+
Stand Rede und Antwort: Bürgermeister Stefan Fadinger bei der Versammlung. 

Nahversorgung

Bürgermeister Fadinger wünscht sich Hofladen in Gaißach

Die negative Entwicklung bei der Nahversorgung war ein wichtiges Thema bei der Bürgerversammlung.

Gaißach – In seinem Rechenschaftsbericht zeichnete Bürgermeister Stefan Fadinger das Bild eines grundsoliden Gemeinwesens. Gaißach sei seit vielen Jahren schuldenfrei; dank der gestiegenen Steuerkraft infolge höherer Schlüsselzuweisungen und Gewerbesteuereinnahmen habe man viel Spielraum für Zukunftsinvestitionen. Aus dem aktuellen Haushalt könnten Mehreinnahmen in Höhe von 2,2 Millionen Euro der Rücklage zugeführt werden. Ärgerlich nur: „Die gegen Deutschland gerichtete Geldpolitik führt dazu, dass wir jetzt für unser Erspartes Strafzinsen zahlen müssen.“

Der gemeindlichen Infrastruktur gab der Bürgermeister gute Noten: Straßen, Wasser- und Energieversorgung, Kindergarten und andere Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge seien in einem sehr guten Zustand, und es werde weiter investiert. Als Beispiele nannte er die anstehenden großen Bauvorhaben Kindergartenerweiterung und -neubau für fünf Gruppen und zwei Krippengruppen, die neue Zweifach-Turnhalle für den Schul- und Vereinssport sowie den sozialen Wohnungsbau in Bacherwald.

Eine negative Entwicklung sah der Bürgermeister bei der Lebensmittel-Nahversorgung: „Die politischen Rahmenbedingungen für kleine Läden werden immer schwieriger.“ Der Edeka-Betrieb in Mühl und der Laden beim „Pulverwirt“ haben aufgegeben, doch was ist zu tun? Fadinger brachte erneut einen Hofladen ins Gespräch: „Der Anteil der Erzeuger am Verkaufspreis liegt für Fleisch bei 23 Prozent und für Milch bei 40 Prozent“, da könne Direktvermarktung dazu beitragen, dass ein größerer Anteil der Wertschöpfung in der Gemeinde bleibt.

Von Seiten der Bürger sprach Landwirt Martin Rest (Daxner) ein offenbar kompliziertes „Uralt-Thema“ an: Er übte Kritik an der Ortsgrund-Aufteilung von 1920, bei der es im Ortsteil Mühl nach seiner Ansicht Gewinner und Verlierer gegeben hat. Aufgrund der komplizierten Besitzverhältnisse sah Rest Probleme bei den Zufahrtsrechten und kritisierte die „1:3-Regel“ für Grundstücks-Tauschgeschäfte.

Fadinger sah den Gesprächsbedarf, verwahrte sich aber gegen den Vorwurf fehlender Transparenz: „Nichts wird hinter eurem Rücken geregelt“, betonte er. Und er wies darauf hin, dass die Gemeinde „keinen Grund unter Wert hergeben darf“. Dritter Bürgermeister Johann Schinnagl bescheinigte dem Landwirt „Respekt fürs Aufstehen“, stellte sich aber hinter Fadingers Linie. Ein wichtiges Anliegen sei es der Gemeinde auch, dass Einheimische eine Chance zum Bauen bekommen. Schinnagl dankte Kämmerer Hans Fischhaber, der „ein transparentes Punktesystem für die Bauland-Vergabe“ entwickelt habe.

Lesen Sie auch:Abgase in Wohnung der Nachbarn geleitet: Rentner (77) verurteilt 

Dank und Anerkennung zollte der Bürgermeister den Vereinen sowie den wohltätigen Initiativen „Füreinander“ für die Senioren im Dorf, den Schulweghelfern und dem Asyl-Helferkreis, den prämierten Junghandwerkern und erfolgreichen Sportlern aus der Gemeinde. Landrat Josef Niedermaier stimmte die Versammlung auf Veränderungen ein, mit denen die „große Politik“ in das Handeln vor Ort eingreift. Weil Mobilität und Verkehr immer mehr werden, habe eine „Vergrämung des Autoverkehrs“ längst begonnen. Landkreis und Region seien gefordert, mit hohem Aufwand den ÖPNV auszubauen. An dessen Verlaufsstrecken müsse sich dann auch die zukünftige Siedlungsentwicklung ausrichten. Außerdem würden staatliche Vorgaben zur Reduzierung des Flächenverbrauchs die bauliche Entwicklung der Kommunen einschränken.

Über die Anliegen aus der Bürgerversammlung spricht der Gaißacher Gemeinderat am heutigen Dienstag ab 19 Uhr im Rathaus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heimat schenken: Tipps für originelle Präsente aus der Region
Heiligabend rückt näher. Wer noch keine Idee hat, was er seinen Lieben unter den Christbaum legen könnte: Hier ein paar Tipps für originelle Geschenke von heimischen …
Heimat schenken: Tipps für originelle Präsente aus der Region
Tölz live: Stadtrat ehrt in der Jahresabschlusssitzung
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Stadtrat ehrt in der Jahresabschlusssitzung
Der Tölzer Kurier sucht die Babys des Jahres
Sind Sie in diesem Jahr Eltern geworden? Das möchten wir sehen: Der Tölzer Kurier und merkur.de suchen die Babys des Jahres 2019.
Der Tölzer Kurier sucht die Babys des Jahres
Ehemann (36) will seine Frau verteidigen und wird zusammengeschlagen
Ein Anwohner der General-Patton-Straße in Bad Tölz ist am Samstag ins Krankenhaus gekommen. Er hatte seine Ehefrau vor einem 19-Jährigen beschützen wollen.
Ehemann (36) will seine Frau verteidigen und wird zusammengeschlagen

Kommentare