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Symbolbild

Gericht

Dicke Lippe, blaues Auge

Bichl/Wolfratshausen – Ein Bichler hat beim Stadlfest zugeschlagen. Die Quittung: Ein Wochenende Arrest.

Das Stadlfest in Untersteinbach heuer im Juli ist zwei jungen Männern aus Münsing in schmerzhafter Erinnerung geblieben: Ein 21-Jähriger bekam eine Faust auf die Lippe, sein 20 Jahre alter Freund ein blaues Auge. Beide Schläge wurden von einem betrunkenen Bichler (20) ausgeführt. Dieser musste sich nun vor dem Jugendrichter verantworten und wurde zu einem Wochenendarrest verurteilt.

Der Angeklagte konnte sich bei seiner polizeilichen Vernehmung nicht mehr genau erinnern, wie das alles am 11. Juli gegen 1.50 Uhr passiert ist. Er überraschte den Richter nun mit einer einleuchtenden Erklärung. Er sei Fan des TSV 1860 München und habe mit einem Spezl ein Sechziger-Lieder gesungen. Die zwei späteren Kontrahenten seien Bayern-Fans gewesen und hätten wegen seiner Singerei eine Schubserei angefangen. „Er will mir eine reinhauen“, so der Beschuldigte, der zur Tatzeit rund 1,7 Promille Alkohol im Blut hatte. „I hab mi nur weg’duckt, und ihm dann eine ‚nei rammt.‘“ Als die zwei Burschen bald darauf wieder gekommen seien, „hab ich denen noch mal zwei reingehauen.“

Die beiden Geschädigten konnten die Geschichte von den streitenden Fußball-Fans nicht bestätigen. Beide gaben an, mit Fußball überhaupt „nix am Hut“ zu haben. Grundlos zugeschlagen habe der Angeklagte, den er bis dahin überhaupt nicht gekannt habe, so der 21-Jährige. Als sie ihn später wegen der Schläge zur Rede stellen wollten, habe er behauptet, dass das nicht er, sondern sein Zwillingsbruder (den es nicht gibt) gewesen sei. Kurz darauf bekam der 20-Jährige die Faust „direkt aufs linke Auge“. Auf die Frage von Staatsanwalt Sven Caspers, warum er damals bei der Polizei gelogen habe, antwortete der Angeklagte: „Ich habe nicht gedacht, dass es so weit kommt und ich wegen so was eine Anzeige kriege.“ Der Staatsanwalt sah in dem Vorgehen des Bichlers „eine extrem brutale, motivationslose Tat“ und bewertete die von der Jugendgerichtshilfe vorgeschlagenen 40 Stunden Sozialdienst als „nicht zielführend“. Hier braucht es einen Freizeitarrest, um dem Angeklagten klar zu machen: So geht’s nicht weiter. Das sah auch Jugendrichter Urs Wäckerlin so. Er verurteilte den 20-Jährigen zusätzlich zu drei Suchtberatungsgesprächen sowie einem Schmerzensgeld von 300 Euro für das blaue Auge und verhängte ein Alkoholkonsumverbot für die Dauer von sechs Monaten. „Die Wirkung von Alkohol ist bekannt. Was passiert, wenn man sich zusäuft, muss jedem klar sein“, so Wäckerlin in seiner Urteilsbegründung. „Der Freizeitarrest muss sein. Da haben sie ein Wochenende Zeit, darüber nachzudenken. Rudi Stallein

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