Aufmerksame Zuhörer: Projekt-Manager Stephan Philipp (re.) erklärt der Jugend und den Erwachsenen des Alpenvereins Wolfratshausen die Bedeutung des Bergwalds.

Mischwald statt Monokultur am Fahrtkopf in Bichl

Die Mischung macht‘s: Tanne und Ahorn

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Bichl - Freiwillige der Alpenvereinssektion Wolfratshausen haben jetzt im Projektgebiet Bergwaldoffensive in Bichl 400 Tannen und 100 Bergahorne gepflanzt.

Einige wissen bereits, was zu tun ist. Die Neuen hören bei der Einführung aufmerksam zu. Die gemeinsame Aktion von Alpenverein und Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen (AELF) findet seit vielen Jahren im Herbst statt. Die Bergwaldoffensive (BWO) soll nach AELF-Angaben die instabilen Fichtenreinbestände am Fahrtkopf in strukturreiche Mischwälder umbauen. „Diese sind stabiler und können somit ihre vielfältigen Aufgaben auch im Hinblick auf den drohenden Klimawandel besser erfüllen“, so BWO-Projektmanager Stefan Philipp.

In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Hektar bepflanzt. „Es handelt sich damit um eines der erfolgreichsten BWO-Projekte im Landkreis“, so Philipp. Hierzu habe die enge Zusammenarbeit zwischen der Waldgenossenschaft Bichl, der Gemeinde und dem AELF beigetragen, betont der Projektmanager. Forstdirektor Wolfgang Neuerburg bedankte sich bei den zwölf Erwachsenen und freute sich insbesondere auch, dass sich zehn Kinder an der Aktion beteiligten. „Die Jugend zeigte großes Interesse für den Bergwald“, so Neuerburg. Die Kinder wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Harte Arbeit im Bergwald: Der Wolfratshauser Alpenvereinsvorsitzende Gerhard Hofmann pflanzt eine Tanne.

Die Bergwaldoffensive wurde von der Bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen und wird seit 2009 in zahlreichen Projektgebieten durch das AELF umgesetzt. Ziel ist der Umbau von sensiblen Schutzwaldbereichen in strukturreiche Bergmischwälder. Diese können ihre vielfältigen Aufgaben, insbesondere den Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser und Lawinen, besser erfüllen.

Im Projektgebiet Bichl wurden im Rahmen der BWO zunächst Forstwege gebaut. „Sie sind die Voraussetzung für die dringend notwendige Durchforstung der dunklen Fichtenreinbestände“, so Robert Nörr vom Forstrevier Wolfratshausen. Bei den anschließenden Durchforstungen wurden Seilbahnen eingesetzt.

Die Eingriffe haben laut Nörr mehrere positive Auswirkungen: Zum einen werde ein regional verfügbarer und nachwachsender Rohstoff gewonnen, der sehr klimafreundlich ist. Zum anderen werde der Wald stabiler. „Die verbliebenen Bäume haben mehr Platz“, so Nörr. „Licht und Wärme gelangen auf den Boden, wodurch junge Bäume nachwachsen können.“

Da im Altbestand aber fast ausschließlich Fichten vorkommen, sei man bestrebt Mischbaumarten zu pflanzen. Die Tanne sei deutlich stabiler als die Fichte im Hinblick auf Trockenstress und Borkenkäferbefall. „Da sie aber in der Jugend sehr anfällig für Wildverbiss ist, ist sie auf großen Flächen verschwunden“, so Philipp. Auch Bergahorne seien eine wichtige Baumart im Mischwald. Sie werden bereits seit mehreren Jahren im Projektgebiet gepflanzt.

Das Projekt in Bichl, in dem sich im Sommer auch schon Jugendliche aus aller Welt in Zusammenarbeit von AELF und Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten engagiert haben, fand 2012 mit der Nominierung für den Alpinen Schutzwaldpreis internationale Anerkennung.

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