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Die Penzberger Stadtbücherei wurde 2015 modernisiert. Sie liegt in der Rathauspassage.

Gemeinderat

Kein Geld für Penzberger Stadtbücherei

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Die Gemeinde Bichl ist nicht bereit, sich an den Defizitkosten der Penzberger Stadtbücherei zu beteiligen. Eine entsprechende Anfrage wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung nach lebhafter Debatte zurückgewiesen.

Bichl – Zum Hintergrund: Penzberg erhöht am September die Gebühren und verlangt für eine Familienkarte von Nicht-Penzbergern 28 Euro (Azubis: 14 Euro). Die Bürger in Penzberg zahlen zehn Euro weniger. „Die unterschiedliche Behandlung ist gerechtfertigt, weil die Bücherei eine städtische, öffentliche Einrichtung ist, bei der die Lenkung der knappen finanziellen Ressourcen der Stadt ausschließlich auf den eigenen Aufgabenbereich beschränkt wird“, heißt es in einem Schreiben von Bürgermeisterin Elke Zehetner an die Gemeinde Bichl. Im Haushalt von Penzberg verzeichnete die Stadtbücherei 2016 ein Defizit von fast 240 000 Euro. Das entspricht pro Ausweis 92 Euro.

In Bichl sind 104 Bürger Nutzer der Penzberger Bücherei, was somit einen Defizitanteil von 9568 Euro ausmacht, heißt es in dem Brief. Und weiter: Würde Bichl das Defizit übernehmen, wäre Penzberg im Gegenzug bereit, den Bichlern den Einheimischentarif (18 Euro Jahresgebühr) zu gewähren. Für Penzberg ist das laut Zehetner „ein wichtiger Schritt für die Vertiefung der interkommunalen Zusammenarbeit“.

Die Bichler Räte sagten dazu klipp und klar Nein. „Es ist traurig, dass eine große Stadt wie Penzberg auf dem Land betteln geht“, sagte Michael Eberl. Penzberg habe 35 Millionen Euro an Rücklagen, sagte Leonhard Peschl. Bürgermeister Benedikt Pössenbacher verwies auf die großen Unternehmen in der Stadt und damit einhergehende Gewerbesteuereinnahmen. „Penzberg muss die Gebühren für die Bücherei eben anders kalkulieren“, sagte Helmut Oppel.

Einzig Helmut Kolbeck sprang für Penzberg in die Bresche. Die Stadt habe eine sehr gute Bücherei, dort gebe es zum Beispiel auch die Möglichkeit der Fernleihe. „Das sind ganz andere Möglichkeiten als in Benediktbeuern“, sagte er und warnte davor, beide Büchereien zu vergleichen. „In Penzberg ist der Bücherbestand viel größer“, so Kolbeck. Für die Bichler Bürger sei es ein Vorteil, so eine große Bücherei in der Nähe zu haben.

Eine Mehrheit fand er allerdings nicht. „Wo fängt man an, wo hört man auf?“, fragte Georg Schöffmann. „Sollen wir dann auch noch fürs Wellenbad mitzahlen?“ Im Bichler Freibad verlange man ja auch von den Penzbergern nichts extra. Ins gleiche Horn stieß auch Michael Eberl: „Die Penzberger können bei uns kostenlos langlaufen. Und das waren viele in diesem Winter.“

Hubert Waldherr schlug den Penzbergern vor, von ihren Einheimischen mehr zu verlangen. „Wenn wir jetzt Penzberg mehr Geld geben, steht als nächstes Tölz bei uns vor der Tür.“ Markus Geißler führte noch ein ganz anderes Argument ins Feld: „Wenn wir jetzt zahlen, löst das aber nicht das grundsätzliche Problem in Penzberg, nämlich das jährliche Defizit. Sonst kommen sie nächstes Jahr wieder daher“, sagte der Zweite Bürgermeister. Eine einmalige Spende könne er sich „schon vorstellen“, aber nicht in dieser Höhe. Auch Helmut Kolbeck meinte: „Wenn schon nicht der ganze Betrag, dann wenigstens eine Spende.“

Aber letztlich blieb es beim kompletten Nein – nur Gemeinderat Helmut Kolbeck stimmte dafür, dem Anliegen der Stadt Penzberg nachzukommen.

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