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Bettina und Axel Kelm haben ihr Hobby Fotografieren und Reisen auch beruflich unter einen Hut gebracht und engagieren sich mit ihren Ausstellungen, Vorträgen und Reportagen regional und global für den Umweltschutz. 

Ausstellung „one second“ 

Naturfotografen kämpfen gegen Plastikmüll in den Meeren: „Wir wollten nicht wegschauen“ 

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Mit eindrucksvollen Tierfotografien engagieren sich Bettina und Axel Kelm aus Bichl für den Umweltschutz. Eine Ausstellung ist derzeit in der Tölzer Sparkasse zu sehen.

Bad Tölz/Bichl„One Second“ , also „eine Sekunde“ lautet der Titel der Ausstellung, die in den Räumen der Tölzer Sparkasse an der Badstraße zu sehen ist. Vor den großformatigen Aufnahmen verweilt man jedoch länger als nur eine Sekunde. Sie zeigen die Schönheit der Natur in aller Welt, auch vor der eigenen Haustür. Zu sehen ist zum Beispiel die seltene Aufnahme von den zwei Jungtieren des Großen Brachvogels im Loisach-Kochelsee-Moor. Axel und Bettina Kelm sind jedoch auch auf anderen Erdteilen eindrucksvolle Tieraufnahmen gelungen, etwa von Kegelrobben und Seelöwen auf den Galapagosinseln, Nashörnern in Afrika und Walen im Pazifik. Wer ein Bild kaufen möchte, unterstützt damit Umweltschutzorganisationen, mit denen die Kelms zusammenarbeiten, etwa den Landesbund für Vogelschutz.

Seit 2016 lebt das Ehepaar in Bichl. Bettina Kelm (46) ist ausgebildete Werbetexterin, hat aber mittlerweile ihr Faible für professionelle Tierfotografie und Schreiben sowie das Engagement für Umweltschutz beruflich unter einen Hut gebracht. Zusammen mit ihrem Mann Axel (52), ursprünglich als Qualitätsmanager in der Autoindustrie tätig, schreibt sie für verschiedene Zeitschriften und Magazine in ganz Deutschland. Reportagen der Kelms wurden unter anderem bei „Abenteuer und Reisen“, „Freundin“, „Spiegel Online“ und in Fachzeitschriften veröffentlicht. Axel Kelm ist zudem als Isar-Ranger und als ehrenamtlicher Wiesenbrüter-Berater im Landkreis aktiv. Bettina Kelm engagiert sich außerdem für verschiedene Organisationen, die sich um den Schutz der Ozeane kümmern, etwa „one earth, one ocean“ und „Meer e.V.“. Sie hält Vorträge an Schulen über Plastikmüll in den Meeren.

Diese Robbe wurde zum Maskottchen der Ausstellung.

Der Wechsel der Job- und Lebenswelt geschah vor zehn Jahren bei einer privaten Reise nach Panama. Dort waren die beiden über die Vermüllung des Ozeans derart erschüttert, dass aus der geplanten Reportage über die Schönheit der Tierwelt ein Bericht über den Müll im Meer entstand. „Wir wollten einfach nicht wegschauen“, sagt Bettina Kelm.

Im Reisejournalismus Fuß zu fassen, ist nicht leicht. Dennoch ist es den Kelms gelungen, mit ihrer besonderen Art der Reportage und ihren Umweltschutzanliegen in bekannten Medien gedruckt zu werden. Das Ehepaar berichtet von der Schönheit und Einzigartigkeit eines Ökosystems, zeigt aber zugleich auch dessen Bedrohung und porträtiert Menschen, die sich für den Erhalt dieser Lebensräume engagieren. Etwa in Costa Rica, wo der Österreicher Michael Schnitzler mit dem Verein Regenwald Grundstücke gekauft hat, die er zusammen mit Einheimischen äußerst erfolgreich rekultiviert. „Es ist ganz entscheidend, dass vom Schutz der Umwelt auch die lokale Bevölkerung profitiert und nicht nur der ausländische Tourismusveranstalter“, sagt Bettina Kelm.

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Apropos: Kann man überhaupt nachhaltig fernreisen? Kelm rät, den Veranstalter genau unter die Lupe zu nehmen, zum Beispiel ob er sich vor Ort für Umwelt- und Tierschutz engagiert und dafür mit Einheimischen zusammenarbeitet. „Wenn man sich Zeit nimmt und recherchiert, stößt man immer wieder auf gute Projekte, die man unterstützen kann.“

Mit einer Superweitwinkelkamera sind den Kelms unter anderem im Pazifik und vor Norwegen beeindruckende Bilder von Walen gelungen. Im Wasser nur wenige Meter von den Tieren entfernt zu sein, habe sie tief berührt, sagt Axel Kelm: „Man spürt, wie einem die Tiere das Vertrauen schenken.“

Der Große Brachvogel ist im Loisach-Kochelsee-Moor wieder heimisch geworden. Axel Kelm ist als Isar-Ranger und als ehrenamtlicher Wiesenbrüter-Berater im Landkreis aktiv.

Die vielen schönen Erlebnisse, aber auch die Erkenntnis, dass die steigenden Temperaturen auf der Welt vielen Tieren die Nahrungsgrundlage entziehen, haben die Kelms dazu animiert, ihr eigenes Leben zu verändern und sich lokal für den Umweltschutz zu engagieren. „Die Natur ist für uns alle wichtig“, sagt Axel Kelm. „Es geht darum, sich nicht abzugrenzen und gegeneinander auszuspielen, sondern ins Gespräch zu kommen und gemeinsam eine Lösung zu finden.“ Als gutes Beispiel bezeichnet er den Einsatz zum Schutz des Großen Brachvogels im Loisach-Kochelsee-Moor, als eng mit den Landwirten zusammengearbeitet wurde (wir berichteten). „Umweltschutz ist für uns eine Herzensangelegenheit geworden“, sagen die Kelms.

Die Ausstellung im Foyer der Tölzer Sparkasse im Badeteil kann zu diesen Öffnungszeiten besichtigt werden: Montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie nachmittags von 14 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr. Am Mittwoch ist nachmittags geschlossen. Sie läuft bis 31. März.

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