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Am Zweiten Weihnachtsfeiertag brannte die Tenne am Hof der Knestels ab. 

Hof abgebrannt

Nach dem Bichler Großbrand: „Jammern hilft uns nicht weiter“

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Es ist ein Albtraum, wenn der eigene Bauernhof in Flammen steht. Familie Knestel aus Bichl ist das am Zweiten Weihnachtsfeiertag passiert. In den Wochen danach hat die Familie große Hilfsbereitschaft erlebt – und möchte sich jetzt bei allen dafür bedanken. Die Familie wird auch von unserer Aktion „Leser helfen helfen“ unterstützt.

BichlNoch immer türmt sich der Schutt auf dem Grundstück, das in der Bichler Ortsmitte liegt. „Sobald es freigegeben ist, wird das alles entsorgt“, sagt Michael Knestel (40). „Ich hoffe, das geht jetzt schnell.“ Der Brand ging wahrscheinlich von einem technischen Defekt an einem Traktor aus, der in der Tenne abgestellt war. Das ist der jüngste Ermittlungsstand der Polizei (wir berichteten). Die Familie war gerade im Stall beschäftigt, als man die Flammen in der Tenne bemerkte.

Die Situation war dramatisch. Die Feuerwehren aus Bichl, Ried, Benediktbeuern, Kochel, Obersteinbach, Mürnsee und Penzberg kämpften nicht nur gegen den Brand bei den Knestels, sondern hatten auch große Sorge um den Erhalt des Nachbarhauses. Dort lag schon die Glut auf dem Dach, und angesengte Stellen sieht man bis heute.

Die Brandruine steht in der Ortsmitte. Das Haus ist unbewohnbar.

Hatte es anfangs noch geheißen, dass man das Wohnhaus der Knestels retten könne, so weiß man jetzt: durch Löschwasser und Ruß ist es unbewohnbar geworden. Dabei hatte die Familie das Haus erst vor drei Jahren komplett renoviert. Der Bauernhof („zum Kohler) stammt aus der Familie von Johanna Knestel und wurde 1867 gebaut, also vor 150 Jahren.

Riesige Hilfsbereitschaft

Die Hilfsbereitschaft, die Familie Knestel nach dem Großbrand erfahren hat, ist riesig. Die Tiere nahmen andere Landwirte auf, sie transportierten Heu und Holz ab. Nachbarn und Freunde kamen, um aufzuräumen und zu reinigen, versorgten die Familie und Helfer mit Kaffee, Kuchen und Brotzeit. Einige spendeten auch Geld. Betriebe aus Bichl und Benediktbeuern, von Bäckerei über Metzgerei bis hin zu Gasthöfen, versorgten Ersthelfer, Feuerwehr und Rotes Kreuz mit Essen, zudem gab es Hilfe beim Waschen und beim Umzug. Michael Knestel, seine Frau Johanna und die vier Kinder (18, 15, elf und eineinhalb Jahre alt) wohnen derzeit in Kochel. Die Firma Dorst, allen voran der Vorstandsvorsitzende Hubert Löcherer, Knestels Arbeitgeber, hat eine Mitarbeiter-Wohnung zur Verfügung stellen können. „Für all diese Hilfe sind wir unglaublich dankbar“, sagt Knestel und bezieht darin auch alle Feuerwehr-Kameraden und BRK-Mitarbeiter ein. „Das kann man gar nicht oft genug sagen.“ Es gebe so viele Menschen, „die uns ohne großes Aufsehen unterstützt haben“. Er sei stolz und gerührt über diese Dorfgemeinschaft. „Man kann es gar nicht in Worte fassen, wenn man sieht, wie enorm hier alle zusammenhelfen“, so Knestel, selbst Feuerwehrmann. „Vergelt’s Gott.“

„Das sind Steine, die kann man wieder aufbauen“

Auch Gemeinde und Landratsamt seien bei den Plänen zum Wiederaufbau des Hauses „unkompliziert und sehr hilfsbereit“. Denn für Familie Knestel steht fest, dass sie das Anwesen wieder herrichten wird. Der Optimismus der Familie ist bewundernswert. „Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt worden ist“, sagt Michael Knestel. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Jammern hilft uns nicht weiter“, sagt der 40-Jährige.

Dass viel Arbeit vor ihnen liegt, ist den Knestels bewusst. Das verrußte Anwesen haben sie schon leergeräumt. Was erhalten werden konnte, liegt jetzt in einem Container in einer Lagerhalle in München. Anderes landete auf dem Sperrmüll, denn der Brandgeruch lässt sich nicht mehr beseitigen. Jetzt sind viele Fragen zu klären. „Manches kann man vielleicht erhalten“, sagt Knestel und blickt auf ein renoviertes Wandkästchen, Türstöcke und Kachelofen. Mit Architekt Franz-Xaver Demmel aus Schönrain gibt es baulich gerade viel zu besprechen.

Der Brandgeruch ist noch immer da, sowohl im Bauernhaus selbst als auch entlang der Straße. „Ich ziehe den Hut vor unseren Nachbarn, die hier Geruch und Müll aushalten“, sagt Knestel, als er wieder vor dem Anwesen steht. „Dieser Anblick ist auch für sie nicht leicht zu ertragen.“

Für die Bichler Familie steht fest, dass sie hier wieder leben und auch die Landwirtschaft im Nebenerwerb weiter betreiben will. „Wir kriegen das schon hin“, sagt Michael Knestel. „Das sind Steine, die kann man doch wieder aufbauen.“

Großeinsatz der Feuerwehr in Bichl

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