+
Gegen den Supermarkt: Harald Distler (re.) überreicht Bürgermeister Benedikt Pössenbacher 225 Unterschriften. 

Bichler Supermarkt

Planung reift, Protest wächst

Bichl –  Planerisch schreitet er voran: Der Bau des „Netto“-Marktes in Bichl. In ihrer Sitzung am Dienstag ebneten die Gemeinderäte mehrheitlich den Weg für eine erneute öffentliche Auslegung des geänderten Flächennutzungsplans sowie für die Bebauungsplan-Aufstellung. Zugleich wird ein Bürgerbegehren immer wahrscheinlicher.

Insgesamt 44 Seiten: So lang waren die Stellungnahmen, die Fachbehörden, Verbände und Bürger im Rahmen der öffentlichen Beteiligung zu beiden Plänen abgegeben hatten. Jede einzelne Anregung, jede Kritik, wurde von Bürgermeister Benedikt Pössenbacher in der Ratssitzung verlesen und sodann über die dazugehörende Stellungnahme der Gemeinde vom Gremium abgestimmt. Fast vier Stunden dauerte das. Doch die vielen Bürger, die zur Sitzung gekommen waren, hörten gespannt zu – bis zum Schluss.

Seitenlang und fachlich fundiert recherchiert waren die Einwände, die die Supermarktgegner aufgelistet hatten; darunter Anwohner ebenso wie Gewerbetreibende am Ort. Darin zweifelten sie die Objektivität erstellter Gutachten an, kritisierten das großflächige Bebauen hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen und stellten Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit eines so großen Supermarkts angesichts des geplanten Markts in Bad Heilbrunn und der vorhandenen Märkte in Penzberg und Benediktbeuern in Frage. Auch die Auswirkungen auf die lokalen Gewerbebetriebe sehen viele mit Sorge. Immer wieder wurde die Alternative eines Dorfladens – etwa im „Bayerischen Löwen“ – vorgeschlagen. Eine Idee, die laut gemeindlicher Stellungnahme bereits untersucht worden ist und vom Rat nun mehrheitlich als „dauerhaft nicht existenzfähig“ verworfen wurde.

Wolfgang Zach kritisierte in seiner über fünf Seiten langen Stellungnahme zudem die „schlechte Erreichbarkeit“ des „Netto“-Marktes für ältere Bürger. Außerdem befürchtet Zach eine hohe Lärmbelästigung durch die Waren-Anlieferung für die Anwohner. Rosemarie Behm kritisierte die geplante Öffnung der Bäckerei am Sonntag. Das wirke sich negativ auf die christliche Tradition und das kulturelle Leben im Dorf aus. Konrad Mangold errechnete in seinem über zehn Seiten langen und sehr detailliert ausgearbeiteten Schreiben eine zusätzliche Verkehrsbelastung von täglich 700 Autos für Bichl und betonte auch im Hinblick auf den Lieferverkehr: „Zulässige Emissionswerte werden bedeutend überschritten. Diese Werte sind als Dauerbelastung für die Anwohner nicht hinnehmbar.“

Wie Bürgermeister Pössenbacher sagte, gibt es kein Gutachten darüber, wie stark der Durchgangsverkehr durch Bichl durch den Supermarkt zunehmen könnte. Mehrheitlich billigten die Räte Flächennutzungsplan- und Bebauungsplan-Entwurf. Nur in Kleinigkeiten kamen sie den Kritikern entgegen. Um die Anwohner zu entlasten, beschlossen sie zum Beispiel, Anlieferungs- und Öffnungszeiten auf 7 bis 20 Uhr zu begrenzen. Die Entscheidung darüber, wie lange Bäckerei und Café am Sonntag geöffnet haben, wollen sie jedoch dem jeweiligen Betreiber überlassen. Der steht aber noch nicht fest. Die Parkplatznutzung soll von 6 bis 22 Uhr erlaubt sein. Da aber keine Schranke geplant ist, fragten sich auch einige Räte, wie diese Vorgabe in der Praxis eingehalten werden soll.

In etwa zwei Wochen werden beide Pläne mit den eingearbeiteten Änderungen für vier weitere Wochen öffentlich ausgelegt. Pössenbacher rechnet aber damit, dass es in dieser Zeit ein erneutes Bürgerbegehren geben wird. Harald Distler von der Initiative „Kein Supermarkt“ überreichte Pössenbacher am Ende der Sitzung eine Liste mit 225 Unterschriften von Supermarkt-Gegnern. „Die Stimmung kippt“, ist sich Distler sicher. „Das letzte Bürgerbegehren war sehr knapp.“ Pössenbacher geht davon aus, dass in der nächsten Ratssitzung darüber entschieden wird, ob das Bürgerbegehren zulässig ist. Wenn ja, werde man dafür „zeitnah“ einen Termin finden.

Franziska Seliger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Zurück ins Leben
Im ehemaligen Krankenhaus hilft eine therapeutische Wohngruppe Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen.
Zurück ins Leben
Nach Attacke auf Tölzer Schüler: Videomaterial bestätigt Ablauf
 Nach der Attacke in der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), bei der  ein Schüler aus Bad Tölz und einer aus Kapstadt verletzt wurden, ermittelt die Polizei weiter. Jetzt …
Nach Attacke auf Tölzer Schüler: Videomaterial bestätigt Ablauf
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare