Amtsgericht

Tritt ins Gesicht „aus Versehen“

Ein junger Bichler (20) soll in einer Penzberger Diskothek einem anderen Gast ins Gesicht getreten haben. Weil er trotz seiner jungen Jahre bereits eine beachtliche Zahl an Straftaten aufweist, musste sich der Bichler wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Ihm drohte eine längere Haftstrafe.

Bichl/Wolfratshausen – „Ich würde ziemlich gerne was dazu sagen, aber ich kann mich an fast nichts mehr erinnern“, sagte der Beschuldigte, nachdem die Staatsanwältin die in wenige Sätze gefasste Anklage verlesen hatte. „Ich bin in der Ausnüchterungszelle aufgewacht.“ Dass er in der Nacht zuvor jemandem einen Zahn ausgeschlagen haben soll, habe er erst von der Polizei erfahren. Der Vorfall hatte sich am 1. Oktober vorigen Jahres gegen 4.15 Uhr im Hüttenkeller in Penzberg ereignet. Irgendwann an dem Abend war er mit Freunden zum Rauchen vor die Tür gegangen, daran erinnerte sich der angeklagte junge Mann. „Aber ab dem Moment habe ich einen kompletten Blackout.“

Die Erinnerungslücken konnten durch die Aussagen mehrerer Zeugen zum größten Teil geschlossen werden. „Wir mussten ihn draußen lassen, weil er Ärger mit anderen Leuten hatte“, berichtete ein Türsteher, dem der Angeklagte während des Abends unangenehm aufgefallen war. Der Geschädigte, ein 36-jährige Murnauer, hatte sich in die verbalen Streitereien eingemischt und die Situation beruhigen wollen. Er und der Angeklagte rangelten miteinander und gingen dabei zu Boden. Ein weiterer Türsteher kam hinzu. Gemeinsam zogen die Securitys den Bichler von seinem Kontrahenten weg. „Er trat nach und traf den anderen im Gesicht“, beschrieb der Sicherheitsmann die Szene, die den 20-Jährigen vor Gericht brachte. Er hatte sich bei der nächtlichen Aktion übrigens derart aufgeführt, dass er in Handschellen abgeführt wurde.

In der Verhandlung konnten beide Zeugen nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob der Angeklagte bewusst ins Gesicht des Geschädigten getreten hatte oder ob der Tritt versehentlich im Gerangel geschehen war. Das alkoholisierte Opfer konnte sich ebenfalls nicht an Details erinnern. Nach den Zeugenaussagen spreche „viel für Reflex“, argumentierte Verteidiger Peter Huber. Er bat um ein mildes Urteil, die Staatsanwältin beantragte eine Jugendstrafe zur Bewährung.

„Ich werde jede Strafe annehmen. Man tritt nicht ins Gesicht“, erklärte der Bichler reumütig. Das Gericht sprach den Angeklagten nur der fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Nach der Beweisaufnahme müsse man davon ausgehen, dass die Aktion fahrlässig geschehen sei und nicht mit dem Vorsatz, den anderen zu schädigen. „Deshalb ist keine Voraussetzung für die Verhängung einer Jugendstrafe gegeben“, begründete Richter Urs Wäckerlin die Entscheidung des Schöffengerichts. Als erzieherische Maßnahme ordnete er drei Gespräche bei der Caritas-Suchtberatung an. Außerdem darf der 20-Jährige ein Jahr lang keinen Alkohol und keine Drogen konsumieren und muss seine Enthaltsamkeit mit entsprechenden Screenings nachweisen.

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © dpa

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