Mit dem MVV-Bus durchs Oberland: Bichl will sich nicht an den Kosten für vier digitale Anzeigetafeln im Gemeindebereich beteiligen.
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Mit dem MVV-Bus durchs Oberland: Bichl will sich nicht an den Kosten für vier digitale Anzeigetafeln im Gemeindebereich beteiligen.

Bushaltestellen

Gemeinderat lehnt moderne Anzeigetafeln ab: Digital? Nein danke!

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Es sollte ein Ansatz sein, den ÖPNV in der Region etwas moderner und attraktiver zu machen. Digitale Anzeigetafeln an Bushaltestellen lehnte der Gemeinderat Bichl dennoch ab.

Bichl – Diese Entscheidung war eindeutig: Mit großer Mehrheit sprachen sich die Bichler Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung gegen den Vorschlag aus, an den Bushaltestellen in der Gemeinde vier Anzeigetafeln zu installieren, auf denen die Abfahrtszeiten zu sehen sind. Wie berichtet will der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) noch digitaler werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist unter anderem geplant, in den Gemeinden digitale Anzeigetafeln aufzustellen, die den Fahrgästen mitteilen, wann der nächste Bus kommt.

„Man muss sich die Tafeln vorstellen wie bei der Münchner S-Bahn“, erläuterte Geschäftsleiter Michael Hermann. Pro Anzeigetafel sei mit Kosten in Höhe von maximal 5000 Euro zu rechnen, ergänzte der Stellvertretende Bürgermeister Helmut Oppel, der den verhinderten Rathaus-Chef Benedikt Pössenbacher vertrat. Wenn alle Gemeinden im Landkreis mitmachen, werden sie in ein Förderprogramm des Freistaats aufgenommen, das zirka 80 Prozent der Kosten bezuschusst. Die Bichler müssten dann nur rund 1000 Euro pro Tafel bezahlen. Hinzu kämen 2000 Euro einmalige Anschlusskosten. Zudem würden Wartungskosten in Höhe von insgesamt 4000 Euro pro Jahr fällig, falls sich die Gemeinde nicht selbst um die Geräte kümmert.

Wartungskosten für Anzeigetafeln schrecken Gemeinderäte ab

Die Gemeinde Benediktbeuern sprach sich kürzlich für das Angebot aus, die Wackersberger Räte stimmten dagegen. Helmut Oppel missfielen vor allem die hohen Wartungskosten: „1000 Euro je Tafel pro Jahr, wenn nichts kaputtgeht – ich seh’ da keinen tieferen Sinn.“ Ohnehin hält er den Nutzen der Tafeln für überschaubar: „Die jungen Leute schauen doch auf ihr Smartphone, wann der Bus kommt. Außerdem fährt er bei uns eh nur jede halbe Stunde.“ Kilian Streidl empfand die Wartungskosten ebenfalls als „extrem hoch“: „Kann man die Tafeln auch ohne Wartung kaufen?“, wollte er wissen. Diese Frage blieb in der Sitzung unbeantwortet. Auf Nachfrage des Tölzer Kurier erläutert Oppel: „Ohne Wartung wären wir komplett selbst für die Tafeln verantwortlich. Wenn wetterbedingt oder durch Vandalismus was kaputtgeht, müssen wir alles selbst zahlen. Das ist zu viel.“

Lediglich Xaver Bauer sprach sich für die digitalen Anzeigetafeln aus: „Gerade für ältere Leute sind sie nicht schlecht.“ Mit dieser Meinung blieb er jedoch weitgehend alleine. Lediglich er und Helmut Kolbeck stimmten für die Anschaffung.

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