In diesen Abholboxen und Kartonen verbergen sich die Überraschungen. Sie stehen jeden Tag an einem anderen Ort. Wo, wird abends im Internet bekannt gegeben. 
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In diesen Abholboxen und Kartonen verbergen sich die Überraschungen. Sie stehen jeden Tag an einem anderen Ort. Wo, wird abends im Internet bekannt gegeben. 

Außergewöhnliches Projekt

Zwei Bichlerinnen engagieren sich auf besondere Weise: Ein Adventskalender fürs ganze Dorf

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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In Bichl gibt es heuer eine ganz besondere Adventsaktion. Zwei junge Frauen hatten die Idee, vielen Dorfbewohnern eine Freude zu machen und jeden Tag Familien auf besondere Weise zu überraschen.

Bichl – Jeden Tag ein Türchen an einem neuen Ort öffnen: Bis zum Heiligen Abend gibt es das für alle Familien in Bichl. Die Idee hat so gut eingeschlagen und übers Internet schon solche Kreise gezogen, dass sogar Bürger aus den Nachbardörfern kommen. Christina Schmid (26) und Lilly Schöffmann (29) freuen sich zwar über die Aufmerksamkeit, haben aber eine große Bitte: „Es wäre schön, wenn die Menschen so ehrlich sind und respektieren, dass die Geschenktüten für die Bichlerinnen und Bichler sind“, sagen sie.

Denn dahinter verbirgt sich eine Aktion, an der ziemlich viele im Dorf beteiligt sind. Christina Schmid und Lilly Schöffmann sind zwei befreundete Nachbarinnen, die gerade jeweils mit dem zweiten Kind in Elternzeit sind. Als wegen der Corona-Pandemie klar wurde, dass es heuer auch Beschränkungen in der Adventszeit geben wird, beschäftigte sie der Gedanke, wie man trotzdem etwas für Kinder arrangieren könnte. So entstand die Idee, einen besonderen Kalender zu gestalten. Als die beiden länger über die Umsetzung diskutieren, kamen ihnen der Gedanke: „Das können wir doch fürs ganze Dorf machen.“ Das Ganze haben sie ziemlich professionell aufgebaut und umgesetzt – vor allem, wenn man weiß, dass die Idee erst Mitte November entstanden ist. Doch die beiden machten sich sofort an die Arbeit: Sie schrieben Bichler Firmen, Vereinen, Gastronomen und einigen Privatpersonen Mails und baten um Unterstützung in Form von Geld- oder Sachspenden. „Es kamen ganz viele Rückmeldungen. Damit hatten wir gar nicht gerechnet“, berichtet Lilly Schöffmann.

Haben sich den Bichler Adventskalender ausgedacht: Lilly Schöffmann (li.) und Christina Schmid. 

Die Idee war, jeden Tag 50 gefüllte Papiertüten aufzustellen, und zwar täglich an einem anderen Ort: Beispielsweise vor dem Feuerwehrhaus, auf dem Hochbichl oder beim Bäcker. Die Tüten liegen gut verpackt und wetterfest in zwei durchsichtigen Plastikboxen. Wo diese stehen, kann man jeden Abend ab 18 Uhr auf der eigens geschaffenen Webseite www.bichl-miteinander.de abrufen. Die Seite baute ihnen kostenlos ein Bichler Internet-Profi.

Weil die Nachfrage gleich so groß war, gibt es jetzt schon jeden Tag 70 Tüten. Der Inhalt ist überwiegend auf Familien zugeschnitten: Am 1. Dezember gab es zum Beispiel die Bastelanleitung für einen ganz besonderen Stern, liebevoll verpackt mit kleinen Anhängern, die die beiden Freundinnen und ihre Kinder selbst gefertigt haben. Am 2. Dezember fand die Aktion am Feuerwehrhaus statt. Dank Unterstützung der Bichler Floriansjünger gab es Feuerwehr-Bilder zum Ausmalen, ein kleines Auto zum Basteln, Buntstifte und ein Pixieheft.

Fein zusammengerollt: Darin verbargen sich Bastelanleitungen für einen Stern.

In anderen Tüten werden sich zum Beispiel Rezepte und kleine Backhilfen befinden. Außerdem werden Gutscheine von Bichler Gastronomie-Betrieben verlost. „Uns war wichtig, dass wir etwas fürs Dorf und für die lokale Wirtschaft tun.“

Die beiden Organisatorinnen sind in den Bichler Vereinen gut vernetzt. Lilly Schöffmann, ausgebildete Sozialpädagogin, engagiert sich unter anderem bei der Feuerwehr. Christina Schmid, gelernte Hotelfachfrau, hilft bei Trachtlern, Gebirgsschützen und an Leonhardi. „Allen, denen wir im Dorf von unserer Idee erzählt haben, waren sofort begeistert“, freut sich Schmid. Gespendet haben 35 Firmen, Vereine und Privatpersonen. Schmid versuchte, auch überregional kleine Geschenke aufzutreiben, etwa von Spiele- und Schokoladenkonzernen. „Aber die haben alle abgewunken. Es ist aber verständlich, weil die kriegen jedes Jahr tausende solcher Anfragen.“ Dafür zeigten sich die Kirchen großzügiger, genauer gesagt einige Erzbistümer, an die Schmid eine E-Mail schickte. Überrascht war sie von Unterstützung bis aus Köln: „Was, das wird aber nicht verraten.“

Für die Idee des „Bichler Adventskalenders“ haben die beiden kein Vorbild. „Andere Gemeinden können das Projekt nächstes Jahr gerne nachmachen“, sagt Lilly Schöffmann.

Die Abholboxen an einem geschmückten Tisch am Feuerwehrhaus Bichl.

Jeden Nachmittag befüllen sie gemeinsam die 70 Tüten. Die Papiertaschen haben sie im Großhandel geordert. Alles ist durchkalkuliert, die Spenden reichen aus. „Mittlerweile stehen bei uns zu Hause überall Kisten mit Materialien“, sagt Schmid lächelnd. Am Morgen des Folgetags treffen sie sich zum Ausfahren. Auch ihre kleinen Kinder sind dabei. „Wir sagen ihnen, dass wir das Christkind unterstützen.“

Über die große Resonanz freuen sich die beiden sehr. „Man spürt, wie schön es ist zu geben, einfach so, ohne etwas dafür zu erwarten“, sagt Schmid. Sollten Tüten übrig bleiben, werden diese am Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag vors Rathaus gestellt.

Auch die Webseite wurde mittlerweile erweitert: Bürger können dort Audio- und Videodateien hochladen, etwa mit selbstgespielter Musik oder Gesang. Zudem kann man jeden Tag die Bastelanleitungen oder weitere Infos zum Inhalt der Tüte downloaden. Auf der Facebook-Seite „Bichler Adventskalender“ gibt es ebenfalls Fotos und Infos.

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