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Wie jedes Jahr gut besucht: Etwa 100 Bürger waren zu der Versammlung in den „Bayerischen Löwen“ gekommen. 

Thema Verkehr bei Bürgerversammlung

B 472: Wie ein Dorf sich auf die Mega-Sperrung vorbereitet

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Die Sperrung der B 472 war wichtiges Thema in der Bichler Bürgerversammlung. Die Gemeinde befürchtet starken Durchgangsverkehr. Und: Auch Bahn-Reisende müssen mit Behinderungen rechnen.

Bichl Ab Juni wird die B 472 zwischen Untersteinbach und Sindelsdorf wegen Sanierungsarbeiten komplett gesperrt. Das Straßenbauamt Weilheim wird am Montag, 11. Juni, mit der Vorbereitung für die Baustelle beginnen, und nach jüngsten Informationen voraussichtlich erst ab Montag, 18. Juni, diesen Abschnitt voll sperren. Die Sperrung wird bis Oktober dauern. Das Straßenbauamt leitet den Verkehr über Penzberg und die Langau/Heilbrunn um.

Der Verkehr aus dem südlichen Loisachtal Richtung Tölz wird aber wahrscheinlich durch Bichl rollen – denn hier kann man die B 472 überqueren, Richtung Penzberg fahren und in der Langau Richtung Tölz abbiegen, berichtete Bürgermeister Benedikt Pössenbacher. Bei dem Treffen mit dem Straßenbauamt habe man „alle Szenarien durchgespielt und intensiv diskutiert“, sagte der Rathauschef und erklärte die Bauarbeiten. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass man die B 472 sanieren und die Brücken stabilisieren müsse. Bichl, Penzberg und Heilbrunn seien von der Umleitung am stärksten betroffen. Es werde „keine schöne Zeit“ und „es wird spannend“, sagte Pössenbacher, betonte aber auch mehrmals: „Wir werden es überstehen.“

Denn, auch das verhehlte Pössenbacher nicht: „Es fahren ja derzeit schon viele Fahrzeuge aus Richtung Kochel durch Bichl und nutzen nicht die Umgehung.“ Deshalb werden es ab Juni „unterm Strich vielleicht gar nicht so viele Fahrzeuge mehr sein“. Man werde allerdings die „bekannten Großunternehmer“ ansprechen und sie auffordern, mit Lastwagen die große Umleitung zu nutzen und Bichl zu meiden.

Die Bürger sind dennoch skeptisch, wie das Dorf die Bundesstraßen-Sperrung verkraften wird. Ihre Fragen drehten sich um Schulwegsicherheit, Ampelschaltungszeiten und das Abbiegen ins Gewerbegebiet Falak.

Polzei soll Präsenz zeigen

Laut Pössenbacher wird in den ersten Tagen der Vollsperrung die Polizei in Bichl präsent sein, um die Entwicklung zu beobachten und gegebenenfalls einzugreifen. Kürzere Ampelschaltungen oder gar vorübergehend eine dritte Ampel im Dorf hält er nicht für sinnvoll. „Das Beste ist, wenn der Verkehr einfach fließt.“ Erst vor Kurzem habe man sich ein Bild davon gemacht, wie viele Schüler morgens die Hauptstraße queren – „und das waren nicht so viele wie gedacht“. Für zirka 15 Kinder eine dritte Ampel aufzustellen, mache keinen Sinn. „Die paar Meter Umweg zu einer Ampel kann man jedem Schüler zumuten.“

Das Abbiegen ins Gewerbegebiet Falak müsse man beobachten. Eine Bürgerin klagte, dass es schon jetzt schwierig sei, und erkundigte sich nach einer weiteren Geschwindigkeits-Beschränkung. Das sei an dieser Stelle aber nicht möglich, sagte Pössenbacher. „Wir alle müssen während der Vollsperrung der Bundesstraße mit Einschränkungen leben.“ Ein anderer Bürger kritisierte, dass im gleichen Zeitraum die Bahn die Strecke nach Kochel saniere. „Ja, darauf haben wir leider keinen Einfluss“, bedauerte Pössenbacher.

Auch die Bahnstrecke wird im Sommer gesperrt

Harte Zeiten stehen in diesem Sommer übrigens nicht nur den Autofahrern, sondern auch den Bahn-Reisenden bevor. Denn für den Bau des elektronischen Stellwerks in Weilheim wird die Bahnstrecke Kochel – Tutzing vom 30. Juli bis 11. August gesperrt, bestätigte die Deutsche Bahn  unserer Zeitung und nennt damit erstmals einen Termin. „In dieser Zeit werden die Züge durch Busse ersetzt“, sagt ein Pressesprecher. Leider habe die Bahn erst kürzlich von der Sperrung der B 472 erfahren. Die DB Regio Bayern hat mit der Durchführung des Schienenersatzverkehrs den RVO beauftragt. „Die Verantwortlichen der RVO werden die Fahrtroute der Busse mit dem Straßenbauamt abstimmen“, sagt der Pressesprecher. „Unser Ziel ist es, dass der genaue Fahrplan zirka sechs bis acht Wochen vor Baubeginn feststeht und veröffentlicht werden kann.“

Sepp Reichlin, ehemaliger Gemeinderat und für Verkehr zuständig, kritisierte erneut, dass man in der Einmündung Bichl-West (Kläranlage) keinen Kreisverkehr baue – „wo es doch in Heilbrunn problemlos möglich war“. Pössenbacher unterbreitete ihm die Argumente des Straßenbauamts: Die Stelle sei zu eng, der Verkehr auf der B 472 solle fließen können, und zudem baue man ja jetzt Einfädelspuren bis zur Brücke. Außerdem werde die Kreuzung nicht mehr als Unfallschwerpunkt definiert. Reichlin sieht das anders: „Es muss also erst noch mehr passieren.“

Die Bichler richteten auch noch andere Fragen an den Bürgermeister. Martin Zeller wollte wissen, wie sich denn der umstrittene Supermarkt etabliert habe. Pössenbacher ist zufrieden. Er habe keine negativen Vorkommnisse mehr gehört, der Discounter werde akzeptiert („Auch die Gegner gehen dort einkaufen“) und die Befürchtung, dass deswegen jetzt mehr Verkehr durch Bichl rolle, habe sich nicht bestätigt. „Hier werden wir aber noch mal eine Zählung machen lassen“, kündigte er an. Generell habe er den Eindruck, dass nach der jahrelangen intensiven Diskussion „jetzt wieder Ruhe im Dorf eingekehrt ist“.

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