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Kühe am Futtertisch: Der geplante Großstall in Bichl soll Platz für 400 Tiere bieten.

Treffen von Gemeinde und Landwirt

Geplanter Großstall in Bichl: Landwirt hält an Projekt fest, die Gemeinde ist dagegen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Landwirt Andreas Mair plant in Bichl einen Stall für bis zu 400 Kühe. Die Gemeinde sieht das kritisch. 

BichlVertreter der Gemeinde Bichl und Landwirt Andreas Mair („Voglbauer“) haben sich vor wenigen Tagen zu einem Gespräch über das Bauvorhaben Mairs getroffen. Wie berichtet, plant der Landwirt einen neuen Stall für bis zu 400 Kühe. Die Gemeinde sieht das kritisch, der Landwirt hingegen will den Familienbetrieb erhalten und Arbeitsabläufe optimieren.

An dem Gespräch nahmen von Seiten der Gemeinde Bürgermeister Benedikt Pössenbacher und seine beiden Stellvertreter Markus Geißler und Kilian Streidl teil. Man habe über die wesentlichen Punkte gesprochen, berichtet Pössenbacher im Nachgang. Dazu zählten die Lage des Gebäudes, die Ausrichtung und Höhe. Die Gemeinde kritisiert mehrere Punkte und fürchtet unter anderem Geruchsbelästigung.

Außerdem sieht sie sich in ihren baulichen Wachstumsmöglichkeiten eingeschränkt. Der geplante große Stall, sagt Pössenbacher, dürfe keine Nachteile für die Bichler Bürger haben. Er kritisiert zudem, dass die Gemeinde in diesem Prozess kein Mitspracherecht habe. Der Bauer verfügt über die sogenannte landwirtschaftliche Privilegierung. Hinsichtlich der Größe eines Bauvorhabens gibt es hier keine Grenze (wir berichteten).

„Wir sind alle Optionen durchgegangen“, sagte Landwirt Andreas Mair am Telefon und betonte, Wert zu legen auf ein gutes Verhältnis mit der Gemeinde. „Wir müssen weiter zusammenarbeiten, ich will keinen Ärger.“ Bei dem Gespräch habe er „Denkanstöße“ bekommen, etwa zu der von der Gemeinde kritisierten „Riegelwirkung“ aufgrund der Höhe. Jeder, so Mair, müsse einen Kompromiss eingehen, „und ich will, dass es passt“. Dass Bichl in Richtung seines Hofs Bauland schaffen wollte, habe er bislang nicht gewusst.

Mair schilderte nach eigenen Angaben den Vertretern der Gemeinde die Hintergründe seines Projekts sowie dessen Umsetzung. Alles sei durchdacht, und grundsätzlich werde er daran festhalten. Die Umsetzung werde „sowieso nicht von heute auf morgen gehen“: „Jetzt beginnen dann die Gespräche mit den Fachbehörden.“

Molkerei: Großbetriebe passen nicht ins „Bergbauern“-Bild

Wie berichtet, wirtschaftet Mair schon jetzt mit rund 300 Tieren und hat damit einen fürs Tölzer Land verhältnismäßig großen Viehbestand, aufgeteilt auf Standorte in Bichl und nahe Penzberg. Durchschnittliche Betriebe im Landkreis haben 30 bis 49 Kühe. Das Fleisch liefert Mair nach eigenen Angaben an örtliche Metzger, die Milch geht an die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding. Die Marke „Bergbauern Milch“ wirbt damit, dass die Landwirte im Durchschnitt 27 Kühe halten. Die durchschnittliche Milchmenge eines solchen Landwirts liegt nach Angaben der Molkerei bei 190 000 Kilogramm im Jahr. Man wisse von den Plänen in Bichl, wolle sich aber zu dem laufenden Verfahren nicht äußern, teilt Molkerei-Pressesprecherin Barbara Steiner-Hainz mit.

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Dennoch verfolge man in Piding die allgemeine Entwicklung. „Unser Einzugsgebiet ist geprägt von bäuerlichen Familienbetrieben“, sagt Steiner-Hainz. „Verbraucher schätzen diese Struktur unserer Genossenschaft. Großbetriebe passen nicht zu unserer Philosophie.“ Deshalb hätten Vorstand und Aufsichtsrat zum 1. Januar 2020 eine „negative Mengenstaffel“ geführt. Das bedeute, dass Betriebe, die mehr als eine Million Kilogramm Milch pro Jahr ablieferten, weniger Milchgeld erhalten. Bei mehr als einer Million werden ein Cent, bei mehr als zwei Millionen drei Cent, bei mehr als drei Millionen fünf Cent und bei mehr als vier Millionen Kilogramm zehn Cent abgezogen, berichtet Steiner-Hainz. Für „Bergbauern-Milch“ erhält ein Landwirt von der Genossenschaft derzeit 44,83 Cent pro Kilogramm, für konventionelle Milch gibt es 43,73 Cent pro Kilo.

An „Berchtesgadener Land“ liefern derzeit 1700 Betriebe. Von dem Abschlag mit einem Cent seien derzeit weniger als zehn Betriebe betroffen, berichtet Steiner-Hainz. „Das soll auch so bleiben.“

Mair: „Wir sind und bleiben ein Familienbetrieb“

Zu den Betrieben, die mehr als eine Million Kilo Milch pro Jahr abliefern, gehört Andreas Mair schon jetzt. Das habe er einkalkuliert, sagte Mair im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. „Wir sind und bleiben ein Familienbetrieb, und ich möchte den Leuten die Angst nehmen“, betont er. Für Landwirte sei hinsichtlich der Größe auch wichtig, einen Puffer zu haben. Hintergrund seines Neubau-Vorhabens seien die Optimierung von Arbeitsabläufen und das Tierwohl. Mit der Angelegenheiten werden sich in den kommenden Monaten Fachbehörden beschäftigen.

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