Eigentlich soll „Am Bühel“ ein gesicherter Geh- und Radfahrer-Übergang geschaffen werden. Weil die Deutsche Bahn damit nicht in die Gänge kommt, haben sich Schleichwege gebildet, die das Unfallrisiko noch weiter erhöhen.
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Eigentlich soll „Am Bühel“ ein gesicherter Geh- und Radfahrer-Übergang geschaffen werden. Weil die Deutsche Bahn damit nicht in die Gänge kommt, haben sich Schleichwege gebildet, die das Unfallrisiko noch weiter erhöhen.

Gespräch mit Ministerin geplant

Bahn-Übergänge in Bichl: Zurück auf Los - Bürgermeister verärgert

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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Seit zwei Jahren ringt die Gemeinde Bichl mit der Deutschen Bahn um eine Verkehrslösung für zwei Bahnübergänge. Nun hat der Konzern alles platzen lassen. In Kürze wird sich Verkehrsministerin Schreyer mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen.

Bichl – Die Angelegenheit hat ihren Ursprung im Jahr 2016 am Übergang „Am Bühel“ am Friedhof. Damals begannen die Züge aus Sicherheitsgründen zu hupen, weil eine Zählung ergeben hatte, dass konstant viele Fahrzeuge den unbeschrankten Übergang überqueren. Das Hupen von frühmorgens bis in die Nacht raubte jedoch den Anliegern den Schlaf.

Damit der Zug nicht jedes mal hupen muss, ist Bahnübergang „Am Bühel“ gesperrt

Die Lösung war, den Übergang nur noch für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge sowie für Rad- und Fußgänger freizugeben. Das klappte eine Weile ganz gut, die Höchstzahl an Fahrzeugen wurde bei Messungen nicht überschritten. Doch nach einem Beinahe-Unfall im Sommer 2019 ordnete die Bahn das Hupen der Züge wieder an. Um die lauten Signaltöne zu beenden, rang sich der Gemeinderat zu einer Vollsperrung des Übergangs durch. Eisengitterzäune verhindern seither ein Queren der Schienen.

Schon im Vorfeld hatte es Gespräche gegeben, um das Problem zu lösen: Der kleine Bahnübergang ist nicht nur wichtig für Landwirte, um unkompliziert zu ihren Flächen ins Moos zu kommen, sondern auch sinnvoll für Friedhofsbesucher und den innerörtlichen Verkehr. Der Gemeinde wäre eine Schranke am liebsten, und sie würde sich sogar an den Kosten beteiligen. Doch abgesehen davon, dass sich aus planungstechnischen Gründen eine Schranke vor dem Jahr 2035 nicht realisieren ließe, lehnte die Bahn eine Schranke ab mit der Begründung, Bichl habe ohnehin mehrere Übergänge im Dorf, und man wolle grundsätzlich kleine Bahnübergänge aufgeben. Die Bahn will „Am Bühel“ nur einen Überweg für Radfahrer und Fußgänger.

Zum Ausgleich sollte Verkehrssituation am Bahnübergang B11 verbessert werden

Bichl gab nach – auch deshalb, weil die Bahn anbot, den Übergang an der Bundesstraße 11 (Abzweig zur Klosterallee Töl 5) zu verbessern. Hier ist es unübersichtlich für Radfahrer, und Landwirte dürfen nicht links abbiegen – es besteht die Gefahr, dass sie mit einem langen Gefährt beim Warten wegen Gegenverkehr auf den Schienen stehen bleiben.

Die Gespräche waren in Gang und die Gemeinde recht zuversichtlich. „Es wurden verschiedene Ausgleichsmaßnahmen wie parallel zum Gleis verlaufende Wege zur B11 und andere Möglichkeiten diskutiert“, erinnert sich Bürgermeister Benedikt Pössenbacher. Aufgegriffen wurden auch Anregungen von Landwirten aus der Bürgerversammlung.

Auf Bitten der Bahn führte die Gemeinde auch – erfolgreich – Grundstücksverhandlungen im Abbiegebereich der Töl5 durch. Der Bereich bleibt laufend aktuell – mittlerweile wird die jetzige Situation sogar vom Radwegekonzept des Landkreises als „Problemstelle“ betrachtet.

Deutsche Bahn lässt nun überraschend alles platzen

Auch das Staatliche Bauamt war in jüngster Zeit in die Gespräche mit der Bahn eingebunden. Entworfen wurden Ideen für eine Radfahrerunterführung an der B 11. Ende August, berichtet Pössenbacher, waren alle Beteiligten so auseinander gegangen, dass die Deutsche Bahn drei Kostenermittlungen durchführen würde: für den Überweg „Am Bühel“, für eine Schranke „Am Bühel“ und für Abbiegespuren an der B11/Töl5.

Ein paar Wochen später ist jedoch alles geplatzt: Die Bahn legte laute Pössenbacher keine Kostenermittlung vor und plant keine Ausgleichsmaßnahmen zur Verbesserung der Situation an der B11/Töl5. „Es hieß, für die Radfahrer-Probleme sei man nicht zuständig“, sagt Pössenbacher. Die Rede sei jetzt nur noch von einem neuen Übergang für Radfahrer und Fußgänger „Am Bühel“.

Bahn fühlt sich für Verbesserung des Radwegenetzes nicht zuständig

Pössenbacher gerät in Rage, wenn er von der Situation berichtet. „Es ist wie bei Monopoly: Plötzlich muss man zurück auf Los“, ärgert er sich. Zwischenzeitlich habe der Sachbearbeiter gewechselt, Termine seien schwer zu bekommen. „Es kann doch nicht sein, dass die Bahn zwei Jahre voller Planungen plötzlich ohne Begründung über den Haufen wirft.“ Auf Nachfrage unserer Zeitung in der Pressestelle der Deutschen Bahn bleibt diese sehr unkonkret: Man sei im Bereich der B11 „an einer gemeinsamen Lösung mit der Gemeinde Bichl interessiert“, heißt es lapidar. Die Zuständigkeit für das Straßen- und Radfahrernetz liege aber beim Straßenbaulastträger. Für eine Verbesserung des Radfahrnetzes sei man nicht zuständig, und die von der Gemeinde vorgetragenen Lösungsvorschläge entsprächen nicht den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit.

Was sich die Bahn an der B11 denn selbst vorstellen könnte und in welchem Zeitraum man das umsetzen wolle, diese Frage blieb trotz mehrmaliger Nachfrage unbeantwortet.

CSU-Landtagsabgeordneter vermittelt Gesprächstermin mit Ministerin Schreyer

Verworren wird nun auch die Situation „Am Bühel“: Hier wirft die Bahn der Gemeinde vor, Bichl habe die Planungsvereinbarung zum Rad- und Fußgängerüberweg noch nicht unterschrieben. Pössenbacher kontert: „Das haben wir deshalb noch nicht gemacht, weil die zugesagten Kompensierungsmaßnahmen gänzlich einseitig von der Bahn weggefallen sind.“

Von einem „unhaltbaren Zustand“ spricht auch der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber. Er hat die Probleme Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer geschildert. Mit Erfolg: Am 22. Dezember treffen sich Bachhuber, Pössenbacher und ein Mitarbeiter vom Staatlichen Bauamt zusammen mit einem Vertreter der Bahn im Büro der Ministerin.

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