+
Der Übergang wird vorerst gesperrt, und somit endet das Hupen. Wie es dann weitergeht, ist noch offen.

Am Bühel

Damit der Zug nicht mehr hupt: Bahnübergang wird geschlossen

  • schließen

Bichl - Der Bahnübergang am Bühel in Bichl wird ab sofort gesperrt. Das beschloss der Gemeinderat mit knapper Mehrheit in einer Sondersitzung. Letzte Hoffnung sind eine Sonderverkehrsschau – und künftig vernünftige Verkehrsteilnehmer.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Gemeinde Bichl mit der Deutschen Bahn (DB) ringt. Und wieder ist die Angelegenheit unglücklich und kompliziert.

Eine Verkehrszählung der DB hat vor Kurzem ergeben, dass täglich 270 Fahrzeuge den unbeschrankten kleinen Bahnübergang nahe der Bichler Kirche überqueren. Gemäß der Vorschriften (Obergrenze: 100 Fahrzeuge) muss ein Lokführer jetzt jedesmal drei Sekunden lang hupen. Das geschieht alle halbe Stunde zweimal, und zwar zwischen morgens um 5 Uhr und Mitternacht. Den Anwohnern raubt das die Nerven.

Was also tun? Laut DB muss der unbeschrankte Bahnübergang verändert werden. Das Hupen wird erst dann eingestellt, wenn die Gemeinde einen der drei Wege geht: entweder der Bahnübergang wird geschlossen, es überqueren ihn weniger als 100 Fahrzeuge am Tag oder es wird eine Schranke gebaut.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Die Gemeinderäte diskutierten am Dienstag über eine Stunde lang die Problematik. Zwei DB-Mitarbeiter durften sich viel Kritik anhören und versuchten, Rede und Antwort zu stehen. Auf den Zuschauerplätzen saßen betroffene Bürger.

Die Räte rauften sich die Haare angesichts der Vorschriften und der Genehmigungsverfahren bei der Bahn. Eine Schranke scheint auf den ersten Blick die beste Lösung zu sein. Doch Fehlanzeige: Weil in Bichl die Schließzeit so lange ist, muss eine Vollschranke (also keine Halbschranke) angebracht werden. Sonst, so die DB, bestehe die Gefahr, dass wartende Autofahrer die Schranke umfahren. Kosten: 1,5 Millionen Euro. Davon müsste die Gemeinde etwa 50 Prozent tragen. Realisierungszeit: „Zirka 10 Jahre plus x“, sagte einer der beiden DB-Mitarbeiter. „Die Betonung liegt auf dem x.“ Begründung: In Deutschland gebe es nur drei Firmen, die Bahnübergänge bauen, und diese hätten volle Auftragsbücher. Zudem würde man zuerst die Schranken an Gefahrenpunkten bauen. Und der Zug in Bichl würde so lange hupen, bis die Schranke fertig sei.

Möglichkeit zwei: Der Bahnübergang wird von weniger als 100 Fahrzeugen pro Tag überquert. Das könnte man erreichen, wenn man das Überqueren dem land- und forstwirtschaftlichen Verkehr gestattet. Die Räte wollen vor allem den Landwirten die Zufahrt ins Moos erhalten. Diese Möglichkeit muss im Rahmen einer Sonderverkehrsschau (mit u. a. Polizei, Landratsamt und Eisenbahnbundesamt) diskutiert werden. Anschließend ist die Gemeinde für Überwachung und Einhaltung verantwortlich. Aber wie soll das geschehen? „Der Zweckverband macht das nicht“, sagte Franziska Waldherr. Die Bahn kontrolliert die Zahl der Fahrzeuge immer wieder. Kommt es zur Überschreitung, „wird sofort wieder mit dem Hupen begonnen“.

Im Prinzip versuche es jede betroffene Gemeinde erstmal mit der Sonderverkehrsschau und Ausnahmeregelungen, so der DB-Mitarbeiter. Die Erfolgsquote sei ernüchternd: „In 80 Prozent der Gemeinden werden die 100 Fahrzeuge am Tag nicht eingehalten.“ Auch Bürgermeister Benedikt Pössenbacher ist skeptisch: „Allein, wenn eine größere Beerdigung stattfindet, fahren die Leute alle diese Strecke zum Friedhof.“

Die vielen Vorschläge der Bichler Räte wurden von der Bahn allesamt abgelehnt. Helmut Kolbeck schlug vor, absperrbare Pfosten oder ähnliches in die Straße zu bauen und nur den berechtigten Landwirten Schlüssel zu geben. Das sei nicht realisierbar, so die Bahn-Vertreter. Auch Blinklichter, technische Absicherungen oder andere Umgestaltungen, die die Räte vorschlugen, entsprächen nicht den Vorschriften, argumentierte die Bahn. Und eine Unterführung (Idee: Michael Eberl) koste „mindestens fünf Millionen Euro“.

Michael Knestel machte seinem Ärger über die Bahn mehrmals Luft. „Die Gefahr, mit einem Zug zu kollidieren, besteht auch, wenn er vorher hupt.“ Aber man dürfe die Sicherheit nicht völlig beiseite schieben, argumentierte Xaver März: „Wenn es im Herbst Nebel hat, sieht man da keine 15 Meter weit.“

Fürs Hupen gelten keine Lärmschutzvorschriften, antworteten die DB-Mitarbeiter Michael Knestel. Und Landwirten sei es zumutbar, einen Umweg von bis zu drei Kilometern zu fahren. Als Helmut Oppel sagte, ob man sich „nicht vielleicht irgendwann an das Hupen gewöhne“, erntete er energisches Kopfschütteln von den Zuhörern.

Wenn Bichl den Bahnübergang komplett schließt (also auch für Fußgänger und Radfahrer), würde die Bahn den Weg zum nächsten Übergang finanziell unterstützen, in diesem Fall die Verbesserung der Sportplatzstraße mit fast 100 Prozent. Allerdings: Um das Förderangebot zu nutzen, sollte der Antrag „so schnell wie möglich gestellt werden“.

Mit knapper Mehrheit wurde beschlossen, den Übergang erstmal ganz zu sperren, damit das Hupen aufhört. Dafür stimmten Pössenbacher, Geißler, Eberl, Peschl, Schäfer, Schöffmann, H. Waldherr und Knestel. Die Sperrung tritt die nächsten Tage in Kraft. Zudem wird ein Termin für eine Sonderverkehrsschau anberaumt in der Hoffnung, den Übergang für Landwirte erhalten zu können.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vom Solarkataster bis zur E-Mobilität
Der Landkreis möchte bis 2035 weg sein von fossilen Brennstoffen und die Energie, die hier benötigt wird, möglichst auch hier erzeugen. Auf dem Weg zur Energiewende ist …
Vom Solarkataster bis zur E-Mobilität
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Kripo: Es war Brandstiftung
Die Ursache des Stadl-Brands am Samstagabend steht fest: Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Kripo: Es war Brandstiftung
Schule auf dem Bauernhof: Lehrerfortbildung in der Praxis
Wie lässt sich das Thema Bauernhof in den Unterricht einbauen? Darüber informierte sich jetzt eine Gruppe von Lehrern auf dem Abrahamhof in Benediktbeuern.
Schule auf dem Bauernhof: Lehrerfortbildung in der Praxis

Kommentare