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Auf einer Länge von 200 Metern lagen die Autoteile an der B 472 bei Bichl verteilt.

Mit 150 in Gegenverkehr gerast

Retter zu Porsche-Crash: „Habe so etwas noch nie gesehen“

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Dieser Unfall schockierte selbst erfahrene Rettungskräfte: Eine Porsche-Fahrerin touchierte beim Überholen zwei Autos und fuhr frontal in ein drittes. Zwei Menschen starben, drei wurden schwer verletzt.

Bichl/Weilheim - Hier ein einzelner Reifen, dort ein Teil des Getriebes, ein paar Schritte weiter liegen die Überreste des Motors im Straßengraben. Von dem Porsche 911 Carrera einer 48-jährigen Frau aus Ambach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist nach dem tödlichen Überholmanöver am Sonntagabend auf der B 472 bei Bichl nicht mehr viel übrig. „An der Einsatzstelle bot sich den Rettungskräften ein Bild der Verwüstung“, sagt Hermann Spanner. Laut dem Kommandanten der Bichler Feuerwehr lagen die Autoteile auf einer Länge von 200 Metern verteilt am Straßenrand. „Ich bin seit 15 Jahren bei der Feuerwehr“, sagt der 35-Jährige. „Aber so etwas habe ich noch nie gesehen.“

In unübersichtlicher Rechtskurve überholt

Gegen 21.30 Uhr war die Porsche-Fahrerin mit ihrem Beifahrer (21) von Bad Heilbrunn kommend auf der B 472 unterwegs, als sie kurz vor der Abfahrt Bichl eine VW-Fahrerin (24) aus Benediktbeuern überholen wollte. In der unübersichtlichen Rechtskurve bemerkte die Ambacherin wohl zu spät, dass ihr insgesamt drei Autos entgegenkamen.

In dem mittleren Fahrzeug dieser Schlange, einem Abschleppwagen, saß Christopher Wendt, der den Porsche mit hoher Geschwindigkeit auf sich zu rasen sah: „Es war plötzlich ein Prasseln von Fahrzeugteilen auf meinem Auto zu hören, wie Hagelschlag“, sagte der 29-Jährige aus Bad Heilbrunn der Nachrichtenagentur „dedinag“. Er selbst blieb unverletzt, der Porsche riss lediglich den Außenspiegel seines VW ab. Schlimmer erwischte es einen 65-jährigen Mann aus Holzkirchen, der mit seiner Tochter (22) in dem Opel vor Wendt fuhr. Auch dieses Auto hatte der Porsche gestreift, allerdings sehr viel heftiger. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern. Vater und Tochter erlitten schwere Verletzungen.

Das letzte Auto in der Schlange traf es am schlimmsten: Es kollidierte frontal mit dem entgegenkommenden Porsche. Der Fahrer des Volvos, ein 53-jähriger Mann aus Bad Tölz, wurde dabei ebenfalls schwer verletzt. Die drei Verletzten schweben aber nicht in Lebensgefahr. Das zumindest hat Feuerwehr-Kommandant Spanner am Sonntagabend gehört. „Man muss froh sein, dass es ein schwerer Volvo und kein Kleinwagen war, sonst wäre die Opferzahl wohl noch höher“, sagt der 35-Jährige.

Porsche-Fahrerin verstirbt während der Rettung

Doch auch zwei Tote sind schlimm genug. Als Spanner am Unfallort eintraf, lebte die Porsche-Fahrerin wohl noch. „Sie war eingeklemmt“, sagt der Kommandant. Noch während die Rettungskräfte versuchten, sie mit schweren hydraulischen Geräten aus dem Wrack zu befreien, erlag die Frau jedoch ihren schweren Verletzungen. Auch für ihren Bekannten kam jede Hilfe zu spät: Die Wucht des Aufpralls hatte den Weilheimer aus dem Sportwagen geschleudert. „Er war wohl sofort tot“, sagt Spanner.

Schwerer Verkehrsunfall auf der B472 - zwei Menschen sterben

Ob der 21-Jährige angeschnallt war, soll ein Sachverständiger klären. Von dessen Gutachten erhofft sich die Polizei auch Erkenntnisse über die Geschwindigkeit, mit der die Ambacherin unterwegs war. Erlaubt sind an dieser Stelle 70 km/h. Nach Angaben der Nachrichtenagentur „dedinag“ blieb die Tachonadel des Porsches bei Tempo 150 stehen. Bestätigen will Polizeihauptkommissar Josef Treffer diese Zahl nicht. „Angesichts der Schäden ist diese Geschwindigkeit aber realistisch.“ Hinweise darauf, dass Alkohol im Spiel war, gebe es nicht. Die Ergebnisse einer Blutentnahme sollen im Laufe der Woche Gewissheit bringen. Der Sachschaden steht mit 120 000 Euro bereits fest. Insgesamt waren etwa 60 Rettungskräfte im Einsatz. Die Bundesstraße war mehrere Stunden lang gesperrt.

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