Ein warmes Nest bekam der verletzte Storch zuerst bei Tierärztin Diana Ruf, bevor das Tier am Sonntag vorübergehend in die Greifvogelauffangstation bei Otterfing gebracht wurde.
+
Ein warmes Nest bekam der verletzte Storch zuerst bei Tierärztin Diana Ruf, bevor das Tier am Sonntag vorübergehend in die Greifvogelauffangstation bei Otterfing gebracht wurde.

Feuerwehr und Tierärztin helfen Jungvogel

Große Hilfe für kleinen Storch in Bichl

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
    schließen

Nach dem Hinweis eines Lokführers haben die Bichler Feuerwehr und Tierärztin Diana Ruf am Samstag einem jungen Storch das Leben gerettet. Bald wird das Tier nach Bichl zurückkehren.

Bichl – So einen Einsatz gibt es auch nicht alle Tage: Ein Lokführer informierte am Samstagabend die Bichler Feuerwehr, dass im Gebüsch an der Bahnstrecke ein junger Storche kopfüber im Geäst hänge und feststecke. Dieser Jungvogel muss allem Anschein nach mit der Kunst des Fliegens noch ein bisschen üben, denn vermutlich hat er gleich bei seinem ersten Ausflug aus dem Nest eine üble Bruchlandung hingelegt.

In den Strommasten am Bichler Bahnhof gibt es heuer zwei Storchennester, eines südlich und eines nördlich. Darin nistet jeweils ein Elternpaar, das im Frühjahr Nachwuchs bekommen hat. Durch das nasskalte Wetter haben jedoch nicht alle Jungtiere überlebt, derzeit beobachtet Tierärztin Diana Ruf in jedem Nest nur noch ein Jungtier. „Vermutlich handelt es sich bei dem Verunglückten um das Tier aus dem nördlichen Nest“, sagt Ruf.

Nach dem Hinweis des Lokführers machten sich drei Mitglieder der Bichler Feuerwehr, unter ihnen Dritter Kommandant Hermann Spanner, auf die Suche – und wurden rasch fündig. „Das Tier hing verheddert kopfüber im Gebüsch, war völlig durchnässt und fix und fertig“, berichtet Spanner. Man habe die Äste beiseite gebogen und das Tier vorsichtig befreit. Die Elternvögel hätten das Geschehen derweil beobachtet. Der Jungstorch war sehr geschwächt und konnte nicht mehr fliegen. „Er war ganz apathisch“, berichtet Spanner. „Wir hatten Sorge, dass er in der Nacht vom Fuchs geholt wird.“ Also verständigten die Feuerwehrmänner die Bichler Tierärztin Diana Ruf.

Tier war verletzt

Auch für sie war der Einsatz Neuland. „Ich bin ja nicht auf Wildvögel spezialisiert.“ Gemeinsam fingen sie den Storch, der keinen Widerstand leistete, ein und brachten ihn in die nahegelegene Praxis. Dort stellte die Tierärztin fest, dass ein Flügel abgenickt war. „Das Tier war pitschepatsche nass und völlig geschwächt“, berichtet Ruf. „Wir wissen ja alle nicht, wie lange der junge Storch dort schon hing.“ Sie dankt dem Lokführer, dass er so aufmerksam war und die Feuerwehr verständigte.

Ruf legte dem Tier, das rund dreieinhalb Kilo wiegt, Infusionen und gab ihm Schmerzmittel. Das Jungtier erholte sich in der Nacht ganz gut. „Ich bin einmal aufgestanden, und er machte einen guten Eindruck.“ Zudem bekam der Vogel protein- und eiweißreiche Spezialnahrung über einen Schlauch.

Vogel ist jetzt zum Aufpäppeln in einer Greifvogelauffangstation

Weil der Storch besondere Betreuung und auch spezielle Nahrung braucht (Ruf: „Mäuse und Eintagsküken habe ich nicht“), brachte sie ihn am Sonntag in die Greifvogelauffangstation von Alfred Aigner bei Otterfing. „Dort wird er sachkundig weiter aufgepäppelt, bis er hier in Bichl wieder ausgewildert werden kann.“ Ruf schätzt die Arbeit von Aigner sehr. Der Wildvogelexperte kümmere sich zum Beispiel auch um Greifvögel, Eulen und Mauerfalken in Not. „Dafür braucht man viel Expertise.“ Aigner schätzte, dass der verunglückte Bichler Storch rund acht Wochen alt ist.

Ein paar Tage wird das Tier nun in Otterfing verbringen müssen, um zu genesen und wieder zu Kräften zu kommen. Dann wird der Vogel wieder nach Bichl gebracht und ausgewildert.

Spenden für die Station: Wer die Auffang- und Pflegestation von Alfred Aigner nahe Otterfing unterstützen möchte, kann unter dem Stichwort „Spende Greifvogelstation“ auf folgendes Konto spenden: Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, IBAN: DE23 7115 2570 0000 3700 15, BIC: BYLADEM1MIB. Das Geld wird für Medikamente, Futter, Tierarzt und Instandhaltung der Volieren verwendet, so Aigner.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare