„BHs, Strapse und Co. machen nicht jeden Tölzer Stadtrat froh“, lästern die Bichler über die Vorschriften für ein Dessous-Geschäft in der Marktstraße.

Gelungener Faschingszug

Bichler Maschkera zeigen ihr Talent

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Mehrere tausend Besucher haben sich am Sonntagnachmittag den Bichler Faschingszug nicht entgehen lassen. Und das Kommen wurde belohnt: Die Maschkera hatten sich wieder einfallsreich kostümiert und kreative Wagen gestaltet, über die das Publikum herzlich lachte.

Bichl– Passendes Wetter, gute Stimmung, originelle Wagen-Konstruktionen, fantasievolle Kostüme und eine friedliche Feier: Der Bichler Faschingszug war heuer ein voller Erfolg. Die Themen waren überwiegend lokal und beschäftigten sich mit jenen Dingen, die in jüngster Zeit in Bichl und Umgebung für Schlagzeilen gesorgt hatten. Der Brand am Jochberg zum Beispiel. Hier fuhr sogar ein Kranwagen mit, an dem ein feuerroter Hubschrauber samt Wasserkanister befestigt war – „Löschmaßnahme“ inklusive. Das sorgte freilich für Gekreische am Straßenrand. Auf dem Wagen selbst wurde der Workshop „Feuermachen leicht gemacht“ angeboten. Einige Maschkera hatten sich sehr künstlerisch als Wildkamera verkleidet.

Es folgten verirrte Skifahrer, die nach einer Alternative zur Benediktbeurer Wurz suchten. „Ins Ausland geh i fei ned!!“, jammerte einer. Aber warum denn diese Abneigung gegen die Nachbarn? Bichl spottete: „I mog de Abfahrt kurz, desweng fahr i Beira Wurz.“

Die „neuen Bauernregeln“ bekamen ebenso ihr Fett weg wie der „Penzberger Esel“, eine Brunnenfigur, die sehr viel Wasser verbraucht. Auch die Gebirgsschützen wurden aufs Korn genommen, vor allem die Samba-Nacht beim Alpenregionstreffen 2016 in Waakirchen. Herzlich gelacht wurde auch über den Wagen zum Limburger Glockenspiel, das bekanntlich eine Veganerin zum Verstummen gebracht hat. Ein als Fuchs verkleideter Maschkera kroch (!) mit einer Gans im Maul die gesamte Wegstrecke vor dem Wagen her, auf der der Dom samt Gemüse-Wochenmarkt zu sehen waren. Hier wurde Tofu-Wurst verkauft, ein Bürgermeister zog zeternd hinterdrein.

Die Bichler machten sich auch darüber lustig, dass sich der Bauausschuss des Tölzer Stadtrats so intensiv mit einem neuen Dessous-Geschäft in der Marktstraße beschäftigt hat. „BHs, Strapse und Co. machen nicht jeden Stadtrat froh“ war auf einem Plakat zu lesen, während Models entlang der Strecke elegante Unterwäsche für Wallfahrerinnen anpriesen.

Die Geburtshilfe-Abteilung am Tölzer Krankenhaus war natürlich auch ein Thema. Auf dem Wagen wurden alternative Geburtsmethoden und ein Kreißsaal dargestellt. Zur großen Belustigung der Zuschauer kam tatsächlich immer wieder ein Kind zur Welt. Trotzdem sorgt man sich in Bichl jetzt um den Eishockey-Nachwuchs beim ECT.

Zwischen all den Wagen sah man plötzlich einen verirrten Nikolaus. Wie, so sinnierte er, soll er wohl künftig die Kinder zur Räson bringen, jetzt, wo Krampus, Sack und Rute gestrichen wurden?!

Auch der Kochler Problem-Biber tauchte auf dem Faschingszug auf. Schnuffige Pelzwesen bauten eifrig einen Damm, während der Schaffner verzweifelte. Dahinter liefen Naturschützer, die eine Verlegung der Gleise forderten.

Gar nichts mitzureden haben die Naturschützer hingegen bei den Verschönerungsmaßnahmen für den Hochbichl. Statt, wie vom Gemeinderat beschlossen, einen Wanderweg mit Aussichtsbankerl zu schaffen, wollen die Maschkera allerlei Extremsport etablieren, wie sie mit einer Seilrutsche und Gondel eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Das Gschau hatte auch der Wagen über den neuen amerikanischen Präsidenten. „I am the greatest President of all time“, tönte Donald Trump hinterm Mikro, während das Militär eine Mauer an der mexikanischen Grenze baute. Auf der anderen Seite saßen fröhliche Männer mit großem Sombrero, der eine lugte immer wieder verschmitzt aus einer Sandburg hervor. Nein, einschüchtern lassen sie sich nicht. Präsident Trump hatte natürlich auch Richtlinien zur Berichterstattung über den Bichler Faschingszug erlassen. Ein Gehilfe ließ wissen, dass heute „hier 500 000 Besucher sind. Und alles andere, was Sie schreiben, sind Fake News!“

Bichler Faschingszug: Bunt, fröhlich und einfallsreich

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