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Punkrock seit 2010: IQ Zero aus Bichl (Foto oben) veröffentlichten vor Kurzem ihr erstes Album „Time”. Die Bandmitglieder heißen (v. li.) Severin Kriegsch, Fabian Walter, Jeremia Gahn, Fabian Fiedler und Maxi Fahrner.

Zu Besuch im Proberaum

Jugend und Vorbilder: Ein Gespräch mit der Punk-Rock-Band IQ Zero

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Die Jugend braucht Vorbilder: Das sagt sich leicht und klingt auch immer ganz gut. Die Band IQ Zero aus Bichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat zwar Vorbilder, steht aber mit ihnen im Zwiespalt.

Denn sie wird von Freunden, Konzertbesuchern und Journalisten oft, vielleicht zu oft mit der Band Green Day verglichen. Und dann sieht Sänger Jeremia Gahn dem Frontmann der Punkrocker aus Kalifornien, Billie Joe Armstrong, auch noch ziemlich ähnlich. Zeit, um Gahn (20, Gesang & Gitarre), Fabian Fiedler (20, Schlagzeug), Severin Kriegsch (20, Keyboard) und Fabian Walter (21, Bass) einmal über Vorbilder diskutieren zu lassen. Ein Gespräch im Proberaum.

Im Keller der Familie Fiedler regiert der Punk-Rock. Die Wendeltreppe nach unten, schon begrüßen einen Konzertplakate und Rock-im-Park-T-Shirts an den Wänden. Zwischen Schlagzeug und Gitarrenverstärkern bekommt der Interviewer einen Campingstuhl angeboten und ein Bier in die Hand gedrückt. Die IQ-Zero-Mitglieder nehmen auf dem Boden oder auf alten Kinositzen Platz.

„Irgendwann nerven die Vergleiche“

Wenn zu Euch nach dem Konzert einer sagt: „Hey, ihr seid ja voll wie Green Day!“. Seht ihr das als Kompliment oder nervt das unheimlich?

Sofort lachen alle Bandmitglieder, zwei von ihnen sagen gleichzeitig mit ironischem Unterton: „Kommt nie vor.“

Fiedler: Als wir angefangen haben, hat uns das voll gefreut. Green Day gehört auf jeden Fall zu unseren größten Einflüssen. Aber mittlerweile versuchen wir da rauszukommen und unseren eigenen Sound zu finden.

Gahn: Es ist aber trotzdem jedes Mal ein Kompliment. Aber ja, irgendwann nervt’s.

Kriegsch: Es kommt auch drauf an, wie’s rüberkommt. „Ich hab’ grade ein Video von euch gesehen. Ihr klingt ja genau wie Green Day.“ Dann muss man sagen: Das ist nicht unser Ziel.

Walter: Mich nervt eigentlich nur, wenn jemand fragt: „War das Lied von Green Day?“. Und ich weiß ganz genau: Es ist unseres. Auch schon vorgekommen.

Verändert ihr euch deshalb musikalisch? Nach dem Motto: Wir müssen mehr eigenes herausarbeiten.

Fiedler: Wir hatten letztens im Bandraum die Diskussion, weil ein neuer Song tatsächlich sehr nach Green Day klang. Dann haben wir überlegt: Was können wir anders machen?

Gahn: Und dann haben wir es trotzdem so gelassen (alle lachen). Im Ernst: Wir wollen nicht auf Teufel komm raus andere Songs machen, nur damit sie nicht an irgendwen erinnern.

Walter: Und man muss einfach auch sagen: Green Day ist ne geile Band. Da kann man sich was abschauen.

Viele junge Bands haben mit Coversongs ihrer Vorbilder angefangen. Ihr auch?

Gahn: Ja schon, „Basket Case“ von Green Day zum Beispiel. Fabi (Fabian Fiedler) und ich hatten gerade unsere Instrumente gelernt und unser Sänger hatte noch nie davor gesungen. Und dann kam irgendwann der Walter daher...

