+
Sitzung mit Sicherheitsabstand: Die Bichler Gemeinderäte im Saal des „Bayerischen Löwen“ mit Bürgermeister Benedikt Pössenbacher (vo. Mi.) und Verwaltungsmitarbeiterin Claudia Krönauer (li.). 

Umstrittenes Projekt

Landwirt in Bichl plant Stall für 400 Kühe: Gemeinderat dagegen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
    schließen

Der Bauantrag eines Landwirts sorgt derzeit für reichlich Gesprächsstoff in Bichl.

Bichl Andreas Mair („Voglbauer“) will auf seiner Fläche einen Stall errichten, der wesentlich größer ist als vergleichbare Objekte in der Region und Platz bieten wird für insgesamt rund 400 Tiere. Die Gemeinde lehnt das ab, hat aber bei der Genehmigung kein Mitspracherecht. Der junge Landwirt hingegen will die Zukunft seines Familienbetriebs sichern.

Der Antrag lag dem Gemeinderat in der Sitzung am Dienstag vor. Nach Angaben von Bürgermeister Benedikt Pössenbacher ist der Stall 35 auf 85 Meter groß. Laut Pössenbacher wäre er „wie ein Riegelbauwerk“, weil man das Gelände nahe dem Hochbichl für den zehn Meter hohen Stall auch noch um drei bis vier Meter aufschütten müsste. Weitere Problemfelder für die Gemeinde sind mangelnder Brandschutz – die Wasserleitung dorthin ist nicht ausreichend – und die zu erwartenden Geruchsbelästigungen durch rund 400 Kühe. Hinzu kommen noch die erforderlichen Güllegruben und Siloflächen, die genehmigungsfrei seien. „Das wird ein riesen Betrieb“, sagt Pössenbacher. Das Gewerbegebiet liege rund 250 Meter, die Wohnbebauung rund 350 Meter entfernt. Eigentlich wolle die Gemeinde in diese nördliche Richtung wachsen. „Innovation ist ja schön, aber das ist einfach zu groß“, sagte Pössenbacher.

Vergleich mit Diskussion über Netto-Markt

Der Gemeinderat diskutierte über den Antrag und lehnte ihn dann einstimmig ab. Allerdings hat diese Entscheidung für das Bauvorhaben keine Auswirkung, denn der Landwirt verfügt über die sogenannte Privilegierung. Die entscheidende Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt. „Hinsichtlich der Größe eines Vorhabens kennt die Privilegierung keine Grenzen“, sagt Pressesprecherin Sabine Schmid. Privilegierung sei Bundesrecht.

Bichls Zweitem Bürgermeister Markus Geißler ist das ein Dorn im Auge. In der Sitzung erinnerte er an die hitzigen Diskussionen über den Netto-Markt vor einigen Jahren und kritisierte, dass die Gemeinde im Bereich der Landwirtschaft nicht mitreden dürfe. Auch Geißler findet den Stall in dieser Größe „viel zu massiv“. Ähnlich äußerten sich auch Leonhard Peschl und Helmut Kolbeck. „Natürlich stehen die Landwirte unter Zugzwang. Aber 400 Kühe, vielleicht sogar mehr, sind für unser Dorf zu heftig“, sagte Kolbeck.

Gemeinde und Landwirt Andreas Mair (25) wollen sich Mitte dieser Woche zu einem Gespräch treffen (Hinweis der Redaktion: Der Termin am Freitag, wie in der Wochenendausgabe des Tölzer Kurier berichtet, kam nicht zustande). Der junge Mann gibt sich im Vorfeld sehr verständig und betont seine Kompromissbereitschaft. „Ich verstehe die Bedenken“, sagte er im Telefongespräch mit dem Tölzer Kurier und erklärte ausführlich, was ihn zu seiner Entscheidung bewogen hat. „Ich habe mir Stallungen in ganz Deutschland angeschaut und viele Gedanken über die Planungen gemacht.“

Zurzeit habe man schon rund 160 Kühe sowie 150 Stück Jungvieh und einige Kälber auf dem Hof. „Die wenigsten Leute wissen, dass wir jetzt schon 300 Stück Vieh haben“, sagt Mair. Die jetzigen Stallungen auf dem Hof seien zwischen 20 und 40 Jahren alt und entsprächen nicht mehr den Anforderungen. „Heutzutage sind zum Beispiel die Laufgänge viel breiter bemessen“, sagt Mair, gelernter Landwirtschaftsmeister und staatlich geprüfter Wirtschafter.

