alte Bichl wird auf Fotos lebendig

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Historische Fotos von Bichl gibt es an diesem Wochenende im Bahnhof zu sehen. Stefan Fiedler zeigt beste Luftaufnahmen, die 1956 entstanden sind. Der Hobby-Fotograf hat die Negative professionell vergrößert.

BichlIst es wirklich erst 63 Jahre her, dass Bichl so ausgesehen hat? Das fragt man sich unvermittelt, wenn man mit Stefan Fiedler die Bilder durchgeht, die an diesem Wochenende ausgestellt werden. Fiedler, der vor einigen Jahren auch im Team der Dorfchronik mitarbeitete, hat 48 Negative in einer Größe von 13 x 13 Zentimetern aus dem Jahr 1956. Die 27 schönsten und besten hat er auf 50 x 50 Zentimeter vergrößert und stellt sie nun aus.

„Die Fotos haben eine unglaubliche Auflösung und Schärfe“, schwärmt Fiedler. Sie wurden bei einem Überflug über Bichl gemacht, „und zwar mit einer damals professionellen Luftbildkamera für militärische Zwecke“. Dass sie 1956 entstanden sind, konnte er verifizieren, denn er kennt eine Bichlerin, deren Haus in diesem Jahr gebaut wurde. Auf einem der Bilder ist erkennbar, dass das Haus im Bau ist.

Es ist faszinierend, die historischen Bilder zu betrachten. Bichl war damals noch überwiegend von Bauernhöfen geprägt. „Damals gab es im Dorf drei Tankstellen, aber nur wenige Autos“, sagt Fiedler. Heute ist nur noch eine Tankstelle geblieben. Zu erkennen sind auch noch die vier Kramerläden. Neben dem Gasthof Bayerischer Löwe befindet sich heute ein großer Parkplatz. 1956 standen dort viele Bäume und ein Badehaus, das zum Gasthof gehörte. Auch die Ludlmühle bietet aus der Luft einen schönen Anblick. Schmunzeln wird man beim Anblick des Freibads und den nebenstehenden Umkleidekabinen.

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„Mich faszinieren diese Bilder seit vielen Jahren“, sagt Fiedler. Der 61 Jahre alte pensionierte Biologe lebt seit 25 Jahren in Bichl und interessiert sich für die Dorfgeschichte. „Die Arbeit an der Chronik damals war eine schöne Gelegenheit, viel zu erfahren.“ Einige Bichler werden vielleicht noch wissen, dass Fiedler vor 14 Jahren eine Auswahl dieser Bilder im mittlerweile abgerissenen „Grünen Hut“ zeigte. 2014 kaufte sich Fiedler einen Fachvergrößerer, der ihm in der Dunkelkammer noch bessere Möglichkeiten gab. Manche Negative, berichtet der 61-Jährige, habe er mit unterschiedlichen Belichtungszeiten immer wieder bearbeitet, „um das Optimale aus den Bildern rauszuholen“. Die Fotos stellt Fiedler jetzt nach Rücksprache mit der Gemeinde im Bahnhofsgebäude aus, auch im alten Schaltraum. „Das Gebäude gehört ja auch zur Geschichte Bichls. Ich finde, es gibt keinen besseren Platz, auch wenn es kalt sein wird“, sagt er schmunzelnd.

Auch wenn bei Entstehung der Fotos der Zweite Weltkrieg schon seit zehn Jahren zu Ende war, so sieht man doch noch Spuren des Krieges. Bichl hatte damals einen für die Munitionsfabrik in Geretsried wichtigen Bahnhof. Um die schwere und für Munitionsladungen gefährliche Steigung bei Wolfratshausen zu umgehen, fuhren die Züge auf den Gleisen der Isartalbahn via Bad Heilbrunn nach Bichl, wo es dann auf anderen Gleisen weiterging Richtung Penzberg, Tutzing und ins Deutsche Reich. Auf den Bildern sieht man noch neun Gleisstränge.

Zu erkennen ist auch noch der Lokschuppen, in dem laut Fiedler zu Kriegszeiten einer der populären gläsernen Züge eingemauert gewesen sein soll. In diesen Zügen mit Glasdach machten Sommerfrischler in den 1930er-Jahren Ausflugsfahrten Richtung Berge.

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Mit Blick auf die heutige Bebauung ist man erstaunt, wie viel in 63 Jahren abgerissen beziehungsweise erweitert wurde. Im heutigen Gewerbegebiet Falak stand einst eine Flachsaufbereitungsanlage, daraus leitet sich der Name ab. Zu sehen ist auch noch die ganz alte Zufahrtsstraße von Bad Tölz kommend. Mit dem Bau der Umgehungsstraße wurde 1997 begonnen, und im August 2000 wurde sie eingeweiht.

Die Ausstellung ist am Samstag, 30. November, und Sonntag, 1. Dezember, jeweils von 14 bis 17 Uhr im Bahnhof in Bichl zu sehen. Der Eintritt ist frei. Stefan Fiedler ist anwesend und freut sich auf Gespräche und Erinnerungen, die die Besucher teilen möchten.

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