Stark nachgefragt sind nach wie vor die Corona-Schnelltests, die Apothekerin Eva Löhle auf dem Lenggrieser Festplatz anbietet.
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Stark nachgefragt sind nach wie vor die Corona-Schnelltests, die Apothekerin Eva Löhle auf dem Lenggrieser Festplatz anbietet.

Anbieter von Corona-Schnelltests: Wer schummelt, „wäre schwer bescheuert“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Trotz der teils weggefallenen Testpflicht haben die Schnelltest-Stationen in Bad Tölz-Wolfratshausen weiter alle Hände voll zu tun. Die Betreiber hoffen, dass ihr Image nicht unter den jüngsten Betrugsvorwürfen leidet.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Einzelne Betreiber von Corona-Schnellteststationen in Bayern und Nordrhein-Westfalen stehen im Verdacht, beim Abrechnen betrogen zu haben. Dass dadurch auch der Ruf von Anbietern, die korrekt arbeiten, leiden könnte, „das nervt“, sagt Frank Bittner. Er ist Geschäftsführer der „Notruf & Alarmcenter 24 UG“, die drei Teststationen betreibt, darunter die vor der Helios-Apotheke in Wolfratshausen. Er betont: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Teststationen öfter kontrolliert werden.“ Sein Unternehmen sei jederzeit in der Lage nachzuweisen, dass jeder abgerechnete Test auch tatsächlich durchgeführt wurde.

Helmut Kulla, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des BRK, bezeichnet die Diskussion um Betrugsfälle als unglücklich. „Das zerstört Vertrauen – und genau das können wir als Gesellschaft gerade gar nicht gebrauchen.“ Das BRK, das im Landkreis Teststationen an der Geretsrieder Sudetenstraße, in Icking und in Sachsenkam betreibt, rechnet wie alle anderen Anbieter mit der Kassenärztlichen Vereinigung ab. Bezahlt würden zum einen die „tatsächlichen Beschaffungskosten“ von bis zu 6 Euro pro Schnelltest, zum anderen 12 Euro für eine Abstrichnahme. Davon müsse jeder Anbieter auch seine Unkosten decken. Für das BRK sei das Schnelltesten „in etwa kostendeckend“, so Kulla

In Wolfratshausen fließt Gewinn aus Schnelltest-Stationen in Vereinsarbeit

Die gleichen Zahlen nennt auf Anfrage Robert Klingel, Vorsitzender der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen. Hier laufen die Fäden der vier Teststellen in Wolfratshausen zusammen, die eine ganze Reihe von Vereinen mit ehrenamtlichem Einsatz ihrer Mitglieder betreiben. Von Dezember bis April finanzierte sich dieses Testangebot rein auf Spendenbasis. Wenn jetzt von den erstatteten Beträgen, von denen man auch beispielsweise Miete oder Desinfektionsmittel zahlen müsse, etwas übrig bleibe, so fließe das in die gemeinnützige Arbeit der beteiligten Vereine, erklärt Klingel. Bei der DLRG zum Beispiel in die Schwimmausbildung, die während der Pandemie stark gelitten habe. Bei der Abrechnung werde „absolut sauber“ gearbeitet, versichert er. „Wir dürfen zwar aufgrund des Datenschutzes keine Namenslisten aufbewahren“. Dennoch sei jeder durchgeführte Test im Computersystem „sauberst aufgeführt“. Die beteiligten Organisationen müssten aus Klingels Sicht auch „schwer bescheuert“ sein, wenn sie durch Schummeleien ihren guten Ruf vor Ort aufs Spiel setzen würden.

Apothekerin Eva Löhle stellt klar, dass sie ihre Teststation auf dem Lenggrieser Volksfestplatz nicht aus finanziellem Interesse eröffnet habe, sondern „auf Druck der Kunden“. Zudem habe sie einen Beitrag leisten wollen, „dass etwas vorwärts geht“. Auch bei ihr sei die Test-Statistik minutiös nachvollziehbar. Die allermeisten Kunden registrieren sich der Inhaberin der „Alten Apotheke“ zufolge online. Die 10 bis 15 Personen am Tag, die „analog unterwegs“ seien, würden ebenfalls akribisch erfasst.

Touristen und Einheimische, die in Urlaub fahren wollen, lassen sich testen

Nachfrage gibt es laut Löhle nach wie vor „richtig viel“ – obwohl die Schnelltests mittlerweile im Landkreis weder zum Einkaufen noch für Biergarten-Besuche vorgeschrieben sind. Laut Löhle kommen aktuell aber viele Touristen, die sich alle 48 Stunden testen lassen müssen, sowie Lenggrieser, die selbst verreisen wollen.

Auch in Wolfratshausen ist laut Klingel kein Abflauen erkennbar. „Allein auf dem Loisachhallen-Parkplatz haben wir am Sonntag 200 Tests durchgeführt.“ Die „Hochzeit“ werde wohl mindestens bis zum Ende der Pfingstferien andauern, schätzt er.

Menschentraube vor Teststation in Wolfratshausen

In der Teststation auf der Tölzer Flinthöhe wurden laut Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid von 24. bis 29. Mai 365 Schnelltests durchgeführt. Auch am Montag sei „keine Erleichterung spürbar“ gewesen. An den drei Stationen des BRK gibt es laut Kulla gleichfalls „keinen Trend, dass es nachlässt“. Es bleibe bei einer Größenordnung von 400 Tests an den drei Standorten. Diese Zahl, die Kulla als Beispiel nennt, datiert vom 22. Mai.

Vor der Wolfratshauser Helios-Apotheke bildete sich am Sonntag eine größere Menschentraube. Die Leute warteten hier vergebens, die Teststelle öffnete an diesem Tag nicht. Eine Mitarbeiterin der Helios-Apotheke erklärt auf Anfrage, dass es an diesem Tag mehrere Personalausfälle gegeben habe. Die eingeteilten Ersatzkräfte seien dann auch noch unterwegs als Zeugen eines Unfall länger aufgehalten worden.

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