Zehn Jahre First Responder

Bichler Ersthelfer aus Leidenschaft

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Bichl - Vor zehn Jahren hatten die First Responder der Feuerwehr Bichl ihren ersten Einsatz – damals noch skeptisch beäugt. Mittlerweile sind sie als Ersthelfer im Loisachtal nicht mehr wegzudenken.

„Mei, hab’ ich falsch alarmiert?!“ So manchem Bürger fuhr erst mal der Schreck in die Glieder, wenn bei einem medizinischen Notruf nach wenigen Minuten plötzlich einige Feuerwehr-Männer vor der Tür standen. Es handelte sich um die neue First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Bichl, die Mitte Dezember 2006 gegründet wurde und am Zweiten Weihnachtsfeiertag ihren ersten Einsatz hatte. Doch mittlerweile müssen die Retter nicht mehr erklären, wer sie sind – ihr Bekanntheitsgrad ist groß.

Die First Responder

sind Ersthelfer, die bei medizinischen Einsätzen gerufen werden, um die Zeit bis zum Eintreffen des regulären Rettungsdienstes zu überbrücken. So soll das „therapiefreie Intervall“ verkürzt und die Überlebenschance der Patienten gesteigert werden. Denn gerade in ländlichen Gebieten hat der Rettungsdienst oftmals lange Anfahrtszeiten zum Notfallort.

Die First Responder werden alarmiert, wenn nach einem Unfall oder einer akuten Erkrankung Lebensgefahr besteht, zum Beispiel bei Herzinfarkt oder Schlagfall. Der Alarm erfolgt immer zeitgleich zum „normalen“ Rettungswagen und Notarzt über die Rettungsleitstelle Oberland.

Zum Einzugsgebiet gehören Bichl und Umgebung. Derzeit gibt es 16 Aktive. Feuerwehrkommandant Hermann Spanner hat die Gruppe vor zehn Jahren federführend mitaufgebaut. Die Freude war groß, als das Team 2008 beim Projekt „Start Social“ von Kanzlerin Angela Merkel als Bundessieger ausgezeichnet wurde.

Auch die Gruppe selbst konnte damals jede Hilfe gut gebrauchen. „Ohne die Unterstützung von Bevölkerung und vielen Firmen wäre es nicht gegangen“, sagt Spanner dankbar. Und das ist bis heute so. Am Anfang war alles recht spartanisch – bei einer Alarmierung wurde der Notfallrucksack in den Privat-Pkw gepackt, und los ging’s. Nach einem Jahr konnte man dank Spenden einen gebrauchten VW-Bus kaufen, der bis heuer im Frühjahr in Gebrauch war. Seit Kurzem gibt es ein neues Einsatzfahrzeug inklusive Kindernotfallausrüstung.

Das Schönste, sagt Spanner, seien die vielen dankbaren Rückmeldungen, die die First Responder nach getaner Arbeit bekommen. Jeder Brief wird an die Pinnwand im Feuerwehrhaus geheftet. In besonderer Erinnerung ist allen die erfolgreiche Hilfe bei einer Geburt.

In zehn Jahren haben die First Responder über 1500 Einsätze absolviert. Im Durchschnitt rücken sie vier- bis sechsmal in der Woche aus, auch nachts. Die häufigsten Alarmierungen sind am Wochenende. Für Spanner liegt das in der Natur der Sache: „Da sind die Leute zu Hause.“ Außerdem herrsche an diesen Tagen Ausflugsverkehr, so dass man beispielsweise zu Verkehrsunfällen gerufen werde.

Die First Responder sind derzeit „in drittter Generation“ aktiv. Das heißt, es gibt immer wieder einen Wechsel im Team, etwa durch Umzug oder berufliche Veränderung. Zu den 16 Aktiven kommen drei bis fünf Anwärter. Wer First Responder werden will, muss mindestens 18 Jahre alt sein, einen Pkw-Führerschein haben und die Feuerwehr-Ausbildung abgeschlossen haben. Dann folgt eine 80-stündige Grundausbildung, in der Notfallmedizin in Theorie und Praxis auf dem Stundenplan stehen. Zweimal im Jahr muss man diese Kenntnisse auffrischen. Weil alle Bichler Frist-ResponderAusbilder auch hauptamtlich im Rettungsdienst tätig sind, können sie ihren eigenen Nachwuchs vor Ort schulen.

Alle Einsätze sind für Patienten und Angehörige kostenlos. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich und unentgeltlich. Einzige Einnahmequelle sind Spenden und Förderbeiträge. Mit dem neuen Einsatzfahrzeug sind die Bichler sehr gut ausgerüstet. Doch andere Dinge dürfen natürlich auch nicht vernachlässigt werden. Im kommenden Jahr muss die Einsatzkleidung neu beschafft werden. „Wir freuen uns über jede Unterstützung“, sagt Spanner.

Mehr über die Arbeit der Feuerwehr erfährt man im Internet auf www.www.feuerwehr-bichl.de. 

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