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Amtsgericht

"Wenn er trinkt, ist er unberechenbar"

Kochel am See/Bichl - Sein unkontrollierter Alkoholgenuss beschert einem 18 Jahre alten Kochler mächtig Probleme: Gleich drei Anklagen verlas der Staatsanwalt bei der jüngsten Verhandlung des zuvor bereits zweimal straffällig gewordenen Auszubildenden.

Diesmal musste er sich wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte sowie Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten – und immer waren erhebliche Mengen Alkohol im Spiel.

Der junge Mann wurde zu zwei Freizeitarresten verurteilt. Sein mitangeklagter Bekannter (18) wurde freigesprochen.

Der gravierendste Vorfall ereignete sich bei einem Bauwagenfest in Bichl. Dort soll der Angeklagte einen anderen Gast (17) im Wagen unvermittelt geohrfeigt haben. Als die beiden sich wenig später draußen wieder begegneten, soll der Kochler den 17-Jährigen gemeinsam mit seinem Bekannten gepackt, geschlagen und getreten haben. Der Geschädigte riss sich schließlich los und entging so weiteren Schlägen. Als er später zum Fest zurückkehrte, um Freunde abzuholen, erhielt er von dem Angeklagten noch einen Kopfstoß, bei dem er sich eine Gesichts- und Nasenprellung zuzog.

„Wenn er was getrunken hat, ist er unberechenbar“, erklärte der Geschädigte, der Ende Januar 2016 im Augustinerstüberl in Bichl erneut Prügel bezog: Dabei schlug der 18-Jährige dem ein Jahr jüngeren Bichler mit der Faust erst aufs linke, dann aufs rechte Auge.

Ein paar Tage später, am 7. Februar, wurde der Beschuldigte betrunken auf dem Mofa erwischt. Von 2,3 Promille Alkohol im Blut berauscht, war er Schlangenlinien gefahren und auf die Gegenfahrbahn geraten, wo ein entgegenkommender Pkw nur durch starkes Abbremsen einen Crash vermeiden konnte. „Viel weiß ich nicht mehr davon“, sagte der Angeklagte in Bezug auf die Trunkenheitsfahrt.

Nach dem Besuch des Faschingsballs in Benediktbeuern habe er von Ried aus noch zu einem Spezl nach Ort fahren wollen. „Da war noch ein Fest“, so der 18-Jährige. Auch von Faustschlägen im Augustinerstüberl habe er „nichts mitbekommen“. Nur ein verschwommenes Bild hatte er von der Schlägerei am Bauwagen – die Erinnerungsfetzen ließen ihn jedoch einräumen, dass er dem Geschädigten nach gegenseitigen Beleidigungen „eine ins Gesicht geschlagen“ hatte. Auch bei dieser Tat lag sein Alkoholpegel deutlich über zwei Promille.

„Sie haben ein massives Alkoholproblem, dass Sie ohne Hilfe nicht in den Griff kriegen“, machte Jugendrichter Urs Wäckerlin dem Angeklagten deutlich. Zusätzlich zu zwei Freizeitarresten verordnete der Richter dem 18-Jährigen fünf Suchtberatungsgespräche sowie eine ambulante Therapie. Außerdem verhängte er eine Führerscheinsperre von 15 Monaten sowie ein dreimonatiges Fahrverbot, das auch für Mofas gilt. Sein Bekannter wurde freigesprochen. Er hatte während der Verhandlung mehrfach beteuert: „Ich habe niemandem etwas getan. Ich habe versucht zu schlichten und damit meiner Meinung nach das Richtige getan.“ Das Gegenteil war ihm nicht nachzuweisen.

Rudi Stallein

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