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Im Waldkindergarten wurde eifrig geschaukelt.

Fantasievolle Wagen

Bichler Faschingszug: Der böse Wolf trinkt Rotkäppchensekt

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Viel zu lachen hatten die Zuschauer am Sonntagnachmittag beim Faschingszug in Bichl. Dafür sorgten die fantasievoll und mit viel Liebe gestalteten Wagen, die lokale, aber auch überregionale Themen aufgriffen.

Bichl – Von der Air-Berlin-Pleite über die Abgas-Tests bis hin zum Abholzen des Lainbachwalds: Die Themenvielfalt auf dem Bichler Faschingszug war groß. Der vielleicht lustigste Wagen befasste sich mit dem geplanten Waldkindergarten, den Benediktbeuern und Bad Heilbrunn gemeinsam verwirklichen wollen. „Ham’s für an g’scheidn Kindergarten koa Goid, schicken’s ihre Kinder in den Woid“, stand da zu lesen.

 Gleich einen ganzen Wald hatten die Wagenbauer hier errichtet, samt Schaukel an einem Ast. Während vorne im Dreck gespielt und der eine oder andere giftige Pilz versehentlich verspeist wurde, ging es hinten um die, nun ja, Hinterlassenschaften der Kinder. Mangels Klo müssen die nämlich vergraben werden. Danach wird die Stelle mit einem kleinen Stock markiert. Und so zog sich eine Spur aus (künstlichen) Häufchen durch Bichl, alle säuberlich markiert mit Bad-Heilbrunn-Fähnchen.

Viel zu entdecken gab es auch rund um den Wolfswagen, auf dem drei lebende Schafe – zwei weiße und ein schwarzes – von einigen Wölfen und Hütehunden umrundet wurden. Ein Wolf wühlte sich sogar auf Händen und Knien durch die Zuschauerreihen, während sich ein anderer im Bett von Rotkäppchen näher an die Schafe schieben ließ. „Mei Rotkäppchen, hast du was zu trinken für mich?“, fragte der Wolf. Natürlich hatte sie. Und was gab es? Selbstverständlich Rotkäppchensekt. Gefilmt wurde das Ganze von einer Wildkamera: Der Maschkera, der zu Fuß unterwegs war, schleppte dazu einen kompletten Baum als Tarnung mit sich herum.

Gefällte Benediktbeurer Bäume mit Trauerflor

Traditionell bekamen die Benediktbeurer ihr Fett weg. Ein Wagen drehte sich um das im Nachbardorf geplante Mitfahrerbankerl, von dem man aber einfach nicht mitgenommen wird, auf einem anderen war die Benediktbeurer Turnhalle aufgebaut. Weil deren Flachdach leck ist, mussten die Kinder dort mit Taucherbrille und Schwimmflügeln Fußball spielen. Beim Wagen, der sich mit der geplanten Abholzung des Lainbachwalds zugunsten eines Gewerbegebiets befasste, musste man als Zuschauer schon mal in Deckung gehen. Dort wurden nämlich wirklich Bäume gefällt. „Ja, Leid, des is ned zum lacha, aus dem Biotop in Barn, kann ma leicht a Gewerbegebiet macha“, stand da zu lesen, während hinten die ersten umgeschnittenen Bäume samt Trauerflor und Totenlicht über die Straße geschleift wurden.

Isarwinkler Musikkapellen: Frauen müssen draußen bleiben

Aber auch über die Isarwinkler machten sich die Bichler heuer lustig. Da spielte beispielsweise die Reichersbeurer Schützenkapelle auf. Und weil die in ihren Reihen keine Frauen duldet, wurden die blonden Musikerinnen immer wieder rüde auf die Seite geschubst. „Dann geh i hoid nach Bichl, da derfn Frauen mitspuin“, befand schließlich die Trompeterin.

Dass man in Bad Tölz nur ganz leise Schneeräumen darf, weil sich sonst ein Bürger beschwert, thematisierte in weiterer Wagen. Dort wurde der Schnee kurzerhand von Hand aufgerollt, während der Wutbürger weiter vom Balkon schimpfte.

Fantasie- und humorvoll: Faschingszug in Bichl

Besonders viel Mühe steckte in dem Wagen, der die Verspätungen auf der Bahnstrecke München-Berlin aufgriff. Hier waren ein Bahnsteig und ein ganzer ICE-Zug aufgebaut worden – mit dabei Kanzlerin Angela Merkel. Sehr schön gestaltet war der Wagen, der sich damit befasste, dass man in Neuburg an der Donau jetzt auch Gemüsepflanzen auf Gräber setzen darf. Während vorne aus einer Art Aussegnungshalle Smoothies ausgeschenkt wurden, wuchsen hinten auf drei Gräbern Karotten, Lauch und Blumenkohl – liebevoll gespritzt mit Glyphosat.

Die vielen Zuschauer – die meisten waren verkleidet –, die die Straßenränder säumten, hatten ihren Spaß. Und die Kinder machten reiche Beute, weil auf den Wagen nicht mit Bonbons gegeizt wurde. Insgesamt: Ein wirklich rundum gelungener Faschingszug.

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