Hohe Wiesen sind ein häufiges Versteck von Wildtieren. Besonders viele Kitze werden jährlich von landwirtschaftlichen Maschinen getötet. Die Drohnen von Wolfgang Herm helfen nun im Loisachtal, die Tiere zu finden.
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Hohe Wiesen sind ein häufiges Versteck von Wildtieren. Besonders viele Kitze werden jährlich von landwirtschaftlichen Maschinen getötet. Die Drohnen von Wolfgang Herm helfen nun im Loisachtal, die Tiere zu finden. 

Land- und Forstwirtschaft 

Drohne rettet Rehkitze im Loisachtal

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Normal arbeitet er im Freibad Bichl als Bademeister. Hier muss Wolfgang Herm zur Not Menschen aus dem Wasser ziehen, sollten sie in Gefahr geraten. Doch als die Freibäder während der Corona-Krise die Saison erst verspätet eröffnen konnten, nutze Herm die Zeit, um Rehkitze zu retten. 

Kochel am See – Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr rund 100 000 Kitze einen qualvollen Tod, wenn Landwirte mit großen Geräten ihre Wiesen mähen. Im hohen Gras suchen viele Kitze Schutz – und verharren einem Instinkt folgend reglos, wenn sie Gefahr wittern. Diesem Problem will Wolfgang Herm jetzt zumindest im Loisachtal entgegnen.

„Ich wollte das schon vor einem Jahr machen, da habe ich dann aber eine Absage vom Landratsamt bekommen, da die Loisach-KocheMoore ein Vogelschutzgebiet sind.“ Doch vor wenigen Wochen meldete sich die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bei Herm. Gemeinsam haben sie eine Lösung gefunden: „Ich fliege mit meinen zwei Drohnen im Loisachtal jetzt überall, wo kein ausgeschriebenes Naturschutzgebiet ist“, sagt er. Damit sei auch schon vielen Landwirten geholfen.

Rund 100 000 Rehkitze sterben jährlich beim Mähen der Wiesen 

Viele nehmen Herm zufolge sein Angebot gern wahr. „Beinahe jeder Bauer in Bichl hat sich schon bei mir gemeldet.“ Seit Juni ist er nun gemeinsam mit den ortsansässigen Jägern auf Anfrage unterwegs. „Bisher hatten wir bestimmt schon über zehn Einsätze.“ Auch die Jäger seien glücklich, denn die sparten sich nun viel Zeit. „Ein Jäger braucht mindestens eine Stunde, um einen Hektar zu Fuß abzusuchen. Ich brauche mit der Drohne zehn Minuten“, erklärt Herm.

Für einen Einsatz muss jedoch alles gut vorbereitet sein. „Normalerweise ruft mich der Jäger zirka zwei Tage vorher an. Dann kann ich am Computer die Flugroute planen. Sollte ich die Gegend nicht gut kennen, fahre ich vorher natürlich hin und schau mir alles genau an“, erklärt der Drohnenprofi. Die Suchaktionen werden nur in den frühen Morgenstunden oder spät abends durchgeführt. Voraussetzung ist auch, dass es nicht stark regnet, denn die Drohnen sind nicht wasserfest. Bei den Flugeinsätzen ist Wolfgang Herm in ständiger Begleitung eines Jägers. „Das ist so im Tierschutzgesetz geregelt. Der Jäger muss auch dabei sein, wenn man das Rehkitz wegträgt.“

Seit Anfang Juni schon zehn erfolgreiche Einsätze 

Die Familie hat selbst zwar keinen landwirtschaftlichen Betrieb, aber Herm wollte mit seiner Technik unbedingt helfen. „Ich mach das rein hobbymäßig. Wenn ich sowieso die Systeme und Technik habe, wieso sollte man sie dann nicht für so etwas Wichtiges nutzen“, findet Herm. Die Drohnenflüge sind für die Landwirte gratis. „Anderweitig würde es bestimmt manche abschrecken, die Methode zu nutzen“, mutmaßt der Kochler.

Die beiden Drohnen sind jeweils mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Eine hat sogar eine „Zoom-Funktion“, sprich die Aufnahmen können im Flug vergrößert werden.

Die Technik lohnt sich. „Bisher haben wir bei jedem Flug Tiere gefunden. Rehkitze und Feldhasen waren am häufigsten in den Wiesen versteckt.“ 

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