Wolfgang Herm stellt sein teures Drohnenequipment und sein Fachwissen für die Landwirte vor der Mahd kostenlos zur Verfügung. Mit seinem Verein „Loisachtaler Rehkitzrettung“ ist er auf Spenden angewiesen. 
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Wolfgang Herm stellt sein teures Drohnenequipment und sein Fachwissen für die Landwirte vor der Mahd kostenlos zur Verfügung. Mit seinem Verein „Loisachtaler Rehkitzrettung“ ist er auf Spenden angewiesen. 

Technik erleichtert Wildtiersuche 

Rehkitzrettung mit Drohnenauge

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Der Such- und Rettungssystem-Experte Wolfgang Herm stellt im Loisachtal den Landwirten seine modernen Drohnen und seine Freizeit zur Verfügung. Gemeinsam mit Jäger Benedikt Schwaller begibt er sich frühmorgens auf die Suche nach Rehkitzen in Wiesen, die gemäht werden sollen. 

Bichl – Der Nebel liegt noch über den Wiesen. Tau hängt wie tausend winzige Glitzerperlen an den Grashalmen. Es herrscht Stille. Nur vereinzelt zwitschern ein paar Vögel. Spätestens um sechs Uhr morgens beginnen der Hobby-Jäger Benedikt Schwaller und der Such- und Rettungssystem-Experte Wolfgang Herm ihre ehrenamtliche Arbeit. Sie suchen die Wiesen im Bichler Tal nach Rehkitzen ab, bevor diese von den Landwirten der Umgebung gemäht werden.

Jährlich sterben in Deutschland etwa 100 000 Kitze durch Mähgeräte 

Eine Arbeit, die vielen neugeborenen Rehen das Leben rettet. Immerhin sterben aktuellen Schätzungen zufolge in Deutschland jedes Jahr rund 100 000 Kitze einen qualvollen Tod, wenn Landwirte mit großen Geräten ihre Wiesen mähen. Denn die kleinen Kitze suchen zwischen Mai und Ende Juni im hohen Gras Schutz. „Sie verharren einem Instinkt folgend reglos und ducken sich, sobald sie Gefahr wittern“, erklärt Benedikt Schwaller. Erst wenn die Kitze etwas größer werden, versuchen sie wegzulaufen. „Aber auch dann sind die Mäh-Geräte noch eine große Gefahr, denn sie sind meist noch nicht schnell genug“, weiß Schwaller.

Kitze suchen Schutz in hohen Wiesen. Bei Gefahr ducken sie sich. 

Die Technik erleichtert seit diesem Jahr einiges bei der Suche im Gras. Durch die modernen Drohnen, die Wolfgang Herm aus seinem Nebenerwerbsunternehmen „Herm Such- und Rettungssysteme“ für die Rehkitzrettung zur Verfügung stellt, dauert es im Durchschnitt nur noch zehn Minuten, eine große Wiese nach den Jungen abzusuchen. „Davor bin ich alles zu Fuß abgegangen. Da habe ich mindestens zwei Stunden pro Fläche gebraucht“, erinnert sich der Feuerwehrmann und Hobby-Jäger Benedikt Schwaller.

Hobby-Jäger Benedikt Schwaller 

Bevor es losgeht, hat Herm bereits die Flugroute geplant. Dann baut er die Drohne, samt Landeplatz auf. In einer Live-Übertragung können sie während dem Flug direkt beobachten, ob ein Kitz in der Wiese liegt. „Das ermöglicht die Wärmebildkamera“, sagt Herm. Der Boden hat in den frühen Morgenstunden zirka sechs Grad, also wird bei der Kamera eingestellt, dass Temperaturen ab zehn Grad aufwärts angezeigt werden. „Ein Rehkitz hat in etwa eine Körpertemperatur von 16 Grad“, erklärt Schwaller.

Drohnen sind mit Wärmebildkameras ausgestattet 

Heuer hat das Duo bereits 20 Felder auf diese Art und Weise abgesucht. Pro Feld haben Schwaller und Herm im Durchschnitt zwei Rehkitze gefunden. Dann ist der Jäger an der Reihe. „Ich gehe dann zu dem Kitz hin und nehme es mit Gummihandschuhen und Gras ganz kurz hoch, um es in einer speziellen Schutzbox zwischenzulagern“, erklärt er das professionelle Vorgehen. Achtsamkeit sei hier das A und O. „Die Kitze haben in den ersten Monaten noch keinen Eigengeruch, das schützt sie vor Fressfeinden, wie Füchsen“. Wenn ein Mensch ein Kitz jedoch ohne Schutz anfasst, denn nimmt es den Geruch des Menschen an. „Das wäre schlimm, denn dann wird es von der Mutter-Geiß verstoßen“, sagt Schwaller.

Der gelbe Fleckt zeigt ein von der Wärmebildkamera erfasstes Rehkitz.

Er selbst ist froh, um die Unterstützung von Wolfgang Herm. „Es ist viel einfacher und effizienter durch die Drohnen.“ Eine solche Suchdrohne kostet zwischen 1000 und 2000 Euro. Das Wärmebildsystem macht dann nochmals an die 5000 Euro aus. Schwaller schwärmt: „Es ist wirklich toll, dass Herr Herm das alles in den Dienst der Rehkitzrettung stellt.“ Und er ergänzt: „Wer einmal ein unter Mäh-Geräte gekommenes Kitz gesehen hat, der macht alles, um das künftig zu verhindern.“

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