Landwirt will Betriebsabläufe optimieren

Der „Voglbauer“ ist ein Milchviehbetrieb mit Jungviehaufzucht und Kälbern. Mit dem neuen Stall möchte Mair die Betriebsabläufe auf dem Hof optimieren und vieles verbessern. Der neue Stall soll großzügig bemessen sein, damit die Jung- und rangniedrigeren Tiere ungestört ans Futter und in den Tränkenbereich könnten, erklärt der junge Mann. Rund ein Viertel des Stalls seien Strohbuchten, die zum Abkalben, für die Kälber oder für kranke Tiere reserviert seien. Das Weidesystem will er beibehalten. „Alle Kühe haben den Komfort, rauszugehen, wann sie möchten.“

Auf eine genaue Zahl, wie viele Tiere es insgesamt mit dem neuen Stall werden, möchte sich Mair nicht festlegen. Rund 400 meint er. Das seien etwa 100 mehr als jetzt. „Das ist nicht so dramatisch“, auch hinsichtlich Futter und Gülle: „Es ist ja alles schon vorhanden.“ Von den jetzt fünf Stallungen will Mair zwei als Maschinenunterstand oder Futterlager nutzen.

Lesen Sie auch:  Evangelische Kirche: Fast 400 Gutscheine für Tafel-Kunden in Tölz

Über die Höhe des neuen Stalls habe er sich ebenfalls lange Gedanken gemacht. Hintergrund für die Geländeaufschüttung sei, dass die Kühe die Triebwege zum Melken barrierefrei bewältigen sollen. Würde er tiefer bauen, müsste er schräg betonieren oder sogar Stufen bauen. Das könnte im Winter bei Glatteis zu Klauenverletzungen führen. Zudem würde eine Kuh nach einem Sturz den Weg scheuen.

Rederecht für Bauwerber bald im Gemeinderat ?

Was die Gerüche anbelangt, sieht sich Mair weit genug vom Dorf entfernt. Zudem beinhalte sein Bauantrag eine neue Zufahrt, so dass er auf kürzestem Weg Richtung B472 fahren könnte. „Ich möchte eine Lösung, die für alle passt“, sagt der junge Landwirt.

Mair verfolgte die Sitzung am Dienstag als Zuhörer – und sah auch, dass die Gemeinderäte noch Fragen hatten. Gemeinderat Leonhard Peschl hätte Mair deshalb gerne Rederecht erteilt, das sieht jedoch die Geschäftsordnung nicht vor. Peschl will deshalb in der kommenden Legislaturperiode den Antrag stellen, dass Bauwerber sprechen dürfen, wenn im Gremium wichtige Fragen entstehen.

Lesen Sie auch: Einige Kulturveranstalter im Tölzer Land kämpfen um ihre Existenz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flammen-Inferno in Bad Tölz: So erlebte eine Mutter die Unglücksnacht
In Bad Tölz hat ein Blitz einen Dachstuhlbrand verursacht. Ein Großeinsatz mit zahlreichen Rettern war die Folge. Nun sind neue Details bekannt.
Flammen-Inferno in Bad Tölz: So erlebte eine Mutter die Unglücksnacht
Ausnahmekletterer Andreas Lindner (21): Todessturz beim Zustieg zum Traumziel - vor den Augen des Freundes
Der Ausnahmekletterer Andreas Lindner (21) aus Lenggries ist im Mont-Blanc-Massiv tödlich verunglückt. Der Bergsteiger stürzte auf dem Weg zu seinem Traumziel in den Tod.
Ausnahmekletterer Andreas Lindner (21): Todessturz beim Zustieg zum Traumziel - vor den Augen des Freundes
Mit Höllenlärm: Münchner Motorradfahrer brettert über Kesselberg - und zeigt sich völlig uneinsichtig
Mit einer extrem lauten Maschine bretterte ein Motorradfahrer aus München über den Kesselberg. Das dürfte nun ernste Folgen für den Mann haben.
Mit Höllenlärm: Münchner Motorradfahrer brettert über Kesselberg - und zeigt sich völlig uneinsichtig
Corona - ein Härtest für Familien und das Tölzer Jugendamt
Corona war und ist ein Härtetest für Familien – und damit gleichzeitig für das Jugendamt. Wie hält man Kontakt zu Familien, wie schaut man auf das Wohl der Kinder, wenn …
Corona - ein Härtest für Familien und das Tölzer Jugendamt

Kommentare