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Die Spinnstube ist ein gepflegter Raum im Bichler Rathaus, in dem sich mehrere Personen zum Handarbeiten treffen können. Leiterin Eva Gerl möchte das Ehrenamt abgeben. Strom- und Heizkosten übernimmt die Gemeinde.

Handarbeitsraum in Bichl

Nachfolgerin für Spinnstube gesucht

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Seit über 20 Jahren kümmert sich Eva Gerl ehrenamtlich um die Spinnstube in Bichl. Hier kann man nach Herzenslust handarbeiten. Nun sucht die 81-Jährige eine Nachfolgerin.

Bichl– Wie viele Paar Socken Eva Gerl in den vergangenen Jahrzehnten gestrickt hat, kann sie beim besten Wille nicht mehr sagen. Ein paar Hundert dürften es sein, und kaum einer gleicht dem anderen. Denn Handarbeiten – egal, ob stricken, häkeln, klöppeln, spinnen, weben, nähen und filzen – ist ihre Passion. Die 81-Jährige beherrscht so ziemlich alle Techniken, selbst das seltene Plättchenweben und die Herstellung von Schiffchenspitze.

Das Handarbeiten ist nach wie vor ihre Leidenschaft, aber die Betreuung der Spinnstube möchte die 81-Jährige jetzt in andere Hände legen. „Langsam wird es doch ein bisschen viel“, sagt die Bichlerin. Die Spinnstube existiert schon seit mindestens 20 Jahren im Bichler Rathaus und fand auch nach dem Umzug der Verwaltung dort wieder einen Platz. Strom, etwa für Nähmaschinen, und Heizung stellt die Gemeinde zur Verfügung, und das soll auch so bleiben. „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein Nachfolger für Frau Gerl findet“, sagt Bürgermeister Benedikt Pössenbacher.

Das Besondere ist, dass die Spinnstube einen eigenen kleinen Eingang hat, sodass der Raum unabhängig von den Rathaus-Öffnungszeiten betreten werden kann. Dank des Schlüssels kann man aber zum Beispiel dort die Toiletten benutzen. In dem Raum stehen eine Eckbank, Tisch und Stühle – und zahlreiche Handarbeitsutensilien, die sich im Laufe der Jahre dank Gerl hier angesammelt haben: Spinnräder, Webrahmen und Wolle zum Beispiel, Bücher zum Nachschlagen und dutzende Ideen, was man alles gestalten kann, von Handschuhen über Korbflecht- bis hin zu Papierarbeiten. Vieles sind Spenden, anderes hat Eva Gerl selbst gemacht. Alles ist gepflegt.

In den vergangenen Jahren hat sich in der Spinnstube eine Gruppe von Frauen getroffen, die gemeinsam gehandarbeitet hat. Doch dieser Kreis hat sich zerstreut. Dafür kamen andere, Jung und Alt, die gemeinsam gestrickt, gehäkelt, gebastelt oder genäht haben. Gerl findet es schön, dass in der Spinnstube Wissen weitergegeben werden kann. „Man lernt immer wieder etwas Neues.“ Die 81-Jährige ist selbst gelernte Beschäftigungstherapeutin und übte diesen Beruf aus, bevor ihre Kinder zur Welt kamen. Seither macht sie alles ehrenamtlich.

Kurz vor unserem Treffen verabschiedet Gerl eine Dame, der sie die Vorhänge gekürzt hat. Anderen Menschen hilft sie beim Flicken. „Zum Beispiel Männern, die jetzt Witwer sind“, sagt Gerl schmunzelnd. Wenn die Spinnstube dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist, schaut immer mal jemand vorbei.

Gerl hilft für Gotteslohn – und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht: „Es kommt immer etwas zurück“, sagt die 81-Jährige, „zum Beispiel in Form einer Mitfahrgelegenheit.“ Die Bichlerin ist Mitglied der Tauschzeit Loisachtal. „Gegenseitige, ehrliche Hilfe ist unbezahlbar“, ist Gerls Credo.

Viele der Wollreste hat sie in jüngster Zeit verschenkt oder selbst zu Hause aufgebraucht. Wer also noch kommen und etwas Lernen möchte, sollte am besten seine eigene Wolle mitbringen. Und auch Gerl selbst würde gerne noch etwas lernen und sucht jemanden, mit dem sie übers Plättchenweben sprechen kann.

Für Auskünfte steht Eva Gerl unter Telefon 08857/494 zur Verfügung. Bitte nur zwischen 18 und 20 Uhr anrufen.

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