Punkrock seit 1989: Green Day aus Kalifornien.

Die Band zieht Bassist Fabian Walter wegen seiner früher eher beschränkten Fähigkeiten auf. Der hat allerdings ein gutes Argument auf seiner Seite: Er spielt nicht nur Bass, sondern bei einem IQ Zero-Song auch Mundharmonika. Bei diesem Hinweis muss er an gestern Abend denken. Er war auf dem Green Day-Konzert in der Münchner Olympiahalle.

Walter: Gestern hat dieser Idiot Billy Joe (Armstrong) auf einmal angefangen, Mundharmonika zu spielen. Das haben die sich definitiv von uns abgeschaut.

Müsst Ihr eigentlich auch andere Bandnamen neben Green Day hören?

Fiedler: Die Toten Hosen sind auf jeden Fall ein zweites Vorbild. Aber das hören wir nicht oft.

Gahn: Viele Leute kommen auch und sagen: Das klingt ja wie der Punkrock von früher.

Walter: Also ich werde ganz oft mit dem Bassisten von Sum 41 verglichen. Ich weiß auch nicht warum...

Fiedler: Weil du so aussiehst.

Wie findest Du den Vergleich?

Walter: Es ist schon komisch, er ist ja eine Weltberühmtheit. Aber irgendwie auch cool.

Macht man berühmte Musiker intuitiv nach?

Fiedler: Das wollte ich gerade sagen. Bei Dir (spricht zu Gahn) denke ich mir auch oft: Jetzt kommt wieder Billie Joe. Wie du dich auf der Bühne bewegst. Aber das machst du sicher nicht mit Absicht, sondern eher automatisch.

Gahn: Schwierig zu sagen. Ich hatte am Anfang keinen Gitarrenunterricht und habe versucht, es mir selbst beizubringen. Und da guckt man natürlich Youtube-Videos, sieht, wie manche Gitarristen spielen und gewöhnt sich Sachen an. Aber der Großteil ist schon intuitiv.

Und das Gitarrensolo auf dem Rücken?

Fiedler: Das machen ja alle.

Walter: Ich bin schon mit gebrochenem Bein wo hochgeklettert. Wie das Campino (Sänger der Toten Hosen) gerne macht.

Die Band diskutiert jetzt über einen Auftritt von Foo Fighters-Sänger Dave Grohl, der sich einst beim Sprung von der Bühne das Bein brach. Grohl sagte noch im Liegen, er werde in die Arena zurückkehren. Nach kurzem Krankenhaus-Besuch war er wieder da und spielte das Konzert mit Gipsbein zu Ende.

„Wir erreichen einige Leute als Band“

Ganz andere Frage: Verortet Ihr euch in einer Szene?

Gahn: Punk-Rock ist schon die Grundlage von allem, was wir machen. In Konzertankündigungen oder auf unserer Facebook-Seite schreiben wir aber meistens „Punkrock/Alternative Rock“, weil wir auch ein paar ruhigere Lieder haben. Die Lederjacke und die Iro-Frisur, das sind Klischees, finde ich. Punk ist für mich eher die Einstellung, dass du dein eigenes Ding machst.

Walter: Ja, wir sagen nicht alle, Anarchie ist das Beste, was es gibt.

Fiedler: Aber wir sind größtenteils links eingestellt.

Kriegsch: Ich würde jetzt aber nicht sagen, dass wir politische Musik machen.

Fiedler: Ich meinte, dass wir für uns politisch sind, nicht auf der Bühne.

Walter: Wir gehen ja auch auf Demos für Flüchtlinge oder gegen die AfD.

Spiegelt sich eure Einstellung dann überhaupt nicht in den Songs?

Walter: Es ist nicht so, dass jeder Song das System kritisiert.

