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Eine Biene auf einer Blüte im Garten von Peter Löhr.

Sind Pflanzenschutzmittel schuld?

Verwirrt und orientierungslos: Bienen-Verhalten gibt Imker aus Bichl Rätsel auf

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Seit fünf Jahren beobachtet Imker Peter Löhr (85) aus Bichl ein merkwürdiges Verhalten bei seinen Bienen. Fachleute raten, Tiere und Honig untersuchen zu lassen.

Bichl– Bienen faszinieren Peter Löhr schon seit seiner Kindheit. Der gebürtige Oberfranke versorgte in früheren Jahren die Bienen im Kloster Benediktbeuern. Derzeit hat er in seinem Garten fünf Völker, die jetzt natürlich Winterruhe haben. In einem durchschnittlichen Sommer bringt ihm jedes Volk pro Jahr 30 Kilo Honigernte ein.

Von seinem Wohnzimmerfenster am Ortsrand von Bichl hat Löhr seine Bienen fest im Blick. „Eigentlich ist das hier ein Paradies für die Tiere“, sagt er. Wiesen, Wald und Moos seien in unmittelbarer Nähe. Immer wieder nehme er sich die Zeit, das Zusammenspiel der Bienen anzuschauen: „Es fasziniert mich unheimlich, wie die Bienen arbeiten“, sagt er.

Doch seit fünf Jahren beobachtet er ein Problem: Wenn die Bienen wieder zum Stock zurückfliegen, wirken sie verwirrt, „als ob sie gestört wären. Sie krabbeln orientierungslos im Gras und kommen, obwohl sie es immer wieder versuchen, aus eigener Kraft nicht mehr hoch“. Dabei würden Tiere auch verenden. „Letztes Jahr im Mai war es besonders stark“, berichtet Löhr. Bis Ende August beobachtete er dieses Verhalten.

Beim Austausch mit befreundeten Imker-Kollegen in der Region wurde auch über die Situation in der Umgebung gesprochen. Dort wird Mais angebaut. Ein befreundeter Imker, Landwirt im Ruhestand, vermutet einen Zusammenhang mit dem Mais, berichtet Löhr. Weil die Bienen frühmorgens losfliegen, um Tau von Gräsern und Blättern zu sammeln, könnten sie womöglich mit Unkrautvernichtungsmitteln in Berührung gekommen sein.

Diese gelben Spuren sind laut Peter Löhr von verendeten Bienen.

„Eine Ferndiagnose zu erstellen, ist schwer“, sagt Ingrid Illies, die stellvertretende Leiterin des Instituts für Bienenkunde und Imkerei an der Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. Mais an sich sei keine Kultur, die zu Bienenschäden führe. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Neonicotinoide) im Mais sei seit Mai 2008 in Deutschland verboten. Neonicotinoide können die Gehirnprozesse von Bienen stören und ihre Orientierungsfähigkeit sowie Kommunikation einschränken.

Lesen Sie auch: „Was die Bienen rettet, zerstört viele kleinbäuerliche Betriebe“

Löhrs Beobachtung lasse nicht auf eine typische Vergiftungserscheinung schließen, sagt Illies. Wenn man schon so lange Auffälligkeiten beobachte, sei es auf jeden Fall angebracht, seine Tiere untersuchen zu lassen, sagt die Fachfrau. Das mache das Julius-Kühn-Institut in Braunschweig. Für die korrekte Probenahme helfen Bienensachverständige. Wenn man den Verdacht habe, dass Pflanzenschutzmittel nicht richtig eingesetzt werden, könnte man zudem Mitarbeiter des örtlichen Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – für den Tölzer Raum in Holzkirchen – informieren. „Sie kommen vor Ort, nehmen Pflanzenproben und untersuchen sie“, sagt Illies. Zudem gebe es den Bienengesundheitsdienst, angesiedelt beim Tiergesundheitsdienst Bayern in Poing.

Für Uwe Karhan, den neuen Kreisimker-Chef, ist es das erste Mal, dass er so detailliert von einem Problem neben einem Maisfeld hört. „Natürlich ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein Thema unter Imkern“, sagt Karhan. Bienen würden einer Nektarquelle den ganzen Tag über treu bleiben und auch ihren Artgenossen mitteilen, wo etwas zu holen sei, erklärt Karhan das Verhalten der Tiere. Die genaue Ursache von Löhrs Bienensterben herauszufinden, sei aber auf jeden Fall sinnvoll.

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