Stolz führte Bäckermeister Josef Eberl sen. (in der Lederhose) die Umweltministerin Ulrike Scharf durch seinen Betrieb, begleitet von (v. li.) Vize-Landrat Thomas Holz, Franz Xaver Peteranderl (Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern) und Martin Bachhuber (CSU-Landtagsabgeordneter).

Umweltministerin Scharf bei Bichler Bäckerei Eberl

Auszeichnungen für Öko-Vorzeige-Betrieb

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Große Ehre für die Bichler Bäckerei Eberl: Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf überreichte dem Betrieb zwei Auszeichnungen für ökologisches Wirtschaften. Zudem konnten die geladenen Gäste erstmals das neue Café kennenlernen.

Bichl„Das ist heute ein ganz besonderer Tag für die Geschichte Ihres Unternehmens“, sagte Franz Xaver Peterandl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern zur Bichler Bäcker-Familie Eberl. Im „Weinkeller“ des neuen Cafés hatten sich zahlreiche Gäste versammelt: neben der Ministerin und Peterandl waren Heinz Hoffmann (Landesinnungsmeister der Bäcker) sowie zahlreiche Vertreter der Kreishandwerkerschaft und lokale Politiker anwesend, beispielsweise die Bäckermeister Konrad Stelmaszek und Toni Lugauer, der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber, Vize-Landrat Thomas Holz, Bichls Zweiter Bürgermeister Markus Geißler und einige Gemeinderäte. Auch Vertreter der am Neubau beteiligten Firmen und Banken waren gekommen.

Peterandl sparte nicht mit Lob. Die Bichler Bäckerei, die zu den ältesten Familienbetrieben in Deutschland gehört, sei ein „Vorzeigeunternehmen in der ganzen Region“, das sich die Auszeichnung „in der Königsklasse des betrieblichen Umweltschutzes mehr als verdient habe“. Josef Eberl sen. sei ein „Mann der ersten Stunde“, der für andere Betriebe in der Region ein großes Beispiel sei.

Das neue Café wird am 18. Juni eröffnet.

Auch Vize-Landrat Thomas Holz würdigte Eberls Engagement für den Umweltschutz: „Gerade in Zeiten des Preiskampfes und der industriellen Großbäckereien ist das, was hier geschaffen wird, eine riesige Leistung.“

Umweltministerin Scharf überreichte Josef Eberl sen. die Umweltpakt-Urkunde und die erneute „EMAS- Zertifizierung“. Letzteres ist das höchste europäische Umweltsiegel mit den strengsten und aufwändigsten Auflagen. „Bei Ihnen geht die Liebe nicht nur durch den Magen, sondern Sie haben dabei auch noch die Umwelt im Blick“, sagte sie scherzend und fügte hinzu: „Sie leben vor, wie man Umweltschutz ökologisch und ökonomisch umsetzt.“

Die Bichler Bäckerei besitzt das EMAS-Siegel schon seit über zehn Jahren, wird aber regelmäßig erneut geprüft. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Optimierung von Energie- und Wasserverbrauch, sondern auch die Vermeidung von Abfällen sowie Mitarbeiterschulungen und Arbeitssicherheit. „Ich war schon immer ein überzeugter Gegner von Verschwendung“, sagt der Seniorchef zu den Gründen, warum er sich so intensiv um das Öko-Siegel bemüht hat.

Energetisches Wirtschaften zieht sich wie ein roter Faden durch die Bäckerei, die derzeit 70 Angestellte hat und lückenlos in der 15. Generation geführt wird. Die Eberls haben zum Beispiel eine Absorptionskälteanlage, die heißes Wasser in kaltes umwandelt. Diese kalte Luft wird über die Lüftung zur Raumkühlung verwendet, etwa in Backstube, Laden, Lager und jetzt auch im neuen Café. Über ein Blockheizkraftwerk werden 80 Prozent des eigenen Strombedarfs erzeugt. Die Restmüllquote liegt bei unter zwei Prozent.

Zudem haben die Eberls die bis heute einzige Rauchgas-Waschanlage in Süddeutschland. Die Gase gehen nicht durch den Kamin in die Luft, sondern werden durch Wasser geleitet. Darin bleiben Feinstoffe wie Ruß, Schwefelverbindungen und Schwermetalle hängen. Die Abgase, die aus der Bäckerei strömen, sind umweltfreundlich. Was in der Waschanlage hängen bleibt, wird als Sondermüll von einer Spezialfirma entsorgt.

Das EMAS-Gütesiegel haben nicht viele Betriebe im Landkreis – außer der Bäckerei nur das Kloster in Benediktbeuern. 2010 erhielt die Bäckerei den Wirtschaftspreis des Landkreises.

Beim Rundgang durch den Betrieb zeigte sich Scharf sichtlich beeindruckt von der Technik in der Bäckerei. Sechs Lehrlinge sind derzeit in der Ausbildung, zudem hat Eberl drei Asylbewerber eingestellt. Der Ministerin gab der Firmenchef mit auf den Weg, die zunehmende Bürokratie in Bayern abzubauen.

Familie Eberl und zahlreiche Mitarbeiter, darunter auch ehemalige, freuten sich sehr über die vielen Gäste. Auch Stasi Eberl, die 88-jährige Mutter des Seniorchefs, war gekommen. „Sie hat erst vor drei Jahren gekündigt“, sagte Josef Eberl schmunzelnd. „Aber sie kommt immer noch jeden Tag vorbei und schaut, ob auch alles passt.“

Nach der Übergabe der Urkunden besichtigte die Ministerin den Betrieb. 

Umweltministerin Scharf in der Bichler Bäckerei Eberl

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