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Bichler vor dem Amtsgericht

„Stimmen im Kopf, dann kam der Teufel“

Bichl - Ein Bichler (24) musste sich wegen Widerstands gegen Polizisten und versuchter  Körperverletzung vor Gericht verantworten. Doch der Mann ist schuldunfähig.

„Ich habe noch nie so einen Widerstand erlebt. Ich kannte das bisher nur aus Erzählungen“, erinnert sich eine 29 Jahre alte Polizistin bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht an den Ausraster des Bichlers bei dessen Festnahme. Dem 24-Jährigen wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in drei Fällen, Beleidigung, Bedrohung sowie versuchte Körperverletzung in sechs Fällen zur Last gelegt. Doch er ist schuldunfähig.

Am 31. Januar vorigen Jahres gegen ein Uhr war der junge Mann in Penzberg aus einer Cocktailbar geflogen. Als er anfing zu pöbeln, rief der Wirt die Polizei. Bei deren Eintreffen eskalierte die Situation. „Er trat um sich, spuckte den Kollegen vor die Füße, hat übelste Beleidigungen von sich gegeben“, schildert eine weitere Beamtin (36) das Geschehen. „Man musste schon richtig hinlangen, um ihn zu bändigen.“

Auf der Inspektion ging das Spektakel dann erst richtig los. Zu viert habe man den extrem aggressiven Mann während der Blutentnahme fixieren müssen. „Er ist total durchgedreht, aber wir konnten ihn ja nicht einfach niederschlagen“, berichtet ein Oberkommissar. Um wieder aus der Zelle zu kommen, mussten die Polizisten Pfefferspray einsetzen. „Da beruhigte er sich kurz, gerade lange genug, dass wir alle die Zelle verlassen konnten.“

Der Mann auf der Anklagebank schaute mit großen blauen Augen und zuckte die Schultern. „Ich weiß fast nichts mehr“, sagte der Bichler, der seine Aussetzer im vorigen Jahr auf eine Psychose zurückführt. Die setzte ihm auch bei einem zweiten Vorfall 14 Tage später in Benediktbeuern zu. „Ich hatte ständig Stimmen im Kopf, habe mit mir selbst gesprochen. Dann kam der Teufel dazu und hat mir Geschichten erzählt“, beschreibt der Angeklagte seinen damaligen Zustand. Am 17. Februar 2015 hatte man ihn wegen seines aggressiven Verhaltens beim Faschingsball im Gasthof Zur Post vor die Tür gesetzt. Die zur Hilfe geholten Polizisten beleidigte er als Arschlöcher, Bullenschwein, Wichser und Hurensöhne. „Er hat wüst vom Leder gezogen“, so der Beamte.

Ein Security-Mitarbeiter hatte vorher seine liebe Mühe und Not, den Angeklagten zu bändigen. „Der hat nie Ruhe gegeben. Kam immer wieder von Null auf 180“, sagte der Türsteher. „Und geschrieen hat er wie blöde: Schickt mich nach Agatharied, gebt mir eine Spritze.“

Ein Cocktail aus Alkohol und verschiedenen Drogen hatte dem Bichler erheblich zugesetzt. Inzwischen fühle er sich jedoch wieder stabil. „Die Stimmen sind komplett weg, und der Teufel auch“, erklärte der 24-Jährige.

Seit seinem 16. Lebensjahr konsumiert er Drogen, hauptsächlich Cannabis, aber auch Pilze und LSD. Nach den Zwischenfällen hatte er sich selbst für einige Wochen in die Psychiatrie eingewiesen. Ein Gutachter attestierte eine „drogenindizierte Psychose“, deren klassische Symptome bis heute präsent seien.

Der Psychologe bescheinigte dem Angeklagten im Tatzeitraum eine „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“. Mit anderen Worten: Er ist schuldunfähig. „Beide Krankheiten, die Sucht und die Schizophrenie müssen behandelt werden“, so der Gutachter.

Damit endet die Zuständigkeit des Wolfratshauser Amtsgerichts, das über eine (wahrscheinlich erforderliche) Einweisung in die Psychiatrie nicht entscheiden kann. Deshalb verwies Richter Helmut Berger das Verfahren ans Landgericht München II. rs

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