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Gespannte Gesichter bei der von Bürgermeister Benedikt Pössenbacher (li.) geleiteten Informationsversammlung. 

Nach Informationsveranstaltung

Trotz klarem Ja: Einheitsliste in Bichl wackelt

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Es schien fast schon beschlossene Sache zu sein. Nun könnte es bei den Kommunalwahlen nächstes Jahr in Bichl doch keine Einheitsliste geben.

Bichl Große Verwirrung in Bichl: Es schien fast schon als beschlossene Sache, dass es bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2020 eine gemeinsame, überparteiliche Wahlliste für den Gemeinderat geben wird. Bei einer Informationsveranstaltung in Gasthof Bayerischer Löwen kündigte jedoch Harry Distler an, dass sich die Grünen und die Alternative Liste Bichl zusammenschließen wollen. Die Einheitsliste wäre damit gestorben.

Bürgermeister Benedikt Pössenbacher umriss, warum der Gedanke aufkam, wie 2014 auch zur Kommunalwahl im nächsten Jahr eine Einheitsliste zu bilden. So sei es für die Gruppierungen schwierig, in einem kleinen Dorf wie Bichl genügend Kandidaten zu finden, sagte der Rathauschef. Wenn es mehrere Listen gäbe, führe dies zu Ungerechtigkeiten. So habe Susanne Rieth vor fünf Jahren nicht den Sprung in den Gemeinderat geschafft, obwohl sie 704 Wählerstimmen bekommen hatte. Hubert Waldherr zog dagegen mit 501 Stimmen in das Gremium ein, weil er auf einer starken Liste stand.

Parteipolitik spielt im Gemeinderat angeblich keine Rolle

Was ebenfalls für eine Einheitsliste spreche: Parteipolitik spielt im Gemeinderat keine Rolle: „In 18 Jahren haben ich nie sagen können, wer politisch zusammengehört“, sagte Pössenbacher. Es gebe in Bichl ja nicht mal Fraktionssitzungen, ergänzte Gemeinderat Xaver März. Auch Helmut Kolbeck sprach sich für eine Einheitsliste aus. Man sei im Gemeinderat zwar nicht immer einer Meinung gewesen, „aber die Zusammenarbeit war sehr, sehr gut und die Diskussionskultur sehr fair“. Wenn es mehrere Listen gäbe, würde sich daran auch nichts ändern: „Aber bei einer Einheitsliste kommen nur Leute rein, die auch Interesse haben – und nicht Leute, die die Listen nur auffüllen“.

Nun schaltete sich Harry Distler in die Diskussion ein. Er forderte, dass erst mal alle Gemeinderäte bekannt geben sollen, ob sie 2020 kandidieren wollen. Dann teilte er mit, dass die Grünen und die Alternative Liste Bichl sich zusammenschließen werden. Distler sagte, im Gemeinderat gebe es „Seilschaften“. „Ihr müsst überlegen, ob Ihr die Vereine alle im Gemeinderat haben wollt. Und die bestimmen dann das Gemeindegeschehen.“ Die Gemeindepolitik solle nicht von einem „Zirkel“ bestimmt werden.

Hitzige Diskussionen

Durch Distlers Redebeiträge wurden die Diskussionen hitzig. „Das ist nicht zum Lachen, sondern zum Weinen“ und „Schmarrn“, schallte es durch den Raum. Pössenbacher bezweifelte, dass Distler überhaupt als Ansprechpartner in Frage komme. Schließlich wohne er mittlerweile in Wolfratshausen. Pössenbacher will nun das Gespräch mit den Kreis-Grünen suchen, um herauszufinden, „was Sache ist“.

Alexander Müllejans, Sprecher der Kreis-Grünen, zeigte sich überrascht davon, dass in Bichl eine grüne Liste im Gespräch ist. Im Loisachtal hätten die Grünen vergleichsweise wenig Wähler und Mitglieder: „Mit einer eigenen Liste würden wir uns da nur lächerlich machen.“ Listenverbindungen seien aber immer eine Option. In Icking gebe es beispielsweise eine gemeinsame Liste von Grünen und SPD. Er habe noch nicht gehört, dass in Bichl in dieser Hinsicht „etwas im Busch“ ist. Er kenne allerdings auch nicht alle Protagonisten vor Ort: „Ich werde jetzt mal ein Auge darauf werfen.“

Stellvertretender Bürgermeister Markus Geißler tritt nicht mehr an

Eine Testabstimmung ergab, dass 18 Kandidaten bereit wären, im kommenden Jahr für den Gemeinderat zu kandidieren. Stellvertretender Bürgermeister Markus Geißler gab bekannt, dass er nach 30 Jahren nicht mehr antreten wird: „Ich möchte jetzt mehr Freizeit haben.“ Zum Thema Einheitsliste ergab sich ein klares Meinungsbild: 25 der 26 Anwesenden – darunter auch Distler – stimmten dafür. Dagegen votierte nur Ex-Gemeinderat Hans Berghofer. Seine Begründung: „Eine Einheitsliste ist vielleicht einfacher, aber es funktioniert auch anders.“

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