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Bienen in Not

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Bienen in Not: Imker Georg Kellner musste seine Bienen heuer mit Zuckerwasser und Abschöpfhonig füttern. Die Tiere konnten im verregneten Mai wegen der Kälte nicht ausfliegen. Foto: Archiv
Bienen in Not: Imker Georg Kellner musste seine Bienen heuer mit Zuckerwasser und Abschöpfhonig füttern. Die Tiere konnten im verregneten Mai wegen der Kälte nicht ausfliegen. Foto: Archiv

Bad Tölz-Wolfratshausen - Imker klagen über Nahrungsmangel ihrer Tiere. Denn etliche Völker sind nach dem verregneten und kalten Mai gestorben.

Georg Kellner ist ratlos. Der Hobby-Imker muss um seine Bienen fürchten. Die fleißigen Völker sind durch den verregneten und kalten Mai vom Aussterben bedroht. Der Grund: Die Tiere fliegen bei einer Temperatur unter zehn Grad nicht aus. „Die Körperwärme reicht nicht aus, um das Ausschwärmen zu ermöglichen“, erklärt der Vorsitzende des Tölzer Imkervereins. Damit nicht genug: Die Kälte verhinderte außerdem das Blühen vieler Pflanzen. Die Bienen finden keinen Nektar für den Nachwuchs und die Königin stoppt ihre Eiablage.

„Das habe ich in meiner Zeit als Imker noch nicht erlebt“, klagt Kellner, der sich seit 1963 mit der Bienenzucht beschäftigt. An eine Honigernte sei heuer nicht zu denken. Kellner hofft jetzt, dass wenigstens alle Tiere überleben. Schließlich verbrauchen sie 300 bis 400 Gramm Nektar am Tag.

Große Sorgen machen sich auch die Kollegen in Lenggries. Dort hört Imkervereinsvorsitzender Ernst Wenig jeden Tag die Klagen seiner Mitglieder. „Alle mussten die Bienenvölker mit Zuckerwasser oder Abschöpfhonig - kleine Wachsflitter und Pollen, die beim Schleudern übrig bleiben - füttern, damit sie überleben“, sagt Wenig. Er hofft, dass es jetzt trocken und warm bleibt, damit wenigstens der Linden- und Waldnektar als Nahrung zur Verfügung steht. „Normalerweise umfasst ein Bienenvolk in der Saison von Mai bis Juli rund 70 000 Bienen. Momentan sind es aber nur 40 000. Ich habe das in meiner 25-jährigen Imker-Zeit nie in diesem dramatischen Ausmaß erlebt“, klagt Wenig. Ein Volk hat er im Frühjahr 2010 verloren.

Von einer „dramatischen Situation“ spricht auch der Tölzer Imker Markus Graf. Er berichtet von einer regelrechten Bienen-Flucht. „Die Altbienen können nicht ausfliegen, und es kommt zu einem Missverhältnis zwischen Jung und Alt im Bienenstock. Rund die Hälfte der Population schwärmt aus.“ Derweil bleibe die Jungkönigin mit dem minimierten Volk zurück. Bis ihr Nachwuchs kommt, vergehen sieben bis zehn Tage. Die Larven schlüpfen weitere 21 Tage später. „In dieser Zeit leben die Zurückgebliebenen von den Vorräten, die ohnehin knapp sind.“ Auch Graf wünscht sich jetzt ein konstantes Sommerwetter, damit die Bienen in den Monaten Juni, Juli und August für den Waldhonig sammeln können. „Im Jahr 2009 war es genau umgekehrt: Wir hatten einen schönen Frühling und einen verregneten Juni.“

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