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Martinimarkt in Bichl: „So was hält das Dorf zusammen“

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Von: Patrick Staar

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Bei Traumwetter lockte der Martinimarkt jede Menge Besucher ins  Bichler Ortszentrum
Bei Traumwetter lockte der Martinimarkt jede Menge Besucher ins Bichler Ortszentrum © pr

Einige tausend Besucher nutzten am Samstag das schöne Wetter, um über den ersten Martinimarkt in Bichl zu schlendern. Damit war die Resonanz deutlich größer, als von den Veranstalterinnen erwartet.

Bichl – Manchmal bekommen die Dinge eine ganz andere Dynamik als erwartet. Zuerst war die Idee aufgekommen, in Bichl einen Hausflohmarkt zu veranstalten. Dann träumten die Organisatorinnen Lilly Schöffmann und Christina Schmid von einem kleinen Dorf-Flohmarkt mit 30 Ständen. Tatsächlich wurde beim ersten Martinimarkt alles ein paar Nummern größer: Der ganze Bichler Ortskern wurde zur Verkaufsmeile, 59 Verkaufsstände verteilten sich auf einer Länge von knapp einem Kilometer.

Die Besucherzahl konnte niemand halbwegs präzise schätzen – einige tausend dürften im Laufe des Samstags aber schon durch den Ort gebummelt sein.

Die Atmosphäre bei diesem Markt ist ganz speziell. Anwohner sitzen entspannt vor ihren Häusern, ratschen mit ihren Nachbarn und präsentieren all die Dinge, die sie längst schon mal loswerden wollten: Eine alte Kaffeemaschine, Kinderschuhe, eine Rosa-Luxemburg-Biografie, Gemälde, Vasen, ein Buch über die Abenteuer des 2006 verstorbenen Tierfilmers Heinz Sielmann. Eine Familie wirbt an ihrem „Vertrauensstandl“ mit dem Slogan: „Nimm da was brauchst, wirf ins Kassl was’d moanst“.

Bichler Martinimarkt: Jubelschrei für Asterix auf Französisch

Bereits am Vormittag gibt es einen großen Besucheransturm, mittags wird es etwas ruhiger, und am Nachmittag ist wieder reichlich Betrieb in der Ortsmitte. Eine junge Frau juchzt, als sie an einem Verkaufsstand einen französischen Asterix-Band entdeckt: „Damit kann ich mein Französisch auffrischen.“ Sie drückt der Verkäuferin drei Euro in die Hand und erwirbt gleich auch noch einen braunen Schal für weitere drei Euro.

Recht vergnügt wirkt Steffi Heidinger an ihrem Verkaufsstand: „Es ist sehr lustig hier, viele Leute erzählen Anekdoten.“ Für was sich die Kundschaft am meisten interessiert? „Für den Teppichklopfer“, antwortet Heidinger. Wie zur Bestätigung kommt ein Familienvater vorbei und fragt grinsend: „Darf ich den ausprobieren?“ Die Verkäuferin stimmt zu, der junge Papa schnappt sich den Teppichklopfer, holt wie mit einem Tennisschläger aus und visiert grinsend das Gesäß seiner Lebensgefährtin an. Die schiebt ungerührt den Kinderwagen weiter und kontert trocken: „Des hoid der ned aus.“ Schmunzeln musste Heidinger kurz zuvor über einen Buben, der sich Gedanken darüber machte, was es mit der merkwürdig gebogenen Gerätschaft auf sich haben könnte. „Er hat gemeint, das ist ein Zauberstab.“

Ein Teppichklopfer und seine Geschichte

In diesem Moment kommt schon der nächste Kunde, Franz Promper, der extra aus Fürstenfeldbruck angereist ist. Auch er geht zielsicher zum Teppichklopfer – und beginnt zu erzählen. „Der Bambusstecker erinnert mich an die Schule, damit haben wir früher immer Tatzen gekriegt.“ Er werde nie seinen Schulkameraden vergessen, der immer die Hand weggezogen hat, wenn die Lehrerin mit dem Stock draufschlagen wollte. „Eines Tages hat sie gedacht, sie ist besonders schlau und hat seine Hand festgehalten. Er hat sie trotzdem weggezogen, und die Lehrerin hat sich selbst auf die Finger gehauen – und wir durften nicht mal lachen.“ Für seinen Kameraden sei der Schultag beendet gewesen, Promper musste ihn heimbegleiten. „Tja, das war damals die ganz hohe Schule der Pädagogik“, sagt er und geht mit seinem neu erworbenen Teppichklopfer zum nächsten Stand.

Renate Höge wirkt trotz des bunten Treibens und der vielen Gespräche etwas betrübt. Früher sei sie ein-, zweimal pro Jahr bei Flohmärkten dabei gewesen, „aber jetzt bin ich zu alt dafür“. Wenn aber schon mal ein Flohmarkt direkt vor ihrer Haustüre stattfindet, wollte sie doch mitmachen. Es sei schade, dass niemand ihre selbst gebastelten Teddybären haben wolle, die sie für 30 Euro anbietet. Dabei sei allein das Material 25 Euro wert. Hinzu kommen vier bis fünf Stunden Arbeitszeit, „wenn man schnell ist“. Ihre Kollegin Irmi Endres pflichtet bei: „Die Teddys sind der Wahnsinn, aber der Wert der Arbeit ist einfach nicht geschätzt.“

Würstel ausverkauft, „saugut gelaufen“

Endres selbst hatte mit ihren Dekorationsstücken aus Schwemmholz mehr Glück: „Da habe ich schon drei Teile verkauft.“ Auch Schuhe und die handgestrickten Sachen seien „ganz gut gegangen“. Vom Konzept ist Irmi Endres trotz des durchwachsenen Umsatzes überzeugt: „Es ist schön, dass es solch einen Flohmarkt in Bichl gibt. So was hält das Dorf zusammen.“ Darüber hinaus sei der Flohmarkt „super organisiert“.

Geradezu euphorisiert ist Andreas Zander, als er eine Stunde vor dem offiziellen Marktende schon den Grill am Stand der SF Bichl abbaut: „Wenn man so was das erste Mal macht, weiß man überhaupt nicht, wie viele Leute kommen. Aber es ist saugut gelaufen, die Würstel sind ausverkauft“, berichtet Zander. Klar sei, dass eine ganze Menge Geld in der Kasse der Sportfreunde hängen bleibt: „Und eine Spende ans Haunersche Kinderspital ist auch drin – ganz klar.“

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