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Bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist für viele Familien schwierig geworden.

Soziale Entwicklung

Wohnungsnot: Appell der Pfarrei

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Was kann man tun, um die schwierige Wohnraumsituation in Bichl und Benediktbeuern zu verbessern? In die Diskussion schaltet sich nun auch der Pfarrgemeinderat ein.

Bichl/Benediktbeuern– Im Bichler Gemeinderat wurde jetzt in öffentlicher Sitzung über einen Brief diskutiert. Zum Hintergrund: Mitte Februar wandte sich der Pfarrgemeinderat schriftlich an die beiden Gemeinden. Der Brief ist ein eindringlicher Appell, Wohnraum zu schaffen. „Die Situation spitzt sich in unseren Augen zu“, heißt es in dem Brief, den der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sebastian Bugl unterzeichnet hat. Betroffen seien vor allem sozial schwächer gestellte Familien, anerkannte Flüchtlinge und Studenten. „Im Loisachtal geeigneten Wohnraum zu finden, der bezahlbar ist, ist nahezu unmöglich.“ Einkommensschwache Familien könnten die Mietpreise nicht mehr bezahlen. „Das Kloster und die Pfarrei werden zunehmend Adressaten von Bittstellern“, heißt es in dem Brief.

Flüchtlinge und Studenten konkurrieren um Wohnraum

In Benediktbeuern und Bichl würden mittlerweile Flüchtlinge und Studenten um Wohnraum konkurrieren. Laut Bugl gab es im vergangenen Herbst einen „echten Wohnungsnotstand“. Einige Studenten mussten sogar ihren Studienplatz wieder aufgeben. „Im nächsten Herbst wird uns diese Situation wieder einholen.“

Auch für Flüchtlinge sei die Situation schwierig. „Viele haben Beziehungen vor Ort aufgebaut, haben Arbeit gefunden, sind in Vereinen aktiv und die Kinder gut in der Schule integriert“, heißt es in dem Brief.

Nach Meinung des Pfarrgemeinderats sollten die beiden Dörfern „aus unserer christlichen Gesinnung heraus eine offene Gemeinde sein, die möglichst vielen Personen mit unterschiedlichem sozialem Status eine Bleibe gewähren kann.“ Deshalb habe man zusammen mit der Kirchenverwaltung beschlossen, in Benediktbeuern die Bebauung auf der Grünfläche zwischen Studentenwohnheim und der Straße Am Klosterweiher zu prüfen, und zwar für Sozialwohnungen. Laut Bugl wurde dies von Bürgermeister Hans Kiefersauer in einem Brief an Pfarrer Heim gutgeheißen. „Die Verhandlungen mit der Diözese sind nun aufgenommen.“

Diese Maßnahme könne jedoch nur ein erster Schritt sein, heißt es in dem Brief. Der Pfarrgemeinderat regt die Schaffung eines „Sozialen Forums“ an, das sich der sozialen Fragen annimmt, und an dem Gemeinderäte und verschiedene Einrichtungen beteiligt sind.

Im Bichler Gemeinderat findet man diese Idee gut. „Es ist sehr wichtig, sich darüber auszutauschen“, sagte Bürgermeister Benedikt Pössenbacher. Die Gemeinde hatte vor gut einem Jahr auf einem Grundstück im Falak eine Unterkunft für 50 Asylsuchende geplant. Weil die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten gesunken ist, sind diese Pläne wieder vom Tisch. „Es ruht alles. Das Grundstück liegt im Außenbereich und ist deshalb nicht so einfach zu bebauen“, erklärte Pössenbacher die Situation. Von Seiten der Regierung gebe es keine klaren Worte, bedauerte er. Immerhin: Die in Bichl lebenden Flüchtlinge, vor allem Menschen aus Eritrea mit Anerkennungsstatus, könnten in ihren Unterkünften (hauptsächlich „Bayerischer Löwe“) bleiben.

Es sei, so Pössenbacher, „nicht so einfach, Bauland auszuweisen“. Immerhin: Die Baugenossenschaft Lenggries plane Wohnungen an der Ludlmühlstraße. Dass der Bedarf für günstige Wohnungen sehr groß sei, darüber war man sich im Gemeinderat einig. „Die Frage wird uns künftig intensiv beschäftigen“, so Pössenbacher. Der gemeinsame Austausch, etwa in einem Sozialen Forum, sei deshalb begrüßenswert.

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