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Eine mögliche Bootsfahrverordnung für die Isar soll zwischen Sylvensteinspeicher bis Schäftlarn gelten.

Bad Tölz will den Massenansturm einbremsen

Bootsfahrverordnung für die Isar: Aus für Party-Boote?

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Auf der Isar geht es rund. Im Sommer sind auf dem malerischen Alpenfluss bei Bad Tölz inzwischen so viele Boote unterwegs, dass man trockenen Fußes von einem Ufer zum anderen springen kann, so frotzeln manche. Das Landratsamt will dem nun mit einer Bootsfahrverordnung begegnen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – So kann es nicht weitergehen, darin sind sich alle einig – die Naturschützer, die Fischer, die Politik und sogar die Bootstouren-Anbieter: Auf der Isar bei Bad Tölz ist sommers die Hölle los. Badegäste, Sonnenanbeter und vor allem Bootsfahrer schwärmen an schönen Tagen an und aufs Wasser. Zu viele für das Ökosystem Isar, sagt Karl Probst, Vorstand der Schutzgemeinschaft „Rettet die Isar“. Er spricht von einer regelrechten „Vermassung“, die dem Wildfluss und den dort lebenden Tieren zusetze. „Die Rafting-Veranstalter karren ein Event-Publikum aus ganz Deutschland zusammen“, ärgert sich Probst.

Die Wildwasser-Boote wirbeln den Naturschützern zufolge die Laichgründe der Fische durcheinander, der Lärm störe außerdem die Vögel auf den Isarinseln und -ufern beim Brüten. Einige benehmen sich komplett daneben, zerschneiden regelmäßig Drahtabsperrungen in Naturschutzgebieten.

Und immer wieder bringen Bootsfahrer sich und andere in Gefahr: Die Feuerwehr fischt vier gekenterte und sturzbetrunkene Studenten aus dem Wasser; die Feuerwehr rettet zwei Männer, die in den Sog eines Wehrs geraten sind; ein Rettungshubschrauber birgt vier Gekenterte und einen Hund von einer Sandbank; vier Raftingboote eines kommerziellen Veranstalters geraten in Not, die Retter bringen 20 Gestrandete von einer Sandbank ans Ufer: Das ist die Bilanz der Wolfratshauser Feuerwehr eines einzigen Samstagnachmittags im vergangenen August.

Immer wieder müssen Bootfahrer gerettet werden.

Die Problematik hat auch das Landratsamt in Bad Tölz erkannt. Dort will man mit einer Bootsfahrverordnung reagieren. Sie soll ab 2018 besonders der gebeutelten Natur im Gebiet des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen Entlastung verschaffen. Vorbild ist die sogenannte Ammer-Verordnung, mit der der Landkreis Weilheim-Schongau den Bootsverkehr auf einem gut 25 Kilometer langen Flussstück zwischen Peißenberg und der südlichen Landkreisgrenze regelt. Sie gilt seit fast 25 Jahren und umfasst unter anderem Schonzeiten und Pegelstände, zu denen keine Bootsfahrten erlaubt sind. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, die Vogelfauna und die Fischbestände haben von der Regelung enorm profitiert“, sagt Martin Mühlegger von der Unteren Wasserrechtsbehörde des Landkreises. Dabei war der Widerstand gegen die Ammerverordnung zunächst enorm: Sogar der Petitionsausschuss des Landtags beschäftigte sich mit dem Thema. „Inzwischen ist die Verordnung aber ein Selbstläufer“, sagt Mühlegger. Mit ihr sei es gelungen, „ein richtiges Juwel“ einer Alpenflusslandschaft zu erhalten.

Die Ammer-Verordnung enthält aber eine drastische Einschränkung: Kommerzielle Anbieter von Bootstouren dürfen auf der Ammer gar nicht unterwegs sein. Ein denkbares Modell für die deutlich größere Isar ist das wohl nicht. „Eine Regulierung macht einen gewissen Sinn“, gibt aber auch Anette Irzinger zu. Sie leitet „Action & Funtours“, einen der größten Anbieter von Isar-Rafting-Touren. Sie verweist darauf, dass die kommerziellen Anbieter deutlich sauberer unterwegs seien als viele private Bootsfahrer. „Wir haben vernünftiges und sicheres Material und achten darauf, dass der Alkoholkonsum nicht überhandnimmt.“ Im Winter seien ohnehin kaum Touren angefragt, deshalb kann Irzinger sich gewisse Ruhezeiten vorstellen: „Wenn es der Natur etwas bringt, haben wir damit kein Problem.“ Nur nicht zu lange soll die Schonzeit dauern. „Unsere Saison geht im Mai los“, sagt Irzinger. Sie wünscht sich für ihr Unternehmen ein gewisses Entgegenkommen bei der Verordnung: „Wir sind die einzige Firma, die hier in Tölz ihre Steuern zahlt und die Wirtschaft vor Ort fördert“, sagt sie. „Wir kommen nicht von weiß Gott woher.“

Karl Probst, Vorstand des Vereins „Rettet die Isar“ möchte Flora und Fauna schützen.

Karl Probst vom Bündnis „Rettet die Isar“ fordert unabhängig von der Herkunft der Boote, ob privat oder kommerziell: „Im Winterhalbjahr muss Ruhe sein.“ Außerdem wünscht sich Probst Schutzzonen während der Vogelbrut sowie Fahrstopps während der Laichzeiten. „Wir wollen niemanden aussperren“, betont er, aber ein gewisser Prozentsatz der Sommerfrischler nehme einfach keine Rücksicht.

Im Landratsamt läuft nun zunächst eine Anhörung der verschiedenen Interessengruppen – darunter Fischer, Naturschützer, Bootsfahrer und Rafting-Anbieter. Das Amt strebt einen Kompromiss an, erklärt Sprecherin Marlis Peischer: Das Bootsfahren solle „weiterhin für jede Person in den Schranken einer verträglichen Nutzung der Isar möglich sein“. Das gilt dann aber nur bis zur Grenze bei Schäftlarn zum Landkreis München. Man plane derzeit keine Einschränkungen für Bootsfahrer, erklärt dort das Landratsamt.

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