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In wenigen Tagen endet ihre Amtszeit im Bichler Rat: Dann scheiden Xaver März (links) und Zweiter Bürgermeister Markus Geißler (re.) nach fünf Wahlperioden aus.

Kommunalpolitik

Seit 30 Jahren im Gemeinderat: Abschied von den „Revoluzzern“

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Markus Geißler (58) und Xaver März (57) haben sich seit 1990 in der lokalen Politik in Bichl engagiert. 

Bichl – In einer Serie stellt der Tölzer Kurier die ausscheidenden Gemeinderäte vor. Etwas Besonderes sind Markus Geißler (58) und Xaver März (57) aus Bichl. Die beiden waren seit 1990, also seit 30 Jahren, kommunalpolitisch engagiert. Markus Geißler ist zudem seit 18 Jahren stellvertretender Bürgermeister.

„Es ist schon ein merkwürdiges Ende dieser Legislaturperiode“, sagt Geißler angesichts der Corona-Krise. Als er 1990 für die CSU in den Gemeinderat einzog, kandidierte er bereits zum zweiten Mal. Schon 1984 hatte er sich aufstellen lassen, allerdings reichte es nicht für den Einzug. Sechs Jahre später war es dann soweit. Damals traf sich der Gemeinderat noch in der alten Kanzlei. „Im Winter saßen wir da oft im Anorak, wenn der Ölofen mal wieder kaputt war“, erinnert sich Geißler schmunzelnd. Vor 30 Jahren gab es in Bichl weder einen Tageslichtprojektor noch eine EDV-Anlage. „Alle Unterlagen gingen in der Sitzung auf dem Tisch rum.“ 2010 erfolgte der Umzug ins neue Rathaus, früher mal ein Gasthaus. Die alte Kanzlei wurde mittlerweile abgerissen, auf dem Areal hat die Bäckerei Eberl erweitert.

Die erste große Entscheidung der beiden war damals die Errichtung eines Kindergartens. Nach langen Diskussionen, erinnert sich Xaver März, habe man sich für den Standort am „Bayerischen Löwen“ entschieden. Persönlich hätte ihm das Areal des alten Hohenbrunner-Anwesens (nahe Feuerwehrhaus) besser gefallen. „Das war aber wegen Widerstand in der Nachbarschaft nicht durchsetzbar.“ Für ihn sei das damals eine „sehr interessante Diskussionserfahrung“ gewesen.

Wie Markus Geißler, gelernter Einzelhandelskaufmann, ist auch Bauunternehmer Xaver März Mitglied in der CSU. Doch gegen die Gemeinsame Liste aller Parteien, die es seit 2014 in Bichl gibt, haben sie sich nicht gesträubt. „Ich finde es sogar besser, weil dann nur die kandidieren, die auch wirklich wollen“, sagt März. Geißler sieht das ähnlich, bedauert aber zugleich, dass der CSU-Ortsverband damit an Kontur verliere. „Politische Aktivitäten kommen da nicht mehr auf.“ Die Freien Wähler und andere Gruppierungen (im Dorf gibt es die Unabhängigen Bichler Bürger/UBB, denen Bürgermeister Benedikt Pössenbacher angehört, Anm. d. Red.) würden sich mit einer Gemeinsamen Liste leichter tun. „Ich würde mir wünschen, dass die CSU in Bichl wieder präsenter wird.“

Xaver März hätte gerne noch mehr Bauland ausgewiesen

Geißler kandidierte 2002 sogar als Bürgermeister und bewarb sich um die Nachfolge von Franz Pfund. „Das war jugendlicher Tatendrang“, sagt er heute lächelnd. Nach der Ära Pfund gab es in Bichl einen Generationswechsel, „da wollten die Jungen ran“. Geißler unterlag damals Sepp Schmid (Freie Wähler). Als dieser 2008 von Benedikt Pössenbacher herausgefordert wurde, wollte Geißler nicht nochmal seinen Hut in den Ring werfen. Pössenbacher gewann damals knapp gegen Schmid. Geißler blieb auch danach Zweiter Bürgermeister. Wie schon Sepp Schmid, hat auch Pössenbacher in den stets ruhigen und sachlichen Geißler großes Vertrauen.

Dessen Steckenpferd war die Dorferneuerung. Geißler engagierte sich damals bei der „Agenda 2000“. „Wir sind ganz schön belächelt worden. Wir waren die ,Revoluzzer‘“, erinnert sich der 58-Jährige an diese Zeit, die er inhaltlich jedoch als „sehr wichtig“ beschreibt. Denn daraus ging die Dorferneuerung in Bichl hervor. „Sie hat unser Dorf zusammenwachsen lassen, und als Gemeinde haben wir Millionen an Zuschussgeldern abgeschöpft.“ Persönlich freut er sich heute am meisten über die Neugestaltung von Dorfmitte, der Freilegung des Bachs, den Abriss des Gasthofs „Grüner Hut“ und über die Neugestaltung des Schwimmbads.

Xaver März ist da mit ihm ganz einer Meinung. „Das Schwimmbad war wichtig. Gut, dass wir da als Gemeinderat nicht aufgegeben haben, obwohl es aus der Bevölkerung immer wieder Stimmen gab, es zu schließen.“ Mit der Umwandlung in ein Naturfreibad sei schließlich die beste und kostengünstigste Lösung gefunden worden.

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Die beiden Bichler haben viel Zeit für ihr Ehrenamt aufgebracht. „Es gab auch mal Zeiten, da war die Stimmung im Dorf nicht so gut, und da war es nicht so leicht, die Entscheidungen des Rats zu verteidigen“, erinnert sich Geißler. Doch „jetzt läuft der Laden wieder“, sagt er schmunzelnd. Der 58-Jährige nimmt an jeder Bauausschusssitzung teil, auch, wenn er dem Gremium nicht angehört und nur zuhören kann. „Aber das ist die beste Vorbereitung. Da lernt man viel.“

Die Arbeit im Rat empfanden die beiden stets als Bereicherung. „Bichl ist ein junges Dorf“, sagt März mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung. Zwar konnte man in den vergangenen Jahren viel Bauland für Einheimische ausweisen, „aber meiner Meinung nach hätte es noch mehr sein können“. Geißler ist sich sicher, dass das Thema Durchgangsverkehr im neuen Gemeinderat wieder aufkommt. „Man muss die Einfahrt ins Dorf unattraktiver machen“, schlägt er als Lösung vor.

„Traut euch, Fragen zu stellen“, rät Geißler den Neuen

Die beiden sehen ihr Ausscheiden mit dem berühmten lachenden und weinenden Auge. „Sicher werde ich die Lokalpolitik vermissen“, sagt Geißler. Den Neuen rät er, bei den erfahrenen Mitgliedern Rat zu suchen und sich trauen, Fragen zu stellen. „Dann wächst man in die Arbeit schnell rein.“

Sowohl Geißler als auch März sind noch voll berufstätig, haben Familie und sind in Vereinen aktiv. „Langweilig wird mir nicht“, sagt März und lacht. Geißler will jetzt erstmal „mehr freie Zeit genießen“. „Denn die Anfragen, ob man irgendwo im Verein noch mehr mit einsteigt, werden schon kommen“, sagt er lächelnd.

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