Gahn: Aber bei dem, was wir auf der Bühne sagen und was wir auf Facebook posten, merkt man natürlich schon, dass wir Trump schlecht finden – oder eben die AfD. Die Leute kriegen das mit.

Walter: Und auch wenn es nicht viele sind: Man erreicht doch einige Leute als Band.

Fiedler: Und das sind vor allem junge Leute. Wir sind jetzt keine Vorbilder für die, aber wir merken, dass sie uns Dinge abnehmen. Bei mir ist das ja auch so: Wenn zum Beispiel Kraftklub sagt, sie finden etwas blöd, dann schwappt das schon auf mich über.

Gahn: Aber wir schauen, dass wir nicht zu viel posten – und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Wir sind ja keine große Band mit riesiger Reichweite.

„Junge Leute hören eher auf Musiker als auf Politiker“

Aber ich höre heraus, dass man eine gewisse Verantwortung hat – egal ob man vor 10 oder 10 000 Menschen spielt…

Walter: Stimmt. Ich kann irgendwas auf der Bühne sagen, und meistens machen die das dann. Egal, ob ich mit „Hey Jo“ anfange oder sage, alle sollen „Shrimps mit Reis“ schreien. Das ist eine gewisse Macht. Und ich finde das total verwirrend.

Fiedler: Junge Leute hören halt eher auf Musiker als auf Politiker, die Anzug tragen.

Gahn: Ich finde es gut, wenn Bands wie die Toten Hosen ihre politische Meinung sagen. Viele kritisieren sie dafür. Die müssen jetzt nicht aufrufen, bei der nächsten Bundestagswahl eine bestimmte Partei zu wählen. Aber sie können Missstände anprangern.

Ein neues Lied der Hosen heißt ja „Pop & Politik“. Da geht es genau um sowas.

Walter: Sie haben sich ja davon distanziert, dass ihre Lieder im Wahlkampf verwendet werden. Die CDU hat an einem Wahlabend „An Tagen wie diesen“ gesungen.

Wie bei einer Wahl gibt es auch bei Band-Contests immer einen Sieger. Sie werden beworben mit Mottos wie: „Einmal wie die Großen sein.“ „Einmal auf der großen Bühne stehen.“

Ihr habt schon bei vielen Contests mitgemacht, wie steht Ihr dazu?

Gahn: Bei fünf haben wir mitgemacht. Aber jetzt wollen wir eigentlich keine mehr spielen. Am Anfang ist das eine gute Möglichkeit, wenn man noch keine CD hat und schwer an Auftritte kommt. Da kann man sich gut ausprobieren.

Fiedler: Ja, auf einer gescheiten Bühne mit gutem Tontechniker und Beleuchtung.

Walter: Und man kann Kontakte knüpfen und bekommt Feedback von der Jury, was man verbessern kann.

Fiedler: Naja, nicht immer.

Gahn: Die Contests waren schon oft schlecht organisiert. Oder die Jury stand mit den anderen Bands draußen beim Rauchen. Und oft kriegst du für die verkaufte Karte nur einen Euro. Wir wollen öfter versuchen, selbst was zu organisieren. Das ist natürlich viel Aufwand, man muss in Jugendzentren anrufen und lokale Bands auftreiben, wenn man zum Beispiel in Nürnberg spielen will. Da kennt uns nämlich niemand. Aber sowas bringt uns weiter.

Die Band bot dem Autor ein Freibier an – für jedes „Green Day“, das er aus dem Text streicht.

Tobias Gmach, 27, Volontär beim Tölzer Kurier

Alter, die Jugend! Eine Volontärs-Beilage

Dieser Text ist Teil der Beilage Alter, die Jugend!“. Die Volontäre von Münchner Merkur, tz und Merkur.de haben sich auf die Suche nach Geschichten gemacht, die das Verhältnis der jungen Leute zum Alter und anders herum erzählen. Hier geht es zum Überblick über alle Artikel.

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