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Anprobe für den großen Auftritt: (stehend v. li.) Trachtenmodenschau-Organisatorin und Schneidermeisterin Traudi Stacheter, Wolfgang Peschl, die „Models“ Theresa Trautnitz, Barbara Kramer, Regina Göbl, Katharina Göbl, Elisabeth Gerg und Veronika Göbl sowie die Friseurmeisterinnen Sabine und Evi Sziedat; vorne sitzend (v. li.) die Trachtenschneidermeisterinnen Elisabeth Poschenrieder, Veronika Limm und Anna Thaler. 

Vorbereitungen für Trachtenmodenschau

Bichl zeigt sich von der schönsten Seite

Geschäftiges Treiben herrscht im Schulungsraum der Metzgerei Kramer. Etwa ein Dutzend Frauen haben sich hier versammelt. Während die einen in provisorisch zusammengenähte Kleidungsstücke schlüpfen und dann im Wesentlichen ruhighalten müssen, sind die anderen eifrig beschäftigt mit Nachmessen, Abstecken, Ausschneiden – zwischendurch fällt immer wieder ein prüfender Blick von oben bis unten auf das jeweilige „Gesamtobjekt“.

Bichl– Worum es hier geht? Um die Vorbereitungen für die Trachtenmodenschau, die in knapp fünf Wochen den Auftakt für die Bichler Festwoche bilden wird. Die Zeit läuft, und es gibt noch viel zu tun.

Eigentlich sind ja der Patronatstag des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien am 6. Mai und die 125-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr am 13. Mai die Höhepunkte der Festtage. Doch auch mit der Trachtenmodenschau im Festzelt wollen die Veranstalter – die Bichler Gebirgsschützenkompanie (GSK) und die Feuerwehr – ein besonderes Zeichen setzen.

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Denn Tracht hat was. Aber was genau? Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, werden oft lang und breit wissenschaftliche und emotionale Thesen bemüht. Alexander Wandinger, Leiter des Trachteninformationszentrums (TIZ) in Benediktbeuern, hat jedoch auch eine kurze Erklärung für das, was Tracht ausmacht: „Tracht ist Mode mit Tradition und Teil unserer Heimat.“ Und wohl gerade deshalb findet sie in unserer Zeit der schnellen Veränderungen immer wieder neue Wertschätzung.

So ähnlich hat es auch der Bichler Festausschuss gesehen. Aber vor dem endgültigen Entschluss wollte er sich selbst ein Bild machen von so einer Kleiderpräsentation mit Heimatgefühl. Gelegenheit dazu bot damals akkurat eine derartige Veranstaltung im Rahmen der Schaftlacher 1000-Jahr-Feier. „Unsere Leute waren alle begeistert von dieser gelungenen Vorführung“, sagt Rudi Kramer jun., Vorstand der Bichler GSK.

Und damit kommt Traudi Stacheter ins Spiel. Die Trachtenschneidermeisterin aus Baiern nahe Glonn war nämlich bei diesem Schaftlacher Event maßgebliche Organisatorin und Akteurin. Es lag also nahe, sie auch mit dem großen Vorhaben in Bichl zu betrauen. „Aber wir wollten natürlich ebenso unseren einheimischen Schneidermeisterinnen ein Podium geben“, sagt Kramer.

Außerdem besteht Tracht ja nicht nur aus Kleidern. Individuelle Accessoires steuern etwa Goldschmiedemeisterin Regina Scheufen aus Bad Heilbrunn sowie die Bichler Wolfgang und Sofie Peschl mit Gürtelschließen und Drahtblüten-Haarnadeln bei. Haarnadeln kommen aber nur zur Wirkung mit einer passenden Frisur. Vor allem bei den „klassischen Trachten“ wie Miedergwand und Schalk ist eine Hochsteckfrisur unerlässlich. Den geübten Blick und das fachmännische Geschick dafür haben Sabine und Evi Sziedat mit ihrem Team vom Benediktbeurer Frisiersalon „Hairg’richt“.

Aber nun zurück zu dem Treffen der textilen Handwerksmeisterinnen. 80 maßgeschneiderte Kreationen wollen Traudi Stacheter und ihre Tochter Anna Thaler zusammen mit ihren Bichler Berufskolleginnen Maria Poschenrieder, Elisabeth Poschenrieder und Veronika Limm dem Publikum am 4. Mai im Festzelt zeigen. Interessant wird diese Schau allemal, sind die Nähkünstlerinnen überzeugt: „Denn die verwendeten Stoffe, Farbkombinationen, Muster und Macharten sind äußerst vielfältig.“

Dass es auch im Trachtenbereich Modeströmungen gibt, macht sich schon daran bemerkbar, dass halt mal einige Jahre lang das Spenzergewand dem einteiligen Dirndlg’wand vorgezogen wird, dass mal Karos und mal Blümchenmuster in den jeweils aktuellen Trendfarben angesagt sind oder etwa die Rocklänge von knöchellang auf knielang reduziert wird. „Momentan wieder im Kommen sind beispielsweise der Brokatstoff und quergestreifte Röcke“, stellte Stacheter fest. Zur Kollektion gehört überdies ein Dirndl-Oberteil aus altem handgewebtem Leinen, das vom Kloster Schlehdorf stammt. Und eine Besonderheit sind Stacheters mit Textilfarben dekorierte Stoffe.

Neben all diesen Varianten und einigen Konfektionskleidern kommen ergänzend vorwiegend männliche Kleidungsstücke der Lenggrieser Säcklerei Bammer, Maß- und Konfektionsmodelle von der „Lenggrieser Tracht und Lodenstubn“ sowie Hüte von Martin Wiesner aus Rottach-Egern zum Einsatz. Vorgesehen ist darüber hinaus ein separater Block, in dem Alexander Wandinger vom TIZ die Monturen der sechs Loisachgau-Kompanien vorstellt.

Und was fehlt jetzt noch? Natürlich die Models! 22 Frauen, zehn Männer und zehn Kinder, überwiegend aus Bichl, haben die Herausforderung angenommen, über den Laufsteg zu flanieren und Tracht von klassisch-festlich über trendig-lässig bis hin zu alltagstauglich zu präsentieren. „Das wird was werden“, meinen noch etwas unsicher sechs Damen aus dem Vorführteam, die bei diesem Treffen vor wenigen Tagen anwesend waren. Einige Proben stehen noch bevor. In den kommenden fünf Wochen ist für Spannung und Lampenfieber gesorgt.

Eintrittskarten: Karten für die Bichler Trachtenmodenschau am Freitag, 4. Mai, gibt es zu je 15 Euro in der Metzgerei Kramer, in der Bäckerei Eberl, in der Penzberger Tankstelle Eberl und über München-Ticket im Internet. 

(von Rosi Bauer)

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