„Ich bekenne mich schuldig“, sagte der Bichler zum Vorwurf, 2019 viermal in einem Zug der Regionalbahn ohne Fahrschein erwischt worden zu sein.
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„Ich bekenne mich schuldig“, sagte der Bichler zum Vorwurf, 2019 viermal in einem Zug der Regionalbahn ohne Fahrschein erwischt worden zu sein.

Jugendgericht

Junger Schwarzfahrer kommt glimpflich davon

  • vonRudi Stallein
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Ein Bichler (20) musste sich jetzt vor dem Jugendgericht verantworten: Er war viermal ohne gültiges Bahnticket erwischt worden.

Bichl - Der Bursche, der sich wegen Erschleichens von Leistungen vor dem Jugendgericht verantworten musste, redete nicht lange darum herum. „Ich bekenne mich schuldig“, sagte der Bichler zum Vorwurf, 2019 viermal in einem Zug der Regionalbahn ohne Fahrschein erwischt worden zu sein. Der Schaden beläuft sich auf 11,30 Euro.

Die Frage nach dem Warum erklärte er ebenfalls ohne Umschweife: „Das geschah wegen der finanziellen Lage.“ Als Auszubildender habe er damals von 800 Euro Lohn schon 500 Euro für seine Wohnung bezahlen müssen. „Ich bin nicht gut über die Runden gekommen“, sagte er. „Da dachte ich: Fährst Du ein paar Mal schwarz.“ Derzeit stottere er die Rechnung der DB Regio AG ab, die für jede Schwarzfahrt 60 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“ berechnet. Dazu auch noch eine Geldstrafe, das erschien dem Gericht zu viel des Guten für einen angehenden Erwachsenen, der doch eigentlich „einen vernünftigen Eindruck macht“.

Dass Richterin Friederike Kirschstein-Freund anregte, das Verfahren einzustellen, hatte noch einen weiteren Grund. In einem Verfahren am Amtsgericht Weilheim war der junge Koch bereits im Oktober 2019 (als bereits wegen drei Schwarzfahrten ermittelt wurde) wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden. Damit sei er bestraft genug, meinte die Richterin. „Im Grunde hätte man die Schwarzfahrten damals schon berücksichtigen müssen. Und eine weitere Verurteilung würde gegen die vom AG Weilheim verhängte Strafe nicht erheblich ins Gewicht fallen“, erläuterte sie dem Angeklagten. Dieser bedankte sich, wünschte „allen noch einen schönen Tag“ und verließ den Saal. „Alles Gute“, rief die Richterin ihm nach. „Und kaufen Sie Fahrkarten!“    

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